Trigger
25.07.2016

"Ich glaube, dass diese Zeit und der Geist dieses Ortes mich sehr verändert haben."

Fremde, die Heimat wurde

Drei Jahre war Sr. Svitlana aus der Ukraine als Missionarin in Deutschland. Drei Jahre, die ihr Leben geprägt haben. Und: In denen sie das Leben der Menschen in und um Mönchengladbach geprägt hat. Sei es in der Begleitung von Betreuungskräften und Erntehelfern aus Osteuropa, in ihrem Einsatz für das Treff am Kapellchen (TaK), oder in der Begegnung mit den MissionarInnen auf Zeit (MaZ) und anderen Gästen, die bei ihr und ihren Mitschwestern immer eine offene Tür fanden. In ihrem Abschiedsbrief fasst Sr. Svitlana noch einmal ihre Erfahrungen zusammen.

Meine Zeit in Deutschland ist fast zu Ende. Es war eine sehr schöne und gesegnete Zeit, für die ich sehr dankbar bin. Als ich nach Deutschland gehen sollte, war es für mich eine Reise ins Fremde. Alles war sehr unbekannt und unsicher; doch jetzt merke ich, dass ich in Mönchengladbach meine neue Heimat gefunden habe. Meine Gemeinschaft, das TaK und meine Arbeit im Projekt in Heinsberg haben mich sehr bereichert. In der Kommunität habe ich sehr viel Unterstützung und Ermutigung bekommen. Es war für mich sehr wichtig, dass wir uns im TaK zusammen einsetzen können und den Menschen ein Stück Heimat und Gemeinschaft schenken dürfen. Unser gemeinsames Beten, Arbeiten und Feiern haben uns, die Schwestern, sehr tief verbunden. Was auch ganz besonders wichtig in dieser Gemeinschaft ist, und wovon ich schon lange geträumt habe, ist die Offenheit für alle: Freunde, Bekannte, MaZe, die Obdachlosen, die Flüchtlinge. Jeder kann hier seinen Platz finden. Diese Zeit und Erfahrung haben mir geholfen, viele Vorurteile in mir zu bearbeiten und viel offener zu werden.

Meine Arbeit in einem ganz neuen Projekt mit den Betreuungskräften und Erntehelfer/innen aus Osteuropa hat mir viele Perspektiven und Möglichkeiten eröffnet. Ich konnte sowohl die Kirche im Bistum Aachen und viele Menschen, die ihr ein Gesicht geben, kennenlernen, als auch das Projekt entwickeln und gestalten. Es war für mich eine ständige, aber gleichzeitig eine positive Herausforderung, zu den Menschen, die mir unbekannt waren, zu gehen und ihnen Hilfe und Begleitung anzubieten. Ich habe sehr viele Menschen kennengelernt und sehr viel Unterstützung von ihnen erfahren. Es ist viel gelungen, aber eben genau darum, weil so viele Menschen ihre Solidarität gezeigt haben. Ich möchte mich besonders bei unserer Novizin Anne Bensch für die Schulungen für die Betreuerinnen bedanken. Anne und viele andere, die sich für die Frauen aus Osteuropa engagiert haben, haben ihnen ihre Würde und Wertschätzung gezeigt. Es ist gelungen, die Sprachkurse und die Schulungen für die Betreuungskräfte anzubieten und die Menschen zu finden, die das gern tun. Ich hoffe, dass es weiter geht und dass Gott Arbeiter|innen für seine Ernte in Heinsberg findet.

Wenn ich meinen Koffer einpacke, merke ich, dass es noch einen viel größeren Koffer gibt. In den ich viele nette Begegnungen, gute Gespräche und sehr viel Erfahrung einpacken will. Ich glaube, dass diese Zeit und der Geist dieses Ortes mich sehr verändert haben. Viel Herzlichkeit, Freundlichkeit und das Wohlwollen der Mitschwestern, Freunde und Kollegen|innen nehme ich bestimmt mit. Ich nehme auch die Erinnerung an Eddi mit, und seinen Wunsch so zu leben, dass der Himmel über uns allen aufgeht.

Wenn ich an die Kirche in Deutschland denke, sehe ich in vielen Menschen eine sehr große Sehnsucht nach Gerechtigkeit und eine Offenheit. Aber auch eine Auseinandersetzung mit der Tradition und ihren Werten. Ich habe in diesen drei Jahren eine Kirche erlebt, die sich für die „Kleinen“ einsetzt und die nach Gott und seinem Reich strebt.

In einen Monat gehe ich auf die Philippinen, wo ich mich in Gemeinschaft mit sechs anderen Mitschwestern auf die Ewigen Gelübde vorbereiten darf. Es wird bestimmt eine sehr spannende Zeit sein, in der ich als Missionsschwester wachsen kann und unsere Ordensgemeinschaft neu erfahre. Ich hoffe, dass ich meine Erfahrung der drei Jahre in Deutschland und von den Philippinen, wenn ich zurückkehre in die Ukraine, gut nutzen kann.

Liebe Mitschwestern, liebe Freunde, ich danke euch allen vom Herzen für alles, was ich mit euch teilen durfte, für jedes gute Wort und jede gute Tat, die ich von euch bekommen habe. Ich sage „Adieu“ und wünsche euch Gottes reichen Segen! Bleiben wir verbunden im Gebet!

Eure Schwester Svitlana Matsiuk,SSpS

 

Veröffentlicht: 25.07.2016 / Sr. Michaela Leifgen SSpS