Trigger
19.04.2017

Sr. Judyta mit einer Schulkasse und deren Lehrerin.

Das Herz muss stark sein, um den Körper fortzubewegen

Mit ihrem Brief aus Alemtena/Äthiopien schickt Schwester Judyta Ligieza nicht nur viele Ostergrüße, sondern berichtet auch ausführlich von den Aktivitäten der Schule unserer Schwestern, in der es nicht nur um die bloße Vermittlung von Wissen, sondern auch von Werten und Solidarität füreinander geht.

Heute möchte ich Ihnen Grüße zum Osterfest schicken. Zusammen mit Christus, der ins Leben zurückkehrte, nachdem er den Tod vernichtet hat, lasst uns neu Hoffnung schöpfen, da wir von Seinem Licht geführt und geleitet sind. Gesegnete Ostern! Alleluia!

Mit den Grüßen schicke ich Ihnen die neuesten Informationen über die Schule. Es sind die Nachrichten des letzten Vierteljahrs. Da die materiellen Einrichtungen vorhanden sind und nicht mehr so viel Zeit und Kraft in Anspruch nehmen, investieren wir jetzt mehr Kraft in die Entwicklung der Menschen und die innere Struktur der Schule. Das Herz muss stark sein, um den Körper fortzubewegen. Hier sind einige Ereignisse der letzten drei Monate.

Bis zum Ende des ersten Semesters begannen wir den Prozess der Umstrukturierung/ Verbesserung der Besetzung der Managementstellen der Grundschule. Wir haben den Lehrer Ayele Wubshet offiziell zum Schulleiter der Schule ernannt, nachdem wir ihm im ersten Semester die Möglichkeit gaben, als stellvertretender Schulleiter in diesem Aufgabenbereich Erfahrungen zu machen. Wir haben auch unter Teilnahme der Lehrerschaft einen stellvertretenden Leiter aus ihrer Mitte gewählt. Bei einer Lehrerkonferenz konnte jeder und jede Einzele zwei Kandidaten/Kandidatinnen vorschlagen zusammen mit den Gründen für seine/ihre Wahl und unter Einbezug eventueller Bedenken, falls der oder die Betreffende gewählt würde und die Stellung erhielte. Das Lehrpersonal wählte drei Kandidaten aus, die sich danach einem außerbetrieblichen Prüfungsverfah-ren stellen mussten. Als Ergebnis davon haben wir Natanael Nekatibebas zum stellvertretenden Schulleiter ernannt. Die beiden Männer begannen Mitte Februar in einem Team offiziell mit ihrer Arbeit. Sie haben einen Monat hinter sich und haben ihre Sache gut gemacht. Ich gebe ihnen aus dem Hintergrund Hilfe beim Einarbeiten und erfreue mich daran, ihre Bemühungen zu sehen, das Leben in der Schule anzuregen. Möge der Heilige Geist ihr/ unser FÜHRER sein.

In der ersten Februarwoche hatten wir eine zweitägige Schulung über Verfahrensweisen zum Kinderschutz und das System der Berichterstattung falls irgendeine Form des Kindesmissbrauchs festgestellt werden sollte. Die Schulung beschränkte sich nicht auf die Wissensvermittlung und Einübung von Fach- oder Sachkenntnissen. Es war ein Austausch von Lebenserfahrungen, der das persönliche Leben unserer Angestellten berührte ... für viele eine ziemlich heikle Erfahrung ... ein Geschenk Gottes. Man spürte ein tieferes Verständnis und ein sich Näherkommen für einen Zweck unter den Lehrern. Die Schulung zielte mehr darauf ab, Haltungen zu formen, als die Köpfe mit Informationen zu füllen, die aufgenommen und schnell wieder vergessen würden. Frau Ananas Girmaye, Beraterin von Caritas Österreich für Äthiopien und ihr Mann Tamirat, der im letzten Jahr schon eine Schulung über Qualität in der Bildung für uns gehalten hat, führten die Schulung durch. Wir sind ihnen dankbar, dass sie sich Zeit genommen haben, um für zwei Tage zu uns zu kommen, obwohl sie sehr beschäftigt sind. Wir hatten eine Anschlussbesprechung mit dem Personal ... und kamen zu gemeinsamen Entscheidungen bezüglich der Vorgehensweisen bei der Behandlung von Problemfällen mit den Kindern und Disziplinarvorfällen in der Schule. Ich vertraue alle diese Vorgänge der Führung des Heiligen Geistes an und bete, dass die Flamme, die in den Herzen unseres Personals entzündet wurde, sich in ein leben- und hoffnungspendendes Feuer verwandle, das alle Menschen, denen wir dienen, umfängt.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Schule haben wir ein Sportfest veranstaltet, ein weiteres Ereignis, das durch Freude und jugendliche Begeisterung Menschen unterschiedlichen Alters zusammengebracht hat. Dieses Mal war es eine Veranstaltung, an der die Kinder und das Personal der katholischen Mission in Alemtena, die Lehrer, die Verwaltungsangestellten, die Mitarbeiter der Klinik, die Frauen des Berufsförderungszentrums und auch das Küchen- und Wachpersonal beteiligt waren. Beim Spielen mit einander für einen ganzen Tag gab es Möglichkeiten, sich kennenzulernen, zu lachen und sich zu entspannen. Ein Geist des freundlichen Wettbewerbs herrschte innerhalb und außerhalb des Geländes. "Wie gut ist es, zusammen zu kommen", war der Kommentar vieler. Der Mini-Medien-Klub hatte gute Gelegenheit, die jubelnde Menschenmenge zu unterhalten und ihre Fähigkeiten als Kommentatoren zu praktizieren. Und sie machten es sehr gut.

