Trigger
01.07.2016

Leere Schalen - Zeichen der Sehnsucht.

Leere Schalen - Zeichen der Sehnsucht.

Das Gebet hat große Macht

Beim Lesen eines Textes von Mechthild von Magdeburg mit dem Titel "Das Gebet hat große Macht" entstand in Andrea Höschle, der Referentin des Abends, der Wunsch, mehr von dieser Frau zu erfahren, die solche Texte schreiben kann. Dass sie sich intensiv mit der Mystikerin beschäftigt hat, war  in ihrem Vortrag deutlich spürbar. In drei Abschnitte unterteilte sie den Abend.

Im biografischen Teil entstand das Bild einer hochgebildeten Frau, die zunächst ein privilegiertes Leben auf einer der zahlreichen Burgen rund um Magdeburg führte. Bereits mit 12 Jahren hatte sie erste mystische Erfahrungen. 1230 beschloss sie, auch beeinflusst durch ihr Vorbild Elisabeth von Thüringen, dem Ruf Gottes zu folgen und zog als Begine in die Stadt. Sie führte ein eheloses, keusches Leben und kümmerte sich um Mädchenbildung, Prostituierte, Sterbende, Witwen und Waisen. Die Beginen waren damals sehr beliebt, sehr zum Unmut der Priester. 1250 schrieb sie ein Buch, ein gewagtes Unterfangen in damaliger Zeit, doch ihr Beichtvater, Heinrich von Halle, bestärkte sie. Das Buch hat den Titel "Das fließende Licht der Gottheit" und ist im Stil des Hoheliedes und des Minnegesangs verfasst. Das Buch wird vielfach angefeindet, Mechthild muss ins Kloster. Mit 60 Jahren tritt sie ins Kloster Helfta ein. Sie haderte mit Gott, weshalb er sie ins Kloster führte, doch bekam sie die göttliche Antwort, dass sie ihre Mitschwestern erleuchten solle. So wurde sie Novizenmeisterin und bestärkte andere Frauen, ihrer mystischen Begabung zu trauen. Mit 80 Jahren starb Mechthild im Kloster.

Im zweiten Teil des Abends hatten die Zuhörerinnen Gelegenheit, Mechthild direkt in ihr Herz sprechen zu lassen. Dazu hatte Andrea Höschle zahlreiche Stationen aufgebaut mit Originalzitaten, Handlungsanweisungen und Symbolen. Schweigend gingen die Frauen zu verschiedenen Worten oder verweilten auch bei einem Wort.

Im anschließenden Gespräch wurde deutlich, wie intensiv die Zwiesprache mit den Texten war und wie aktuell diese sind. Auch wir sollen das, was wir in uns tragen, mutig zur Sprache bringen, und der Liebe, die Gott zu uns hat, trauen. Wir können selbstsicher als Frauen unseren Weg in der Kirche gehen. Den Anforderungen, die das Leben uns stellt, können wir uns in der Gewissheit stellen, dass unsere Wege von Gott begleitet sind.

Das abschließende Lied "Herr, Du bist mein Leben", das von Andrea Höschle stimmungsvoll mit der Gitarre begleitet wurde, und das darauf folgende Gebet beschlossen einen Abend, den alle Frauen als sehr bereichernd erlebt hatten.

Gerlinde Wruck

Veröffentlicht: 01.07.2016 / Sr. Ilse Beckmann SSpS