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09.07.2018

Fußspuren der Erinnerung

Heute vor 150 Jahren wurde Theresia Messner geboren. Sie war die Nachfolgerin unserer Mitgründerinnen und eine starke Stütze der Kongregation. Eine Frau, die näher kennenzulernen, es sich lohnt. Ein Porträt zu ihrem Ehrentag.

Theresia, damals Margaretha, Messner wurde am 9. Juli 1868 in Antholz, Südtirol, als Tochter von Leonardo Messner und Getrud Egelsbacher geboren. DIe Eltern dachten, sie würde nicht überleben und so wurde sie am Tag ihrer Geburt gleich dreimal getauft. Die Alpen erheben sich im Norden von Antholz und nach dem Frühlingsauftauen ist das Tal mit Geröll und Steinen bedeckt.

Als sie drei Jahre alt war, sagte die kleine Margaretha: "Eines Tages gehe ich sehr weit, sehr weit weg." Sie ging gerne in die Einsamkeit der Berge, um zu beten. Sie würde ein Kreuz mit sich tragen und die Welt damit segnen.

Als sie den Entschluss fasste, Ordensfrau zu werden, musste sie Kämpfe und Prüfungen durchstehen. Diese Zeit bezeichnete sie als "Dunkelheit des Geistes". Die Ursache der inneren Not lag in der Angst ihrer Kindheit vor der Kraft der Natur. Margaretha litt damals unter den heftigen Unwettern und Stürmen, die die Bewohner der Täler mit Schrecken erfüllten.

Die innere Stimme, die sie als die Stimme Jesu erkannte, deutete ihr an, dass sie eine Missionsschwester werden sollte. Das würde sicherlich Schwierigkeiten bringen, sagte Er ihr, aber es sollte kein Grund zur Furcht sein, denn Er würde ihr Seine Kraft geben.

Als Arnold Janssen Margarethas Brief mit der Bitte um Aufnahme in die Kongregation der Missionsschwestern erhielt, schien es ihm, dass dies das Material war, aus dem Gott Seine Heiligen schnitzt.

Als Tirolerin fand Margaretha die Aussprache des Deutschen seltsam, ebenso wie einige der Aufgaben, die ihr gestellt wurden und das Essen in Steyl. Nachts in ihrer Zelle hatte sie Heimweh. Später schrieb sie: "Ich weinte bittere Tränen und dann schlief ich ein." Der Wunsch, Seelen zu retten, gab ihr die Kraft, alle Schwierigkeiten zu überwinden.

Sie wurde mit dem Namen Schwester Theresia ins Noviziat aufgenommen. Sie litt darunter, dass sie in der Handarbeit benachteiligt war, da es ihr schwer fiel, zu stricken und zu sticken. Sie hatte wenig Talent dafür. Normalerweise stopfte sie Strümpfe im Nähzimmer. Sie suchte Zuflucht im Gebet. Und sie nutzte diese Gelegenheiten, um ihren eigenen Willen und ihren Stolz zu überwinden.

Der Heilige Geist war ihr Lehrer und er bereicherte sie mit seinen Gaben. Er führte sie zu einer intimen und vertrauensvollen Beziehung zu Jesus. Sie schloss sich der Gruppe der ersten zwölf Dienerinnen des Heiligen Geistes an, die am 12. Mai 1894 ihre ersten Gelübde für 7 Jahre ablegten.

Kurz nachdem sie ihr erstes Gelübde abgelegt hatte, rief der Gründer sie in das Sprechzimmer, um mit ihr zu reden. Schwester Theresia hatte große Erwartungen und war zuversichtlich, dass sie eine Missionsbestimmung erhalten würde. Doch wieder einmal erlebte sie eine tiefe Enttäuschung und Demütigung. Pater Arnold fragte, was ihr Dienst sei, und sie antwortete: " Strümpfe stopfen". Er antwortete: "Nun, dann stopfen Sie  weiter Strümpfe." Aber ein paar Monate später rief er sie wieder zu sich, diesmal um sie zu bitten, die Noviziatsleiterin zu werden. Sie war die erste offizielle Noviziatsleiterin der Kongregation. Sie war 26 Jahre alt. Sie lehrte Einfachheit, Demut und Gehorsam.

Pater Arnold erkannte die Leitungsqualitäten in Sr. Theresia. Sie besaß eine gesunde Spiritualität, klare Kriterien und die nötige Umsicht und Klugheit für diese Art von Arbeit. Im Jahre 1900 ernannte er sie zur Assistentin von Mutter Josepha und zur Noviziatsleiterin. Am 8. September 1901 legten die neun ersten Schwestern, darunter Mutter Josepha und Schwester Theresia, ihre ewigen Gelübde ab. Im Jahre 1902 wurde ihr auch die Verantwortung für die Vorbereitung der Schwestern auf die ewigen Gelübde übertragen. Als Mutter Josepha 1902 und 1903 schwer krank war, fiel die ganze Verantwortung auf Schwester Theresia.