Die Sozialabteilung der Schule, unter der Führung der Sozialarbeiterin/Berufsberaterin und Beraterin setzte die Praxis des Treffens mit Müttern der Schülerinnen zu Besprechungen über ihre Beziehung zu ihren Töchtern und die notwendige Hilfe, die heranwachsende Mädchen von ihren Müttern brauchen, fort. Im Februar wurden zwei Treffen durchgeführt. Beim nächsten Treffen von Müttern und Töchtern möchten wir gern den Mädchen im 6. und 7. Schuljahr und ihren Müttern die Erfahrung "sprich offen mit mir” ermöglichen. Die Aktivität zielt darauf ab, in Berührung mit dem Leben zu kommen und es den Mädchen zu ermöglichen, gemeinsam mit ihren Müttern in ein wunderschönes Frausein hineinzuwachsen.

Durch Veränderungen im Verhalten einiger Kindergartenkinder aufmerksam gemacht, wurden in jeder Kindergartengruppe Treffen mit den Eltern veranstaltet und dabei der negative Einfluss den Gesellschaft und Medien auf die Haltungen und die moralische Entwicklung der Kinder haben, angesprochen. Diese Treffen wurden sehr leger gestaltet, um den freien Austausch von Informationen, Wünschen, Erwartungen und Bedenken, die wir alle für unsere Kinder haben, zu ermutigen. Die Bemühungen der Schule wurden dankbar angenommen und als "Weckruf" sowohl für die Lehrer/innen wie auch für die Eltern angesehen.

Die Schule begann eine neue Methode, um die Kinder beim Schutz der Sicherheit der Schüler/innen und des Schuleigentums während der Pausen, der Aufstellungen und anderen Frei-luftaktivitäten, mit einzubeziehen. Eine Gruppe von 50 Schüler/innen aus den Klassen 5 – 7 meldete sich freiwillig, um als "Schützer von Sicherheit und Wohlergehen" in der Schule zu fungieren. Jeden Tag patroulliert eine Gruppe von 10 Schüler/innen in bestimmten Bereichen und steht den anderen Schüler/innen mit Rat und Tat zur Seite. Die leuchtenden Uniformen werden respektiert und sie bewirken etwas auf dem Schulgelände. Der ehrenamtliche Dienst der Schüler/innen ist eine gute Gelegenheit, eine Haltung der sozialen Verantwortung für das Gemeinwohl aufzubauen.

Der nächste Schritt, den wir in der nächsten Zukunft anstreben, ist ein gemeinsam geplantes Projekt, klare schulischen Standards für die verschiedenen Fächer auf jeder Klassenstufe zu setzen. Da das Land uns keine klaren und praktischen Standards gibt, beabsichtigt die Schule zusammen mit ihrem Lehr-personal sie unter Einbeziehung der staatlichen Lehrpläne, für die Schule selbst zu setzen. Der Plan zielt darauf ab, eine klare Richtung bei der Unterrichts-vorbereitung, eine Grundlage für das Abschneiden der Schüler/innen und die Effektivität des Unterrichts zu haben und infolgedessen, die Kenntnisse der Kinder, besonders auf den Gebieten des Lesens, Schreibens und Rechnens zu vergrößern. Das Projekt muss noch entwickelt werden und benötigt finanzielle Hilfe, da Zeit, Kraft und Wissen dafür investiert werden müssen.

Es gibt noch vieles zu erzählen ... aber für heute machen wir Schluss ... und lassen nur unsere Herzen sprechen ... von der Dankbarkeit und Hoffnung, die wir in ihnen tragen ...

Liebe Grüße,
im Gebet vereint
Sr. Judyta Ligieza SSpS