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Drei Fragen an: Christa Ihn

Christa Ihn war 65 Jahre lang ein treuer Feriengast im St. Theresienheim unserer Schwestern in Moos. Durch ihre ganze Lebensgeschichte zieht sich die Beziehung zu den Mooser Schwestern wie ein roter Faden. Viele herzliche Begegnungen, Momente der Gemeinschaft im Feiern und Beten, aber auch Trost und Anteilnahme in schwierigen Phasen ihres Lebens hat sie hier erfahren. Im Oktober 2017 wurde das St. Theresienheim geschlossen, doch die Verbindung ist geblieben.

Wie haben Sie die Steyler Missionsschwestern kennengelernt?
Meine erste Begegnung mit Moos fand im Jahr 1952 statt. Meine Tante aus Stuttgart war bei uns zu Besuch und erzählte im tiefsten Schwäbisch von ihrem Urlaub in einem Kloster am Bodensee. "Des wär doch was fir eich!" Nach langen Jahren der Entbehrung – der zweite Weltkrieg saß allen noch schwer in den Knochen – entschlossen sich meine Eltern im Urlaub neue Kraft zu tanken. Die begeisterten Schilderungen der Tante hatten sie überzeugt. Es sollte der erste Urlaub meines Lebens werden, ich war 13 Jahre alt. Als Stadtkind war ich natürlich gleich total begeistert, als wir von der Straße her durch das Blätterdach des Waldes wie durch ein grünes Gewölbe fuhren und plötzlich vor einem großen Bauernhof und einem ansprechenden Klostergebäude Halt machten. An der Klosterpforte empfing uns Sr. Anna Walburga, die "Seele des Hauses". Mit offenen Armen und einem strahlenden Lächeln hieß sie uns herzlich willkommen. Sie hat uns Moos vom ersten Augenblick an zu einem Ort gemacht, an dem wir uns immer liebevoll aufgenommen, geborgen und wie zuhause fühlten. Nach den langen und kargen Kriegs- und Nachkriegsjahren fühlten wir uns, als wären wir im Paradies. Da ist es kein Wunder, dass es uns Jahr für Jahr immer wieder nach Moos zog. Später kam auch mein Mann gerne mit, alle unsere Kinder wurden von Geburt an "kleine Mooser" und inzwischen sind auch meine Enkel schon echte Moos-Fans.

Was verbindet Sie (bis) heute mit ihnen?
Es sind die vielen gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen während meiner Aufenthalte in Moos. In jedem Jahr gab es irgendeinen Anlass für einen Bunten Abend, den Geburtstag einer Schwester, ein Ordensjubiläum oder einfach nur die Freude am Feiern. Da wurde eifrig gedichtet, geprobt, musiziert, Theater gespielt und immer waren alle Gäste dabei und hatten ihre Freude daran. Oder ein Bild aus dem großen Speisesaal: Alle Gäste waren rechtzeitig zu den Mahlzeiten versammelt. Und wenn dann Sr. Ermenbertas Glöckchen läutete, wurde gemeinsam zu Tisch gebetet und gesungen. Eine unvergessliche Tischgemeinschaft! Wer Geburtstag hatte, fand Blumen und eine brennende Kerze an seinem Tisch und durfte tausend gute Wünsche entgegennehmen.
Es ist die Offenheit und Herzlichkeit, mit der diese Frauen ihren Mitmenschen begegnen. Es sind die vielen wertvollen persönlichen Gespräche mit den Schwestern. Im Haus und Hof und Garten waren die fleißigen Schwestern unermüdlich im Einsatz. Trotzdem nahmen sie sich immer noch Zeit für ein paar freundliche Worte, bei Bedarf auch für Trost und Anteilnahme. All das pulsierende Leben, alle Sorgen, Anliegen, Freuden und Schmerzen der Menschen schlossen sie Tag für Tag unermüdlich in ihr Gebet ein und vertrauten es Gott an. In Stille und ganz unspektakulär legten sie das Fundament für die einzigartige Gemeinschaft, in der alle Moosbesucher über örtliche und zeitliche Grenzen hinweg miteinander verbunden sind und immer sein werden.
Und es ist die große Achtung vor der so glaubhaft gelebten Spiritualität, die ich hier kennenlernen durfte und die auch im Gleichklang steht mit meinem eigenen Glaubensverständnis. An vielen Abenden wurde von den Schwestern ein Abendlob gestaltet für alle Mooser Kinder. Mit Instrumenten, Tüchern und Blumen, mit Singen, Musizieren, Beten und Tanzen erlebten die Teilnehmer frohe und lebendige Stunden. Und der große Garten, die vertrauten Wege in der Umgebung, die Stille des Kreuzweg-Waldes waren unerschöpfliche Angebote für Erholung, Entspannung und Zeiten der Stille.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft mit den Steyler Missionsschwestern?
Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich auch nach dem Abschied mit den Schwestern noch immer in regem brieflichen, telefonischen und Mail-Kontakt bin. Ich wünsche mir von Herzen, dass das so bleibt, bzw. dass auch weiterhin immer wieder einmal persönliche Begegnungen möglich sind.

Zur Person

Christa Ihn, geboren am 20. Mai 1939 in Kempten/Allgäu, verbrachte 65 Jahre lang ihre Ferien bei unseren Schwestern im St. Theresienheim in Moos. Sie arbeitete als Lehrerin, hat drei Kinder und sieben Enkel. Inzwischen ist sie (nach 45 Ehejahren) Witwe. Christa Ihn ist ehrenamtlich tätig in Gemeindepastoral und geistl. Begleitung.

Bei der Abschiedsfeier unserer Schwestern in Moos hielt Christa Ihn, als langjährige Freundin des Hauses, eine persönliche Rede - eine Sammlung froher und berührender Erinnerungen an die 65 Jahre ihrer Verbundenheit mit den Schwestern und Moos. Lesen Sie hier die Rede von Christa Ihn im Wortlaut (pdf).