Trigger

Drei Fragen an: Gerlinde Wruck

Gerlinde Wruck ist evangelische Theologin und als Bildungsreferentin, Kräuterfachfrau sowie für die Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr im Kloster Laupheim zuständig. Frauen, Ökumene, Theologie und Kräuterkunde sind dabei die Themen, die sie selbst und die Schwestern begeistern und verbinden. Da wird der Geist spürbar - auch für die Menschen, die nach Laupheim kommen.

Wie haben Sie die Steyler Missionsschwestern kennengelernt?
Bei einem ersten Vorbereitungstreffen für den Weltgebetstag 2009, den die Frauen aus Papua Neu Guinea gestaltet haben, war Sr. Lioba Brand als landeskundige Missionarin eingeladen, über das Land zu berichten. Ich selber war Teil des ökumenischen Vorbereitungsteams. Diese Begegnung hätte passender nicht sein können, waren damit doch schon 2 wichtige Berührungspunkte angeschnitten: Frauen und Ökumene.
Dass ich mich während meines Theologie-Studiums in Kirchengeschichte besonders mit der Geschichte des Mönchtums beschäftigt hatte, erhöhte meine Begeisterung für Sr. Lioba bzw. das Kennenlernen der Steyler Missionarinnen zusätzlich, waren diese im Studium doch nicht vorgekommen. Und als im Dreifaltigkeitskloster ein Bibelpflanzenpark gestaltet wurde, kam ein vierter Bereich zur Sprache, die Liebe zur Natur und zu Heilpflanzen. In Führungen durch den Bibelpflanzenpark konnte ich so Theologie und Kräuterkunde verbinden. Sr. Lioba Brand hat mich dann auch in ihre Gruppe „Ruach“ eingeladen, was für mich als evangelische Theologin, noch dazu verheiratet mit dem Pfarrer aus dem Nachbardorf, völliges Neuland war. Bald darauf boten wir gemeinsame „Bibelkräuter-Kurse“ an, die biblische Themen mit Volksheilkunde verbanden.
Nachdem Sr. Lioba eine Missionsbestimmung für Rumänien hatte, sollte ich die Steyler Missionarinnen auch als Arbeitgeberinnen kennenlernen. Im Dreifaltigkeitskloster waren gleich mehrere Positionen neu zu besetzen. Seit Oktober 2012 bin ich im Dreifaltigkeitskloster angestellt als Bildungsreferentin, Öffentlichkeitsarbeiterin, Haus-und Zimmerbelegerin, Kräuterfachfrau und Koordinatorin für die Kräuterfreundinnen, eine Gruppe von ca. 12-15 ehrenamtlich im Kräutergarten arbeitenden Frauen.
Im Sommer dieses Jahres konnte ich noch die Offenheit der Steyler Missionare in Bolivien kennenlernen, als unser Sohn, der vor 5 Jahren als MaZ dort war, in einer gemeinsamen evangelisch-katholischen Trauung kirchlich geheiratet hat. Pater Gustavo Jaimes SVD ist uns mit einer Offenheit und Herzlichkeit begegnet, die wir so nie erwartet hätten.

Was verbindet Sie (bis) heute mit ihnen?
Die oben genannten Themen „Frauen, Ökumene, Theologie und Kräuter“ haben sich in der Bildungsarbeit niedergeschlagen. Immer wieder erlebe ich die Dankbarkeit von Kursteilnehmerinnen, die nach einem Nachmittag, einem Tag oder einem Wochenende sagen, wie gestärkt sie in den anstrengenden Alltag mit Beruf und Familie zurückkehren können. Die Präsenz des Geistes ist spürbar, so höre ich immer wieder. Und auch ich bin immer wieder berührt und überwältigt von der Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit der mir viele Schwestern begegnen. Auch der oft gehörte Satz: „Es ist alles Fügung“ wird immer mehr Teil meiner Erfahrung. Dazu passt auch die Arbeit mit den Kräuterfreundinnen. Mit welcher Selbstverständlichkeit diese Frauen von März bis Oktober jede Woche in den Kräutergarten kommen, um zu hacken, zu jäten und zu ernten findet man so schnell nicht wieder. Und fehlt es mal an Arbeitsgerät oder Material wird ein Besen, Bindedraht oder auch Bienenwachs für die Kräuterfrau einfach gespendet.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft mit den Steyler Missionsschwestern?
Ich wünsche mir, dass wir im Dreifaltigkeitskloster einen Ort schaffen, an dem Menschen zur Ruhe kommen, den Geist spüren und gestärkt an Seele und Leib ihre Berufung an ihren Orten leben können.

Zur Person

Mein Name ist Gerlinde Wruck. Ich wurde in einem kleinen Dorf auf der Schwäbischen Alb geboren.  Schon als Kind fühlte ich mich in der Natur dem Schöpfer besonders  nahe.  Nach dem Abitur verließ ich das kleine Dorf, um in Tübingen und Wien Theologie zu studieren.  Nach Heirat und Geburt unserer beiden Söhne war ich zunächst Mutter, Hausfrau und Frau des Pfarrers – also Kinder, Küche, Kirche im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe es genossen, mit den Kindern christliche Rituale zu entwickeln oder Traditionen weiterzugeben, das Gebet zum Abschluss des Tages, die Rituale an Weihnachten und Ostern. Wie habe ich mich gefreut, als ich in einer neuen Gemeinde die Osterfrühwanderung mit organisieren durfte und die Kinder so jedes Jahr aufs Neue das Wunder der Auferstehung mit allen Sinnen erleben durften. Jahre später kam dann im Dreifaltigkeitskloster noch die Feier des Pfingstmontags und des Marienkräuterfestes dazu.
Nachdem beide Kinder in weiterführende Schulen gingen, begann auch für mich wieder Schulzeit, ich unterrichtete an einer Altenpflegeschule Religion, eine sehr spannende Aufgabe, da dies zwar konfessioneller Religionsunterricht war, aber alle Schüler, egal welcher Religion sie angehörten, teilnehmen mussten. Also auch hier Ökumene, von Zeugen Jehova, über Buddhisten, und  Muslimen hin zu Christen. Außerdem begann ich Krankheitsvertretungen an Grund-Haupt- und Realschulen zu übernehmen. Auch an der Frauenakademie in Ulm hielt ich Kurse.
Heute bin ich mit 60% im Kloster angestellt, arbeite aber auch weiterhin noch als Religionslehrerin.