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04.11.2020

Zuletzt war Sr. Francis in der Kommunität in Frankfurt und radelte mit dem Fahhrad zum Franziskustreff

„Es war gut, mein Leben mit den Frauen in Not zu teilen“

Nach vier Jahren in Deutschland ist Sr. Francis Alvarez Ende Oktober für ihre Probation in ihre Heimatprovinz Paraguay zurückgekehrt. Im Interview mit Sr. Gabriele Hölzer blickt die 34-Jährige auf ihre Zeit zurück und erzählt, welche Erfahrungen für sie besonders wertvoll waren.

Was hast du gedacht, als du 2016 nach Deutschland entsandt wurdest?
Sr. Francis Alvarez: Zunächst war ich überrascht, weil ich nicht glaubte, dass die Möglichkeit einer interkulturellen Missionserfahrung sehr bald eintreten würde, fast zwei Jahre nachdem ich die ersten Gelübde abgelegt hatte. Gleichzeitig fühlte ich eine große innere Freude, die mich motivierte und ermutigte, offen zu reagieren.

Was hat dir in Deutschland am meisten gefehlt?
Am Anfang habe ich das enge Teilen vermisst, die „Zeitverschwendung" (wie wir in Paraguay sagen), bei der wir das Leben in einem Gespräch teilen, während wir Mate-Tereré trinken. Ich denke, es ist das, was ich am meisten vermisst habe. Aber dann habe ich im Laufe der Zeit andere Arten und Wege des Teilens hier in Deutschland kennengelernt und das ist sehr schön. Diese Erfahrung gab mir in vielerlei Hinsicht die Möglichkeit, über das für mich Bekannte hinaus, noch für mich Neues und Fremdes kennenzulernen.

Welche guten Erfahrungen und Anregungen nimmst du mit?
Ich habe viele gute und schöne Erfahrungen gemacht. Eine davon ist zum Beispiel, dass ich die Suche und das Engagement der Provinz in Situationen, in denen Menschen in Not sind, wiederfand. Ich habe dieses Engagement konkret im KleiCa und Nachtcafé gelebt.

Wo hast du dich in Deutschland als Missionarin gefühlt?
In dem Moment, als ich zu der interkulturellen Erfahrung in Deutschland „Ja“ sagte, fühlte ich dort direkt die große Herausforderung, eine Missionarin zu sein. Als ich hier in Deutschland war, war es für mein Missionsleben sehr wichtig, die Zeit mit Frauen, die auf der Straße leben, zu verbringen, denn obwohl wir oft vor einer völlig unbekannten Person mit fremder Sprache standen, konnten wir trotzdem einen Weg finden, diese zu verstehen und mit ihnen zu teilen. Es half ihnen, die schwierige Situation zu vergessen, zumindest für einen kurzen Moment. Und mir gaben diese Momente eine innere Freude, die ich nicht vergessen werde. Sie ist sehr wertvoll, weil diese Erfahrungen die Bedeutung und den Wert meiner missionarischen Berufung gestärkt haben.

Weißt du schon, was du nach der Ewigen Profess machen wirst?
Nein, genau weiß ich es noch nicht. Zuerst möchte ich die Zeit nutzen, um mich auf meine Ewigen Gelübde vorzubereiten, und dann werden wir sehen, wo Gott mich ruft, um den nächsten Schritt zu tun. Ich fühle mich sehr glücklich, bin dankbar für mein Leben und berufen, eine Missionsdienerin des Heiligen Geistes zu sein!

Das Interview führte Sr. Gabriele Hölzer, Redaktionsleiterin von Geist und Auftrag

Zur Person: Sr. Francis kam 2016 nach Deutschland und engagierte sie sich in den sozial-pastoralen Projekten in Mönchengladbach und Frankfurt. In Frankfurt arbeitete sie außerdem im Franziskustreff.  Während ihrer Zeit in der deutschen Provinz nahm sie an den jährlichen europäischen Junioratstreffen teil. Sr. Fracis wird sich gemeinsam mit einer weiteren Schwester aus Paraguay auf die Ewige Profess vorbereiten. Wo die Probation stattfinden wird, ist noch offen.