Trigger
05.09.2016

Sr. Jacqueline, Sr. Theresia Celine, Sr. Christel und Sr. Anna-Maria gehören zu den letzten Schwestern, die in Mainz-Finthen ihr Zuhause hatten.

Ja zum Aufbruch

Jeder Abschied ist auch eine Sendung. In neue Zeiten, auf neue Wege. Doch nicht immer ist uns das so bewusst wie am vergangenen Sonntag, als in Mainz-Finthen zwei große Ereignisse aufeinander fielen: der Abschied unserer Schwestern aus Finthen und die Missionsentsendung von Sr. Barbara Rossmadl nach Südafrika. Bei einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin hatte beides seinen Platz.

Als vor zwölf Jahren die Norddeutsche, Süddeutsche und Steyler Provinz zur einen Deutschen Provinz zusammengelegt wurden, wurde Mainz die neue Mitte. Im Haus am Merkurweg, dem neuen Provinzialat, liefen die Fäden der Provinz zusammen. Immer wieder verstärkten auch Schwestern zum Studium, oder neue Missionarinnen aus europäischen Nachbarländern und Übersee zum Erlernen der deutschen Sprache, die Gemeinschaft. Viele Schwestern kamen und gingen in diesen zwölf Jahren, eine von ihnen hielt sogar von Anfang bis Ende die Stellung: Sr. Theresia Celine. Sie engagierte sich nicht nur im Haus, sondern auch in der Gemeinde sehr stark, und war "zwölf Jahre das Gesicht unserer Gemeinschaft hier in Finthen", so Sr. Anna-Maria Kofler, Leiterin der Provinz, bei ihren Dank- und Grußworten in der voll besetzten Pfarrkirche. Finthen sei vor zwölf Jahren bei der Zusammenlegung der Provinzen nicht nur der geeignete Ort gewesen, sondern auch Heimat geworden, so Sr. Anna-Maria. Gerade weil sie, als Provinzleiterin, viel in Deutschland unterwegs war, tat es immer gut, heimzukommen, und sich einfach einklinken zu können in das Gemeindeleben.

Auch die Gemeinde schätzte die Anwesenheit der Schwestern sehr. Das brachten vor allem auch die jüngeren Gemeindemitglieder, die Ministranten, zum Ausdruck. Obwohl zur gleichen Zeit der Diözesane Ministrantentag in Mainz stattfand, ließen sie es sich nicht nehmen, beim Gottesdienst in großer Zahl dabei zu sein. Diözesanadministrator Dietmar Giebelmann dankte den Schwestern im Namen des Bistums. Sie seien immer ein Impuls für das Bistum gewesen, gehöre es doch zum Wesen eines jeden Christen, missionarisch zu sein. Und: "Die Schwestern tun das nicht nur ein bisschen, und nicht nur auf Zeit, sondern als Lebensform". Das Ja, das Sr. Barbara kurz darauf zu ihrer Missionsentsendung gab, sah er ganz bewusst als "unser aller Credo" an.

Sr. Barbara Rossmadl, die im März im Dreifaltigkeitskloster Laupheim ihre Ewigen Gelübde abgelegt hatte, wird als Missionarin in die Region Botswana-Sambia-Südafrika gehen, und aller Voraussicht nach in Südafrika mit Kindern arbeiten. Sr. Barbara, gebürtige Bayerin, die vor ihrem Eintritt in unsere Gemeinschaft bereits als Erzieherin tätig war, und ein Jahr als Missionarin auf Zeit (MaZ) in einem Kinderheim in Argentinien mitgearbeitet hat, hat selbst dreieinhalb Jahre in Mainz gelebt und studiert. Sie hat auch in den letzten Tagen noch kräftig mit angepackt, als es darum ging, das Haus in Mainz zu räumen. In Zukunft wird dort eine kleine Gemeinschaft der Oblaten (OMI) einziehen – und sicher auch in der Gemeinde bald Zuhause sein.

Als Sr. Theresia Celine am Ende des Gottesdienstes sichtlich bewegt ihren Dank an die Gemeinde für alles Wohlwollen und die herzliche Aufnahme zum Ausdruck brachte, war es in der Kirche ganz still. Mit einem Zitat von Bonhoeffer brachte sie es auf den Punkt: "Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht mehr wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich."

"Ein Aufbruch bedeutet nicht per se schon Gnade", so Sr. Anna-Maria Kofler zuvor in ihrem Grußwort, "aber wenn wir mitgestalten und der Hauptakteur für das Gestalten der Heilige Geist ist – wir Schwestern heißen und verstehen uns als Dienerinnen des Heiligen Geistes – dann dürfen wir darauf hoffen, dass diese Umbruchszeit eine Gnadenzeit wird. Und dies wünschen wir auch Ihnen hier in St. Martin und St. Hedwig in Finthen."

Zum Nachlesen: Grußwort von Sr. Anna-Maria Kofler SSpS

 

Veröffentlicht: 05.09.2016 / Sr. Michaela Leifgen SSpS