Trigger
02.01.2019

Kleine Hoffnungslichter in der Kluft

Von den Philippinen erreichte uns zu diesem Weihnachtsfest Post von Sr. Monika Steinberger. Während der traditionellen "Simbang Gabi"-Gottesdienste in aller Herrgottsfrühe, gingen ihr vor allem viele Fragen durch den Kopf.

Es ist 3.30 h und draußen ist es noch stockdunkel, als ich mit meiner Mitschwester nach Quiapo aufbreche, um in der Basilika des Black Nazarene, einer der größte Wallfahrtkirchen hier in Manila, den achten Tag des Simbang Gabi zu feiern. Simbang Gabi (auch Misa de Gallo genannt) ist eine Philippinische Tradition nach der neun Tage vor Weihnachten Hochämter gefeiert werden - mit Gloria und Weihnachtsliedern. Nur die Kripp ist noch leer in den festlich geschmückten Kirchen. Und das ganze findet um 4 Uhr früh statt. Wir haben Glück, dass wir heute noch einen Sitzplatz finden, da die Kirche – wie alle anderen Kirchen – zu dieser frühen Stunde bereits überfüllt ist; viele Gläubige stehen auf den Kirchenvorplätzen und auf der Straße und beten mit.

Während ich im Gottesdienst bete, gehen mir die Worte des Propheten Jesaja durch den Kopf: "Bahnt dem HERRN einen Weg durch die Wüste! Baut eine Straße durch die Steppe für unseren Gott! Jedes Tal soll aufgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Alles Unebene soll eben werden und alles Hügelige flach." (Jes 40,3f) Ich denke dabei an die vielen Menschen, die wir auf unserem Fußmarsch nach Quiapo am Straßenrand liegen sahen. Ganze Familien und auch einzelne Jugendliche, Kinder und alte Leute schlafen zwischen den stinkenden Abfallhaufen auf den Gehsteigen, der Gewalt und dem Wetter schutzlos ausgesetzt. Ich denke auch an die vielen Kleinhändler, Tricyclefahrer etc., die auf Kunden warten. Die meisten von ihnen werden wohl mit der Frage beschäftigt sein, was sie heute mit ihrer vielköpfigen Familie essen sollen?

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in den Philippinen und vor allem in der Hauptstadt Manila so greifbar und ich frage mich oft, wie die Gesellschaft da je herauswachsen kann? Gerade jetzt vor Weihnachten frage ich mich, was diesen Menschen Hoffnung gibt, was sie bewegt, ob sie glauben können, dass das Kind in der Krippe - Gott - Mensch geworden ist, weil Gott ihre Armut berührt hat?

Von unserer Seite, als Ordensgemeinschaft, haben wir in den letzten Monaten kleine Hoffnungslichter angezündet: So haben wir für fünf Familien kleine Wohnungen gebaut, die sie gegen geringe Mietzahlungen als Eigentum erwerben können und wir haben unser soziales Zentrum ausgebaut. Menschen, die auf der Straße leben, können hier duschen, Wäsche waschen, essen und etwas Schulbildung bekommen.

Es sind kleine Hoffnungslichter, aber ich bete und hoffe, dass auch die Menschen in den Philippinen eines Tages erleben dürfen, dass die Berge, Hügel und Unebenheiten der sozialen Unterschiede abgebaut werden. Das ist mein Gebet an Weihnachten und vielleicht denkt ihr/Sie ja auch heute Nacht an diese Menschen, wenn ihr in das Stille Nacht einstimmt.

Euch/Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und herzlichen Dank für die vielfältige Unterstützung über das Jahr und die Kontinente hinweg.
Frohe Weihnachten
Sr. Monika Steinberger