Trigger
28.03.2017

Einen ganz Sack Brennesseln haben die Kinder für den Brotaufstrich kleingeschnibbelt.

Brennesseln als Brotaufstrich (Rundbrief von Sr. Lioba aus Rumänien)

Normalerweise halten Kinder von Brennesseln lieber Abstand - doch mit Sr. Lioba's Rezept wagen sie sich heran und zaubern einen frischen Brotaufstrich. Von diesen und anderen gesunden Zutaten aus der Natur erzählt Sr. Lioba Brand in ihrem neusten Rundbrief aus Rumänien.

Heute, am Sonntag Laetare, möchte ich Euch auch einen Lichtblick aus dem Osten schicken. Momentan ist das Wetter noch nicht sehr frühlingshaft. Im Garten ist die Erde noch sehr nass und klebrig, sodass ich bis jetzt nur ein wenig Salat unter einer Plastikhaube gesät habe. Erdbeeren habe ich in Töpfe gepflanzt und an einen sonnigen Platz gestellt, den die Schnecken nicht so gerne mögen. Außerdem habe ich noch einmal meine Lieblingsbeeren, schwarze Johannisbeeren, gepflanzt, und wo die zerfressene Buchsbaumhecke war, sind jetzt Rosen gepflanzt und mit Deko-Mulch abgedeckt. Als nächstes möchte ich Radieschen säen, dazu muss die Erde noch etwas trockener werden, weil ich da noch ein paar Beinwellpflanzen ausbuddeln muss, die da nicht hingehören. Mit dem Beinwell werde ich dann gleich die sehr gefragte Salbe machen.

Von Januar bis jetzt hat die Krankenschwester, die bei der Stiftung der Franziskaner angestellt ist und im Olympia-Dorf die Ambulanz betreut, keine Medikamente kaufen können, weil von den uns unterstützenden Organisationen die Mittel noch nicht bewilligt oder noch nicht frei gegeben waren. Sie war dann sehr froh um den Hustensirup aus Spitzwegerich und Thymian mit Honig und die selbstgemachten Beinwell- und 7-Kräuter-Salben. Die Salben haben einen sehr guten Ruf, und auch der Husten-Sirup kam gut an. Mit den Leuten vom Alkohol-REHA-Zentrum möchte ich auch weiterhin Kräutersalben herstellen und dann auch verkaufen, um das Projekt zu unterstützen.

Im Garten habe ich auch schon viele Beinwellwurzeln gefunden, die ich gerne ausgrabe, damit sie mir später nicht beim Gemüse und Salatanbau im Wege sind. Das Wetter ist immer noch sehr kühl, besonders nachts, sodass die Natur nur sehr langsam in Bewegung kommt. Die Weinbergschnecken sind aber schon unterwegs. Ich habe sie bis jetzt ganz umweltfreundlich und tierfreundlich behandelt. Ich habe sie eingesammelt und sie auf eine ungenutzte Grasfläche gebracht.

Mit den Kindern möchte ich auch bald ein paar Radieschen säen. Mit den jungen Brennnesseln haben wir schon leckere und gesunde Brote gemacht. Die Kinder waren sehr fleißig und haben eine große Tüte voll Brennnesseln mitgebracht. Wir haben sie gründlich gewaschen und dann haben die Kinder sie klein geschnitten. Mit frischem Quark und etwas saurer Sahne sowie etwas Salz gemischt war es ein sehr leckerer und gesunder Brotaufstrich. Die Kinder haben die Brote lustig garniert mit ausgestochenen Möhren und Gurken. Dazu habe ich so kleine Ausstechformen mit 2 – 4 cm Durchmesser. Leider waren die Förmchen aus Weißblech schon komplett verrostet, sodass sie nicht mehr zu gebrauchen waren. Ein Teil war aber aus Edelstahlblech und die konnten wir gut benutzen.

In unserer Schwesternkommunität sind wir nun schon seit einiger Zeit nur noch 3 Schwestern. Sr. Severine ist Anfang Februar beim Schnee schippen hingefallen und hat sich das Handgelenk gebrochen. In dieser Zeit war gerade unsere Provinzoberin Sr. Hemma mit der Provinzrätin Sr. Andrea Maria hier in Rumänien zu Besuch. Sie haben dann Sr. Severine mit nach Wien genommen, weil das Handgelenk doch ein etwas komplizierterer Fall ist und in Wien unsere Schwestern im Orthopädischen Spital  arbeiten. Sr. Oktaviana aus Indonesien konnte im März nun endlich mit einem Sprachkurs in Iaşi beginnen. So sind momentan in jeder Kommunität jeweils 3 Schwestern: In Iasi (Sr. Gabriela, Sr. Theresia und Sr. Oktaviana), in Raducaneni (Sr. Krystyna, Sr. Maria Chiara und Sr. Ansila) und hier in Roman (Sr. Patrizia, Sr. Jovita und ich).

Nach dem ersten Semester konnten 6 unserer Kinder in die offizielle Klasse der 2. Chance wechseln, wo sie die versäumten Schulklassen 1-4 nachholen können. Danach geht es dann an der normalen Schule weiter. Unsere Klasse ist nicht offiziell, und nicht vom Staat unterstützt. Wir bereiten die Kinder auf die Einschulung in die 2. Chance vor. Für die 2. Chance müssen die Kinder 11 Jahre alt sein oder in dem Semester 11 Jahre alt werden. Nachdem 6 Kinder weitergekommen sind, haben wir 8 neue Kinder in unsere Klasse bekommen. Das sind zum größten Teil Kinder mit 7-8 Jahren, die den Kindergarten nicht besucht haben und teilweise noch sehr am Anfang stehen. Sie kritzeln wie Kleinkinder und können zum Teil nicht einmal die Farben auseinanderhalten. Manche von ihnen sind aber sehr gierig etwas zu lernen. So teilen wir jetzt unsere Klasse in zwei Gruppen: die Großen (die im September in die 2. Chance wechseln können) und die Kleinen, mit denen wir Basisarbeit machen. Es gibt viel zu tun! Packen wir es an!

So viel für heute. Ich wünsche Euch weiterhin eine gute erneuernde Vorbereitungszeit auf das Osterfest, neuen Schwung und Kraft für jeden Tag. Falls ich es nicht schaffe vor dem Osterfest noch zu schreiben wünsche ich Euch heute schon, ein frohes Osterfest.
Eure Sr. Lioba Brand SSpS