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30.04.2020

Werft die Netze aus und werdet zu Menschenfischern - Weltgebetstag um geistliche Berufungen

Beten Sie mit: Weltgebetstag um geistliche Berufe

Am 3. Mai wird in ganz Deutschland der Weltgebetstag um geistliche Berufe begangen. In diesem Jahr steht er unter dem Leitwort: Habt keine Angst. Das Jahresthema kann zu Zeiten der Corona-Pandemie passender nicht sein.

„Wir feiern 2020 den 100. Geburtstag von Karol Wojtyla, der unsere Kirche in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich geprägt hat. Sowohl in seiner ersten Ansprache als frisch gewählter Papst wie auch später an zentralen Stellen seines Pontifikats hat Johannes Paul II. genau diese Worte ins Zentrum seiner Verkündigung gestellt. Als er am 22. Oktober 1978 die Loggia des Petersdoms betrat und als erster nichtitalienischer Papst seit Jahrhunderten zu den Gläubigen auf dem Petersplatz sprach, sagte er: „Habt keine Angst, Christus aufzunehmen und seine Herrschaftsgewalt anzuerkennen! [...] Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, was im Inneren des Menschen ist. Er allein weiß es!“

Johannes Paul II. hatte zwei totalitäre Systeme in seinem Leben durchlitten und wusste, wie sehr solche Herrschaftssysteme Menschen Angst einjagen können. Bereits mit dieser programmatischen Rede stieß er die Tür auf zur entscheidenden Veränderung, die im Zusammenbruch des Ostblocks mündete.

Er hatte selbst erlebt, dass es vielfach die Angst war, die die Menschen klein gehalten und sie daran gehindert hat, die Welt zum Guten zu gestalten. Er kannte sie nur zu gut: die berechtigte Angst vor Verfolgung, Repression, Unterdrückung. Zugleich war ihm bewusst, dass es darauf ankam, diese Angst zu überwinden. Allerdings beließ er es nicht bei der schlichten Aufforderung, sondern zeigte auch auf, warum wir uns nicht zu ängstigen brauchen.

Der letzte und tiefste, ja der eigentliche Grund, weshalb wir keine Angst haben müssen, ist niemand anderes als Jesus Christus. Denn all unsere berechtigten Ängste gründen letztlich darin, den Sinn unseres Lebens zu verfehlen, leiden zu müssen und am Ende dem Tod ausgeliefert zu sein. Wer sich selbst aber in Jesus Christus festmacht, wird feststellen, dass er in all diesen Grenzsituationen von ihm getragen und gehalten ist, und dass sein Leben deshalb nicht scheitern wird.

Viele Berufungsgeschichten – egal ob sie aus der Bibel stammen oder ob sie heute stattfinden – stimmen darin überein, dass diejenigen, die einen Auftrag Gottes erhalten, zuerst erschrecken und Angst bekommen. Zu gering erscheinen die eigenen Kräfte, zu groß die Herausforderungen - sie gleichen der Zumutung, über das Wasser gehen zu müssen. Die Nachfolge Christi kann vor hohe Herausforderungen stellen wie z.B. vor den Anspruch, spannende und inhaltsreiche Predigten zu halten, Trauernde zu begleiten, zölibatär zu leben, gehorsam zu sein, ein bestimmtes Ordensgewand zu tragen und sich auf eine Gemeinschaft einzulassen etc.

Ganz unterschiedlich sind die Herausforderungen und es wundert nicht, dass gerade junge Menschen, die eine Berufung zum Priester oder Ordensleben spüren, ins Nachdenken darüber kommen, ob sie der Sache gewachsen sind. Ähnliches ließe sich auch über das Gelingen einer christlichen Ehe sagen mit dem Sich-Einlassen auf den Partner, dem Aufziehen von Kindern, der Treue in all den Veränderungen, die die Zeit mit sich bringt. Auch hier gibt es eine Reihe von Anforderungen, die unsere Kräfte übersteigen.

Entscheidend ist, Vertrauen auf das Wirken Gottes in meinem eigenen Leben zu bekommen und auf Jesus Christus zu blicken, der der Grund der Berufung ist. Er wird mich nicht zu etwas rufen, zu dem ich nicht in der Lage bin. Wenn er mich ruft, kann ich ihm entgegengehen, selbst dann, wenn ich unter meinen Füßen einen so unsicheren Grund habe wie das Wasser, auf dem Petrus seinem Herrn entgegenging.

„Habt keine Angst!“ Das ist in der Frage nach der persönlichen Berufung der Zuspruch Gottes, seinem Anruf an mich zu trauen! Wenn wir uns Gott anvertrauen und seinem Ruf folgen, werden wir den Sinn finden, den wir für unser Leben ersehnen. Denn wer sich ihm öffnet, wird feststellen, dass er zu Dingen in der Lage ist, die er selbst nicht für möglich gehalten hätte. Und er wird erkennen, dass sein eigenes Leben bereichert wird und die Menschen in seiner Umgebung wachsen werden.

Seelsorgliche Berufe vermittelten gerade in schwierigen Zeiten Hoffnung und Halt. Wir leben davon, dass es Menschen gibt, die sich von Gott in den Dienst rufen lassen, um die Botschaft Jesu zu verbreiten und dadurch Sinn und Heil zu vermitteln. Die Frage nach dem Sinn des Lebens rückt in der gegenwärtigen Krise noch stärker ins Bewusstsein und ruft in einem jedem die Frage nach der persönlichen Berufung als Christ wach. Im Gebet wollen wir uns auch ganz persönlich dieser Frage stellen.“

Pfarrer Michael Maas, Leiter des Zentrums für Berufungspastoral

Hintergrund: Im vergangenen Jahr fand erstmals die 24-Stunden-Gebetsaktion „Werft die Netze aus“ statt. Aufgrund der großen Beteiligung in den Gemeinden und vieler positiver Rückmeldungen wird die Aktion 2020 am Weltgebetstag für geistliche Berufungen am 2. und 3. Mai (von 18 bis 18 Uhr) erneut durchgeführt. Die Initiative wird vom Zentrum für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz verantwortet. Der Weltgebetstag wurde 1964 von Papst Paul VI. eingeführt.

Auf der interaktiven Karte auf der Internetseite www.wdna.de wird angezeigt, wo für dieses Anliegen überall gebetet wird. Auf der Internetseite gibt es zusätzlich Anregungen für das Gebet. Außerdem kann man sich dort über Livestreams an Gebeten um geistliche Berufungen beteiligen.

Meditation – ad sum
berufung heißt
keine wahl zu haben
keine wahl
in wen ich mich verliebe
und keine wahl
wohin mich diese liebe führt
berufung heißt
geliebt zu sein
geliebt, nicht mehr als jeder andere
aber auch nicht weniger
berufung heißt
zu lieben
zu lieben
dort, wo ich es muss
und dort, wo ich es alleine gar nicht kann
berufung heißt
antwort zu geben
 antwort auf die fragen
die ich noch nicht kenne
und auf das WORT
das fleisch geworden ist
 
Aus: W. Metz, brannte uns nicht das Herz?, Echter Verlag, S. 22