Mutter Josepha starb 1903 und Pater Arnold ernannte Schwester Theresia zur neuen Generaloberin.  Sie war 35 Jahre alt und mit dieser Ernennung nahm sie eine große Aufgabe an, zusammen mit einem schweren Kreuz. Es gab 205 Profess-Schwestern, 63 Novizinnen und 44 Postulantinnen.  Als sie Generaloberin wurde, war sie sich der Verantwortung mehr bewusst als des Titels und der Würde ihres Amtes. In einem Rundschreiben an die Schwestern sagte sie: "Ich übernehme diese große Verantwortung mit Demut, aber auch mit Vertrauen in Gott".

In fast allen Phasen ihres Ordenslebens plagten sie verschiedene Krankheiten, Schmerzen und Behinderungen. Sie litt unter dem feuchten Klima des Niederrheins: Erkältungen, Bronchitis, Angina... Als sie noch Novizin war, hatte sie Probleme mit ihrem Knie. Dann bekam sie eine Knocheninfektion in ihrem linken Bein. Das Problem verschlimmerte sich und der Arzt empfahl eine Operation. 1906 wurde ihr linker Oberschenkel bis zum Knie amputiert. Sie bekam eine schwere Holzprothese aus dem Schuhgeschäft in Steyl. Im Jahre 1913, als sie auf den Philippinen zur Visitation war, hatte sie eine Brustoperation. Im Jahre 1926 wurde sie erneut operiert. Nach Angaben des Arztes wäre sie ohne die Operation innerhalb von 2-3 Monaten wegen ihrer totalen Anämie und des inneren Tumors gestorben. Ihre zerbrechliche Gesundheit beeinflusste ihr körperliches Wohlbefinden. Sie hat ihre frühere Stärke nie wiedererlangt. Aber die innere Frau blieb stark und reifte in dieser schmerzhaften Zeit.

Pater Arnold lernte immer mehr den Tempel ihres Geistes, ihre Treue zur Kongregation, ihre Liebe zu Gott und zu jeder Schwester kennen und schätzen. Und so bat er den Bischof, dass sie für eine zweite Amtszeit von 1906 bis 1910 wiedergewählt wird.

Am 6. Juli 1903, als unser Gründer Mutter Theresia zur Generaloberin der Kongregation ernannte, wandte sie sich sofort im Gebet an Gott und bat: "Handle Du in mir und durch mich". Sie fand Frieden und Mut in dem Gedanken, dass der Heilige Geist, ihr innerer Führer und Tröster, es liebte, sie in ihrer Schwachheit zu stärken und zu beseelen.  

Mutter Theresia verstand die Notwendigkeit, ein festes äußeres Fundament für die Kongregation und ein starkes Innenleben zu haben.  Sie hatte ein natürliches Organisationstalent und war eine Frau mit großer Vision. Sie gab ihr Bestes und vertraute auf Gott, der durch ihre Hände, ihren Geist und ihr Herz wirkte. Während ihrer Zeit als Generaloberin hat die Kongregation immer wieder neue Gründungen errichtet: China 1905, Japan 1908, Philippinen 1912, Mosambik 1912, Indonesien 1917, Paraguay 1920 und Polen 1921. Sie hat sich immer für das entschieden, was sie für nützlich hielt und nur für das Wohl der Kongregation, und wollte, dass wir wahre Missionarinnen mit allen Rechten sind.

Während der zahlreichen Missionsreisen auf Generalvisitationen verstand sie es, auf die Erfahrungen der Schwestern zu hören. Als die Schwestern selbst sagten, dass die hellblaue Farbe des Ordenskleides und des Schleiers unpraktisch sei, erlaubte sie ihnen, in Marineblau zu wechseln, obwohl das Hellblau die Wahl des Gründers gewesen war. Trotz des Widerstandes war sie überzeugt, dass der Gründer angesichts der Erfahrung der Schwestern auch die Notwendigkeit einer Veränderung erkannt hätte und mit dieser Entscheidung einverstanden gewesen wäre.

Heute, 150 Jahre nach ihrer Geburt, sind wir weiterhin Teil einer interkulturellen und multikulturellen Kongregation.

Als unsere Gemeinschaften von den Schrecken des Ersten Weltkriegs zerrissen wurden, hinterließ sie uns das Vermächtnis dieser Worte:

"Obwohl unsere Herzen wegen des großen Leids, das der Krieg unseren Lieben und unseren Ländern zufügt, bluten, müssen wir in allen unseren Beziehungen zu den Menschen und Schwestern anderer Nationalitäten sehr vorsichtig sein und versuchen, ihre nationalen Gefühle nicht mit Kommentaren und Handlungen zu beleidigen, die ohne Nächstenliebe oder strenge Kriterien erfolgen. Wir sind alle Mitglieder der großen Familie Gottes, Töchter und Schwestern derselben Kongregation, vereint durch die Bande der Liebe." (1918)


Text: Spiritualitätsteam der Provinz - Argentinien Süd