Trigger
03.10.2016

Auf ein Neues: Mitte September hat auch die Schule wieder begonnen.

Die schönste Jahreszeit in Moldova (Rundbrief von Sr. Lioba)

Hier in Moldova ist der Herbst die schönste Jahreszeit. Wie ich schon früher berichtet habe, hat so gut wie jede Familie einen Garten mit Wein. Wer keine eigenen Trauben hat, oder keine, die sich zum Keltern eignen, kann auf dem Markt günstig alle möglichen Sorten kaufen. So macht es zum Beispiel der Pfarrer aus dem Nachbardorf. Viele Pfarrer stellen ihren eignen Messwein selbst her.

Es werden Vorräte für den Winter angelegt. Ich bin auch ganz dankbar für die gute Ernte, die wir dieses Jahr aus dem Garten holen konnten. Die Tomaten haben sehr gut getragen und waren überaus schmackhaft. Auch im Schulgarten ist trotz minimaler Pflege noch einiges gewachsen. Ich hatte dieses Jahr zum ersten Mal Urweltmöhren angepflanzt, die sind weiß, gelb, orange und violett in der Farbe, und sie sind sehr schön geworden. Ich habe den Eindruck, dass sie robuster sind als die gewohnten Möhren und im Geschmack sehr gut.

Wenn Wein gekeltert wird, dann ist es ja zuerst noch süß und ohne Alkohol. Diesen Saft nennt man hier Must, so wie bei uns Most. Da bekommen wir viele Kostproben. Der Wein ist gut süß dieses Jahr.

Dann sind ja auch die vielen Walnussbäume, an denen jetzt die Nüsse reif sind. Der Walnussbaum ist hier so etwas wie ein heiliger Baum. Fast in jedem Anwesen stehen ein oder mehrere Bäume. Die Raben und die Eichhörnchen sorgen dafür, dass immer genügend nachwächst. Auch an vielen Straßen sind Walnuss-Alleen gepflanzt. Jetzt meist an den Nebenstraßen.

Hier in Roman in unserem Stadtpark wohnt auch eine große Kolonie von Krähen. Die sind jetzt im Herbst ganz eifrig damit beschäftigt, die Walnüsse von den hohen Bäumen zu holen und dann je nach Familien-Brauch die Nüsse zu öffnen. Viele werden eben auch versteckt, und dann wachsen immer wieder neue Bäume. Bei uns im Garten habe ich schon alleine 4 junge Bäumchen ausgerissen. An unserem anderen Haus hier in Roman, wo das Projekt mit der Reha für Alkoholabhängige Menschen läuft, hat unsere Nachbarin direkt an der Grenze einen großen ca. 15 m hohen Walnussbaum. Ein Ast von diesem Baum bedeckt das Dach von diesem Zentrum und die Blätter verstopfen die Dachrinne. Die Frau ist aber ein großer Streithahn und hat nicht zugestimmt, dass wir den Ast absägen können. Sie hat sogar mit der Polizei gedroht. Dabei haben wir erfahren, dass die Walnüsse einen besonderen Schutz genießen und nicht ohne weiteres geschnitten werden dürfen. Weil es aber wichtig ist, wenn überhaupt die Bäume im August oder September zu schneiden, haben wir alle Register gezogen, um die Frau umzustimmen. Ich habe eine Sturmnovene gebetet und 7 wundertätige Medaillen in den Zaun geschmuggelt. Sr. Patrizia hat Weihwasser gespritzt. So hat sie jetzt heute zugestimmt, dass wir den Ast, der auf unserem Dach hängt, abschneiden können. Wir haben uns aber noch mit einer Rechtsanwältin beraten, damit wir auf der sicheren Seite sind.

Jetzt, am Fest der kleinen hl. Theresia, feiern wir das Pfarrpatrons-Fest, gleichzeitig bereiten wir uns aber auch auf unser großes Fest vor, das am 5. November stattfinden wird: 25 Jahre SSpS in Rumänien. Sr. Jovita musste ganz plötzlich nach Indien reisen, weil ihre Mutter ganz schnell und unerwartet gestorben ist. Sr. Jovita ist noch rechtzeitig zur Beerdigung daheim gewesen und wird auch gleich ihren Heimaturlaub machen, der jetzt alle drei Jahre möglich ist für Überseereisen.

Ich wünsche Euch allen einen goldenen Herbst und ein echtes Erntedankfest für alle erhaltenen Gaben und Früchte im echten und übertragenen Sinne.
Gottes reichen Segen für Euch alle.
Eure Sr. Lioba

 

Veröffentlicht: 03.10.2016/ Sr. Michaela Leifgen SSpS