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28.09.2018

Sr. Lioba mit den Kindern der "Schmetterlingsgruppe" auf dem Lavendelfeld - das voller Schmetterlinge war.

"Die Oma vom Dienst" - Rundbrief von Sr. Lioba Brand aus Rumänien

Das neue Schuljahr in Rumänien hat begonnen und damit eine neue Aufgabe für Sr. Lioba: Sie versorgt die Kleinen im Kindergarten mit Broten, zeigt ihnen das Händewaschen und begleitet sie zum nahe gelegenen Garten. Wie es ihr als "Oma vom Dienst" geht, erzählt sie in ihrem neusten Rundbrief.

Am Montag, den 10. September, hat hier im ganzen Land die Schule begonnen. In der ersten Septemberwoche hatten wir auch die ganze Woche viel Betrieb. Es kam eine Gruppe von 7 jungen Erwachsenen aus Italien, die zu einer Stiftung gehören und im Sommer in Rumänien benachteiligte Kinder eine Woche mit verschiedenen kreativen Aktivitäten beglücken. Wir hatten vormittags eine Gruppe und nachmittags kamen die kleineren Kinder. Diese Aktivitäten waren speziell für Kinder aus dem Olympia-Dorf.

Bei Schulbeginn hat sich bei uns einiges geändert. Wir haben jetzt einen Kindergarten, der an das staatliche System angeschlossen ist. Die zwei Erzieher werden vom Staat bezahlt. Hier sind die Kindergärten alle an eine Schule angeschlossen. Unser Kindergarten gehört zur Schule Nr. 2. In diese Schule geht auch der allergrößte Teil der Kinder vom Olympia-Dorf, wenn sie zur Schule gehen. Die Schule ist zwar mindestens 2,5 km vom Olympia-Dorf entfernt, aber das wurde so gedeichselt, damit die Roma mehr an einer Schule sind. Die Franziskaner haben ein Gymnasium und sind verpflichtet, auch eine Grundschule zu übernehmen. Sie haben sich nun für diese Schule Nr. 2 entschieden. Nun versuchen wir mit aller Kraft, alles möglich zu machen, dass die Kinder regelmäßiger zur Schule gehen. Normalerweise soll die Stadt einen Schulbus zur Verfügung stellen, der wird aber erst ab dem 1. Oktober vom Olympia-Dorf bis zur Schule Nr. 2 fahren.

Ich versuche auch mein Bestes, jeden Morgen, bevor ich zur Hl. Messe gehe, rufe ich eine Mutter an, dass sie aufstehen soll und mit ihrer Tochter und noch anderen Kindern zur Schule gehen soll. Nach der Hl. Messe noch einmal, ob sie schon auf dem Weg sind. Das hat nur bedingt Erfolg gehabt, wenn ich um 08:25 mit dem Fahrrad zu der FUP (Schule bei den Franziskanern) fahre, treffe ich sie auf halber Strecke. Sie müssen dann noch fast 1 km gehen, und die Schule beginnt offiziell um 08:00 Uhr. Der Mutter gingen meine ständigen Anrufe auf die Nerven; sie ließ mir ausrichten, ich bräuchte nicht mehr anzurufen, sie weiß, dass sie um diese Zeit aufstehen muss und die Tochter zur Schule bringen.

Wir, die Sozialarbeiterinnen von der Stiftung Humanitärer Friede (FUP) und ich, gehen nun öfters zu der Schule Nr. 2 und schauen, wo wir die Lehrer und Schüler unterstützen können.

Da die Klasse zur Vorbereitung auf die Schule aufgelöst wurde, bin ich jetzt in der Gruppe der kleinen Kindergartenkinder. Die Gruppe wird von einer sehr netten jungen Frau, Alexandra, geleitet. Sie hat mich extra mit der Zustimmung von P. Lucian gefragt, ob ich ihr helfen würde. Ja, und das mache ich auch sehr gerne. Es ist zwar total anstrengend, 20 Kinder im Alter von 3-5 Jahren, die teilweise auch traumatischen Hintergrund haben, aber trotzdem sehr erfüllend. Ich bin also nach 4 Stunden ganz erledigt, aber innerlich froh. Jetzt bin ich wirklich die Oma vom Dienst. Außerdem noch sehr gefragt, wenn sich jemand verletzt, da hilft meine Allerwelts-Heilsalbe. Inzwischen habe ich schon drei Heilige bemüht. Das erste Mal habe ich die Salbe zum Fest des Hl. Antonius gemacht, also St. Anton genannt, dann am Fest des Hl. Josef eine Josefs-Salbe, und die letzte war die Hl.-Jakobus-Salbe. Die ist besonders heilkräftig, weil viele Kräuter, die entzündungshemmend sind, darin sind. Im Oktober werde ich noch einmal mit den verschiedenen Gruppen Salbe machen und das kann dann eine Theresien-Salbe werden.

Die Kinder von der Gruppe der jüngeren Kinder, in der ich helfe, sind teilweise so klein und teilweise mangelernährt. Jeden Morgen, wenn sie ankommen mit dem Schulbus, bekommen sie eine Art Frühstück. Manche Kinder mit 4 Jahren essen 4 Scheiben belegtes Brot. Mehr als die Hälfte der Kinder kommt vom Olympia-Dorf, und die anderen aus der Stadt, auch hauptsächlich von Roma-Familien.

Schon in den drei Wochen seit sie zum Kindergarten kommen, haben sie sehr viel gelernt. Das fängt ganz an der Basis an. Wie benutzt man ein WC, oder überhaupt eine Toilette. Dann das Hände waschen. Die Kinder lieben es über alles, sich mit warmem Wasser und Seife zu waschen. Man bekommt sie gar nicht mehr weg vom Waschbecken. Weil sie noch nicht gewohnt sind, Stifte zu halten und zu malen, haben wir mit Knetmasse begonnen. Das macht ihnen auch sehr viel Spaß, und sie haben da auch schon große Fortschritte gemacht. Jetzt können sie eine lange Schlange formen und daraus verschiedene Sachen machen.

Zweimal waren wir auch schon in dem Garten der Green Time, das auch ein Projekt der Franziskaner ist. Dort gibt es außer Zierpflanzen und Bäumen auch ein großes Lavendel-Feld und viele Obstbäume und Walnussbäume. Die Kinder können dort Nüsse und Pflaumen und Äpfel essen. Der Garten ist so ca 900 m von der Schule entfernt. Wir gehen da zu Fuß hin und zurück.

So viel für heute
Liebe Grüße an Euch alle, Gesundheit und Gottes reichen Segen.
Im Gebet verbunden Grüße ich von Herzen
Eure Sr. Lioba Brand