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05.04.2019

Sr. Svitlana SSpS (Mitte) bei der Tagung

Die Situation der Wanderarbeiter in Deutschland

Gastarbeiter aus Osteuropa kommen oft mit großen Hoffnungen nach Deutschland und lassen sich nicht selten auf dubiose Arbeitsverhältnisse ein. Sr. Svitlana Matsuik engagiert sich seit mehreren Jahren für die Rechte von Arbeitsmigranten.

In alten Zeiten begaben sich die Menschen in den "Wilden Westen", um ein neues Leben zu beginnen. Für Ukrainer, Rumänen oder Bulgarier bleibt Westeuropa dieser erträumte Lebensraum. Hier ist das Leben besser, es gibt gerechten Lohn und ein gutes soziales Paket. Das stimmt, aber nicht immer. Westeuropa sündigt – oft mit illegaler Arbeit, mit der Ausnutzung der Gastarbeiter, die in der Hoffnung auf einen besseren Job bereit sind, für wenig Geld viel zu arbeiten.

Über diese Probleme und das Phänomen der Migration von Gastarbeitern sprachen die Teilnehmer der Tagung „Wanderarbeit in Deutschland“, die im März in Herzogenrath in der Nähe von Aachen stattgefunden hat. Teilgenommen hat auch Sr. Svitlana Matsiuk aus der Ukraine, die von 2014 bis 2016 in der Diözese Aachen lebte. In dieser Zeit hat sie bei einem Projekt zur Vormundschaft für Arbeiter in der Region Heinsberg mitgearbeitet. Die meisten Arbeiter waren Rumänen und Polen, die im Agrarsektor oder der Pflege eingesetzt waren.

Experten aus Spanien, Portugal, Bulgarien, Estland, Litauen und Polen berichteten über ihre Erfahrungen mit Vertretern der EZA (Arbeitnehmerplattform), Gewerkschaften, der katholischen Kirche und anderen Organisationen, die Migranten beraten und unterstützen.
Die Migration, insbesondere unter den Wanderarbeitnehmern, gewinnt in Europa enorm an Bedeutung. Viele Menschen verlassen ihre Heimat wegen Armut und einer instabilen Situation. In den Jahren der Mitgliedschaft Bulgariens in der Europäischen Union verließ ein Drittel der Bevölkerung das eigene Land. Ein großer Teil der Arbeitsmigranten in Westeuropa sind Polen und Rumänen. Aufgrund fehlender Sprach- und Rechtskenntnisse werden sie häufig am Arbeitsplatz missbraucht.

Peter Kossen, ein katholischer Priester, der sich um die Rumänen kümmert, die in Fleischverarbeitungsbetrieben arbeiten, berichtete über den Einsatz von Arbeitnehmern durch ihre Arbeitgeber. Bei der Herstellung von Fleisch kommt es zu berufsbedingten Verletzungen mit unterschiedlichem Schweregrad, sodass die Menschen häufig einfach nach Hause gehen, ohne die notwendige Behandlung zu bekommen. Eine ukrainische Frau, die durch eine polnische Firma nach Deutschland kam, hatte aufgrund von Sprachbarrieren ein Problem. Der jungen Frau wurde kein Lohn gezahlt, sie bat um Hilfe. Als Ergebnis stellte sich heraus, dass sie für ein mageres Gehalt arbeitete, während das Zwischenunternehmen ein "Brutto" von mehr als 1.500 Euro pro Monat bekam.

Geld ist eine große Versuchung. Viele gebildete Menschen sind bereit, Taten zu begehen und Gesetze zu verletzen. Dann schaut niemand auf die armen "glücklichen" Menschen, die im "wilden" europäischen Westen dienen können. Es lohnt sich zu verstehen, dass die Behörden, die ihre Leute zu solchen Einsätzen "schicken", auch dafür die Verantwortung tragen.

Sr. Svitlana Matsiuk