Trigger
06.05.2019

Berührungen sind Balsam für die Seele

"Letzte Worte sind bleibende Worte"

Leben schützen, Menschen begleiten, Suizide verhindern - unter diesem Motto steht die diesjährige "Woche für das Leben". Sr. Christa Lucia Reyering begleitet Sterbende auf ihrem letzten Weg und sagt, dass ihr alle ein Testament hinterlassen haben

Ostern mitten im Leben. BLEIBEN, wie Maria und Johannes unter dem Kreuz Jesu (Joh 19, 27-29). Sterbenden Menschen Nähe zeigen auf ihrer letzten Wegstrecke. Den Übergang vom Leben in den Tod mitgehen. Angehörige, die beim letzten Abschied ihrer Liebsten nicht dabei sein konnten, stellen Fragen: „Hat er oder sie  noch etwas gesagt“? Letzte Worte eines Verstorbenen sind bleibende Worte, die oft wie ein Vermächtnis oder gar wie ein letztes Testament verstanden werden.

Nach zehn Jahren meiner stationären Hospizarbeit bei Drogen- und AIDS-Kranken und auch heute noch bei der ehrenamtlichen Begleitung krebskranker Menschen stelle ich fest – sie alle haben auch mir ein Testament hinterlassen. Intensive Begegnungen in schweren und frohen Stunden haben Spuren in meinem Leben eingezeichnet. Zwischenmenschliche Beziehung und Berührung sowie Sterbenden die Hand halten, das kommt an und tut ihnen gut. Und dennoch, ob alt oder jung, mich haben sie gelehrt, ihre Füße in die Hand zu nehmen. Die Füße waren es, die sie bisher durchs Leben getragen haben. Menschen zu begleiten von diesem in das neue Leben bei Gott, was könnte ihnen da mehr Halt und Boden unter den Füßen geben, als eine Streichmassage oder das Einreiben ihrer Füße?

Ängste, Trauer, innere Nöte und Sorgen lösen sich langsam und es entsteht Raum für Gespräch und Gebet. Krank oder sterbend, jeder Mensch ist eine Botschaft Gottes und deshalb unantastbar in seiner Würde als Mensch bis zu seinem Lebensende!

Sr. Christa Lucia Reyering SSpS          

Den Beitrag von Sr. Alicja Piszczek zur "Woche für das Leben" lesen Sie hier.

Die Woche für das Leben 2019 widmet sich unter dem Titel „Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern.“ dem Anliegen der Suizidprävention und möchte die vielfältigen Beratungsangebote beider Kirchen für suizidgefährdete Menschen (darunter besonders die Telefonseelsorge) in der Öffentlichkeit stärker bekannt machen. Da Suizid mit 10 000 Fällen pro Jahr in unserem Land häufig vorkommt, will sie den Hintergründen von Depression und Todeswünschen nachgehen und Wege für eine bessere Prävention und Versorgung suizidgefährdeter Menschen öffnen. Sie zeigt auf, welche Hilfen und Perspektiven der christliche Glaube anbietet und wie wichtig Solidarität des Umfeldes mit dem Mitmenschen, der selbst keinen Ausweg mehr sieht, sein kann. Um das Ziel der Enttabuisierung und Sensibilisierung zu erreichen, ist die Beteiligung möglichst vieler gesellschaftlicher und kirchlicher Institutionen notwendig.

Weitere Informationen: https://www.woche-fuer-das-leben.de/