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19.05.2020

Weltweit wird am 20. Mai der Gedenktag von Mutter Josefa gefeiert, wie hier im Heilig-Geist-Kloster in Wimbern

Mutter Josefa, Hendrina Stenmanns (1852 – 1903)

Am 20. Mai 1903 starb Hendrina an einer Asthmaerkrankung. In den Erinnerungen der Schwestern lebt sie weiter – bis heute. Was und wie sie gelebt hat, ist ein unauslöschbares Andenken und bietet zeitlos Orientierung.

Hendrina Stenmanns wird am 28. Mai 1852 in Issum am Niederrhein als ältestes von sieben Kindern geboren. Schon als Kind zeichnet sie sich durch ihre Liebe zu den leidenden und armen Menschen aus, zu denen die Mutter sie mitnimmt. Früh wird ihr die Sorge für die jüngeren Geschwister anvertraut. Noch vor Abschluss ihrer Schulausbildung trägt sie durch ihre Arbeit als Seidenweberin zum Unterhalt ihrer Familie bei.

Von Jugend an entwickeln sich in Hendrina, die für ihr Leben kennzeichnenden Eigenschaften der Mütterlichkeit, der Heiterkeit und Freude. Sie weiß die verborgenen Kranken und Notdürftigen aufzuspüren. In leiblichen und seelischen Problemen sucht man bei ihr Rat und Hilfe. Ohne dass es ihr bewusst ist, wird sie von Gott durch die Entwicklung der ihr eigenen Anlagen für ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet.

Mit 19 Jahren schließt sie sich dem dritten Orden des hl. Franziskus an. Dort findet sie einen fruchtbaren Nährboden für ihr geistliches Leben, das geprägt ist von großer Einfachheit, Vertrauen und Hingabe, sowohl im Umgang mit Gott als auch mit den Menschen. Ihr Verlangen nach vollständiger Hingabe an Gott wächst, je mehr sie den Geist des hl. Franziskus in sich aufnimmt. Doch der Kulturkampf in Deutschland macht den Eintritt in ein Kloster vorerst unmöglich. Als ihre Mutter stirbt, verspricht Hendrina, für ihre jüngeren Geschwister zu sorgen. Es sieht so aus, als ob sie auf ihre Ordensberufung verzichten müsste.

Durch einen Lehrling ihres Vaters findet sie einige Jahre später den Weg nach Steyl und bittet Arnold Janssen um Aufnahme ins Missionshaus: als Magd in der Küche. Ihr eigentliches Anliegen ist es jedoch, durch ihre Arbeit in der Küche das Missionswerk zu unterstützen. Als sie nach Steyl kommt, ist sie eine Frau von fast 32 Jahren, gereift durch die Wege, die die Geschichte ihrer Familie und ihrer Umgebung sie geführt haben. Ihr Brief an Arnold Janssen gibt Zeugnis von ihrer Spiritualität und dem tiefen Verlangen, sich ganz dem Missionswerk hinzugeben. Sie ist keine Frau großer Pläne, sondern tut einfach das, was sie als den Willen Gottes im jeweiligen Jetzt für sich erkannt hat.

Mit ihrer Entscheidung als Küchengehilfin im Missionshaus zu leben, steigt sie, wie ihre Gefährtin Helena, auf die unterste Stufe der sozialen Leiter herab. Für beide beginnt ein Leben harter Arbeit und Entbehrung und sieben Jahre des Wartens auf den Tag der Gründung. Am 8. Dezember 1889 beginnt schließlich das Postulat für sie und einigen weiteren Frauen. Der Grundstein der Kongregation ist gelegt. Es folgen das Noviziat und im März 1894 die ersten Gelübde. Hendrina erhält den Namen Sr. Josefa.

Sr. Josefa ist verantwortlich für die Organisation der praktischen Arbeiten des Hauses. Später wird sie zur Leiterin der Postulantinnen ernannt. Sie zeichnet sich aus durch große Menschenkenntnis und weiß die jungen Menschen mit Weisheit und Verständnis in die Anfänge des Ordenslebens einzuführen. Das Haus wird geöffnet für Frauenexerzitien, ein wichtiges Apostolat, was für die Schwestern zusätzliche Arbeit bedeutet. Dazu kommen Sprachunterricht und die Einrichtung eines Lehrerinnenseminars.

Sr. Josefa zeichnet sich vor allem durch ihre Gebetsliebe aus und wird mehr und mehr zur inneren Stille, zur wahren Kontemplation geführt, mitten in der Vielfältigkeit ihrer Aufgaben. Der Rosenkranz, Stoßgebete, vor allem das „Komm Heiliger Geist“ dienen ihr dabei als „Mantra“, das sie nach innen führt, zur Gegenwart Gottes im Tabernakel ihres Herzens.

Nach dem Übertritt von Sr. Maria in die Klausurabteilung wird Sr. Josefa zur Leiterin der Gemeinschaft ernannt. Bei aller Arbeitslast und den Anforderungen einer so großen jungen Gemeinschaft verliert sie sich nicht in purer Betriebsamkeit. In der Tiefe ihres Herzens bleibt sie mit Gott vereinigt. In tiefer innerer Friede.

Die letzten Monate Sr. Josefas sind von schwerer, überaus schmerzlicher Krankheit gezeichnet und es vollzieht sich in ihr die letzte Wandlung. Auf dem Sterbebett, unter schwerem Asthma leidend, hinterlässt sie den Schwestern ihr geistliches Testament: "Das Veni Sancte Spiritus (Komm, Heiliger Geist) soll das Atemholen einer Dienerin des Heiligen Geistes sein."

Sr. Franziska Carolina Rehbein SSpS (+)


Am 29. Juni 2008 wurde Hendrina in Steyl-Tegelen/NL im Auftrag von Papst Benedikt XVI. durch Kardinal José Saraiva Martins seliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 20. Mai.