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30.09.2016

Sr. Hildegard Ossege stellt die Referentin, Sr. Marcella Krieg, vor.

Begegnung mit Luise von Marillac

"Gehen sie mutig von Augenblick zu Augenblick auf dem Weg, auf den Gott sie gestellt hat!" Dieser Ausspruch von Luise Marillac war der Leitfaden, der uns durch den Abend führte. Sr. Marcella Krieg, zuständig für die Bildungsarbeit im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Untermarchtal, war die Referentin des Abends. Zunächst führte sie in die Biografie ein.

Luise wurde 1591 als uneheliches Kind geboren, von dem der Vater, aber nicht die Mutter bekannt ist.  Der Vater kam aus edlem Geschlecht und  war Hauptmann der Leibwachen des Königs. Er  erkannte sie aber als seine Tochter an und versorgte sie mit einer monatlichen Rente. Als der Vater heiratete, musste Luise mit 4 Jahren in ein Dominikanerinnenkloster, wo sie Lesen, Schreiben, Latein und Malerei lernte.

Mit 12 Jahren musste sie das Kloster wieder verlassen und zu einer alleinstehenden Mademoiselle ziehen, weil ihre Stiefmutter das Geld des Vaters verprasst hatte. Dort lernte sie viele praktische Tätigkeiten, die in einem Haushalt zu verrichten sind. Mit 13 Jahren stirbt ihr Vater. Dies ist der schmerzlichste Einschnitt in ihrem Leben. Sie legt ein persönliches Gelübde ab, dass sie ein strenges Büßerleben führen möchte. Das Gefühl, nie zu einer Familie gehört zu haben, führt zu ihrer Frage, was an ihr falsch ist, und dem Wunsch, dafür zu büßen.

Doch nachdem sie bei den Kapuzinerinnen wegen ihrer schwächlichen Gesundheit abgelehnt wird, verheiratet ihre Familie sie 1613 mit einer standesgemäßen Partie aus höfischen Kreisen. Der ein Jahr später geborene Sohn entwickelt sich langsam und bleibt lebenslang ein Sorgenkind. Nachdem ihr Mann eine unheilbare Krankheit bekommt, gibt sie sich wiederum die Schuld, weil sie zwar versucht, ein spirituelles Leben zu führen, aber sie ihr Gelübde nicht erfüllen kann.

1623 zwischen Himmelfahrt und Pfingsten litt sie unerträgliche Qualen, gebunden an ihren Mann konnte sie ihr Gelübde nicht leben, und wenn sie keine unsterbliche Seele hatte, weshalb sollte sie sich einen Seelenführer suchen. Hier spürt sie zum ersten Mal den barmherzigen Gott, der sich ihr zuwendet. Plötzlich gibt es einen Weg. In einer Vision sieht sie eine Gemeinschaft in der es ein Kommen und Gehen gibt, und sie sieht Vincent von Paul.

1624 lernt sie Vincent von Paul kennen. Als ihr Mann 1625 stirbt, kann sie sich neu auf die Suche nach ihrer Berufung machen. Die Berufungsgeschichte erlitt zunächst einen Knick, nachdem ihr Wunsch nach einem Leben in Buße von anderen verhindert wird. Zu damaliger Zeit war eine Frau nach der Meinung von Theologen nicht entscheidungsfähig. Selbst die unsterbliche Seele wurde angezweifelt. Das stürzte Luise ebenfalls in tiefe Zweifel.

Trotz anfänglicher Skepsis aufgrund der unterschiedlichen Herkunft – Luise nennt Vincent einen Brombeerbusch – erkennt Vincent Luises Begabung im Umgang mit Menschen, aber auch ihre vielen geistlichen und praktischen Begabungen.

1629 besucht sie erste Caritas- Konferenzen rund um Paris und war trotz schwächlicher Gesundheit oft tagelang mit der Kutsche unterwegs. Bald erkennt sie, dass die reichen Damen den Aufgaben in der Arbeit mit den Armen nicht gewachsen sind. Sie erkennt, dass es ausgebildete junge Frauen braucht. Vincent will diese klausurieren, was für Luise nicht in Frage kommt. Eine erste junge Frau beginnt von ihrer Wohnung aus zu den Armen zu gehen. Weitere Frauen finden sich, und 1633 öffnet Luise ihr Haus für 7 junge Frauen. Diese legten einmal jährlich in Anwesenheit des Generalsuperiors ihr Gelübde der Armut,  Ehelosigkeit, des Gehorsams und des Armendienstes ab. Dies war notwendig, damit die Gemeinschaft nicht klausuriert wurde, wie das mit dem Ablegen der ewigen Gelübde üblich war.

Die Gründungen liefen alle nach demselben Muster ab. Zunächst machten die Brüder Volksmission, dann wurde ein Caritas-Verein gegründet. Nach der Gründung kamen die Schwestern um Frauenbildung zu betreiben. Eine wichtige Botschaft, die Luise den Frauen mit auf den Weg gab, war, dass sie geheiligt sind und deshalb ihre Berufung leben sollen und eben auch dadurch den Dienst tun können.

Auf die Frage, was wir von Luise lernen können, nennt Sr. Marcella zunächst das "Ansehen". Luise schenkt "Ansehen", weil sie sich als von Gott Angesehene empfindet. Dann können wir von ihr das Vertrauen lernen, dass Gott gegenwärtig ist, so wie sie vom Pfingstereignis umhüllt wurde. Ein weiterer Punkt ist die königliche Würde, die sie weltlich, aber auch geistlich empfindet, weil Gott mitgeht und ihr Würde verleiht.

Ihr helfendes Tun wird für viele Menschen überlebensnotwendig. Sie gibt und verschenkt sich und ihre Kraft und wird von Gott immer neu gefüllt und wird anderen Menschen zur Nahrung. Man kann auch von ihr lernen, sich auf Gott zu verlassen. Hier zitiert Sr. Marcella einen ihrer Lieblingsgedanken von Luise: "Gehen sie mutig von Augenblick zu Augenblick auf dem Weg, auf den Gott sie gestellt hat."

Im anschließenden Gespräch wird nochmals deutlich, wie segensreich das Wirken von Luise de Marillac war.

Text: Gerlinde Wruck

 

Veröffentlicht: 30.09.2016 / Sr. Ilse Beckmann SSpS