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31.08.2016

Lavendelverarbeitung

Eine Frau aus dem Olympia-Dorf bei der Lavendelverarbeitung.

Neuanfang mit Lavendel (Rundbrief von Sr. Lioba aus Rumänien)

Liebe Mitschwestern, Verwandten, Freunde und Bekannten, nach meinem Urlaub in Deutschland bin ich wieder gestärkt und wohlbehalten hier in Roman angekommen. Hier war es im Juli anscheinend auch schon sehr heiß. Auch jetzt im August ist es heiß und trocken gewesen. Die Menschen spüren schon sehr den Klimawandel. Dafür hat sich der Lavendel sehr gut entwickelt.

Aber auch die Pflanzen aus meinem Gemüsegarten beim Kloster sind gut gewachsen und die Tomaten süß und sehr schmackhaft. Der Garten bei der Schule ist dafür in meiner Abwesenheit ziemlich verwildert. Einige Tage nach meiner Ankunft ist Sr. Patrizia in Urlaub gefahren. In dem REHA Zentrum für Alkoholabhängige Menschen ist im August Urlaub. Auch in der Schule ist jetzt im August frei. Nur in der Küche für die Brüder wird gekocht da nicht alle gleichzeitig in Urlaub sind, und auch Tiere versorgt werden müssen.

Neben dem Projekt in der Schule mit den Kindern und den Besuchen im Olympia-Dorf bin ich ja noch in einem anderen Projekt eingebunden. Das gehört zu „Green Time“ einer Gärtnerei unter der Leitung der Franziskaner die dort vor allem Zierpflanzen und Gehölze angepflanzt und vermehrt haben. Seit 2015 ist ein Teil davon auch für Lavendel genutzt um noch mehr Menschen aus dem Olympia-Dorf eine Arbeit zu geben.

In früheren Briefen habe ich schon von diesem Stadtviertel geschrieben. Das Olympia-Dorf ist ein Slum wo hauptsächlich Roma-Bevölkerung lebt, aber alle verschiedenen Clans durcheinander. Es ist eine ehemalige Kolchose wo Schweine gehalten wurden. Es sind 4 Gebäude, jeweils ca. 100 m lang und etwa 14 m breit. In der Mitte von jedem Gebäude ist ein betonierter Gang. Rechts und links von diesem Gang sind die Wohnungen, d.h. jeweils ein Raum ca. 25 m² darin ist ein Ofen, der auch zum Kochen benutzt wird. Zu jeder „Wohnung“ gehört außerhalb noch ein Streifen Land, der so breit ist wie der Raum. Dort haben nur einige wenige Familien sich ein Loch als Toilette gegraben. Die meisten haben keine Toilette und das Wasser gibt es auch nur an 2-4 Wasserstellen pro Gebäude. Es ist also ein Raum in dem die ganze Familie wohnt, alles muss sich da abspielen. Alle Sitzgelegenheiten sind bei Nacht auch gleichzeitig Schlafgelegenheiten. Es sind durchschnittlich 5-8 Kinder pro Familie. Manche bekommen aus verschiedenen Gründen keine Sozialhilfe und leben nur vom betteln und Müll-sammeln. Sobald es einer Familie besser geht, versuchen sie dort auszuziehen und in der Stadt zu wohnen. Denn wenn sie sagen sie kommen aus dem Olympia-Dorf d.h. hier nennen sie das Viertel nur die Ställe bekommen sie sowieso keine Arbeit. Olympia-Dorf wird es auch genannt, weil zu jeder Kolchose so ein Wasserturm gehört, der die Form hat vom wie das Olympische Feuer.

Das Projekt mit dem Lavendel ist eben für Menschen aus diesem Viertel gedacht, damit wenigstens einige die Möglichkeit haben auch Geld zu verdienen und ihre Lebenssituation verbessern können. Denn Müll sammeln ist auch immer schwieriger. Bis vor einem Jahr gab es noch eine Stelle wo man Altpapier und andere Wertstoffe verkaufen konnte, das gibt es jetzt nicht mehr. Im Herbst ist der größte Teil der Familien damit beschäftigt Walnüsse aufzuklopfen. Ein Händler bringt ihnen die Nüsse, die werden aufgeklopft und dann holt sie der Händler wieder ab. Dabei werden die Menschen aber sehr oft betrogen. Sehr viele sind Analphabeten besonders die Frauen. Die Nussschalen werden dann zum Heizen und kochen verwendet. Ich habe aber auch andere Familien gesehen, die kein Holz zum Heizen hatten und ihren Ofen mit Stoffresten geschürt haben. Die Menschen, die in diesem Slum wohnen werden sogar von den stolzen Zigeunern aus der Stadt diskriminiert und verächtlich Roma genannt. Sie nennen sich selbst Zigeuner und halten an ihren Traditionen fest. Die Frauen mit den langen bunten Röcken und die Männer mit dem schwarzen Filzhut.

Manche von diesen Familien haben aber trotz der Armut sich den Platz, den sie haben sehr schön eingerichtet. Es gibt auch einige, wo sich zwei Räume leisten können, dann ist es nicht mehr so eng. Alkohol und andere Drogen spielen da natürlich auch eine große Rolle und machen den Unterschied, ob es einer Familie etwas besser geht oder nicht. Einige Frauen sind ganz erfinderisch wie man mit einfachsten Mittel doch den Raum schön gestalten kann.

In der Schwesternkommunität ist immer noch Urlaubszeit. Wir bereiten uns aber auch schon auf unser Fest am 05. November vor. Da feiern wir 25 Jahre SSpS in Rumänien. Euch allen wünsche ich noch einen schönen Ausklang vom Sommer und einen guten Anfang nach den Ferien.
Gottes reichen Segen für Euch alle.
Eure Sr. Lioba

 

Veröffentlicht: 31.08.2016 / Sr. Michaela Leifgen SSpS