Trigger
15.09.2016

Gemeinsam mit Schwestern aus Vietnam, Korea, den Philippinen und der Slowakei bereitet sich Schwester Svitlana aus der Ukraine in Cebu auf ihre Ewige Profess vor.

Neuland (Rundbrief von Sr. Svitlana aus den Philippinen)

Drei Jahre war Schwester Svitlana aus der Ukraine bei uns in Deutschland, jetzt bereitet sie sich auf den Philippinen auf ihre Ewige Profess vor. In ihrem ersten Rundbrief erzählt sie von ihren ersten Eindrücken aus Asien, der Armut in Cebu, und der Erfahrung, dass es nicht viel braucht, um glücklich zu sein.

Viele herzliche Grüße aus den heißen und sonnigen Philippinen! Ich bin schon mehr als eine Woche hier in Cebu, in unserer südlichen Provinz. Meine Zeit in der Ukraine im August war sehr schnell zu Ende; sie war aber sehr intensiv und auch erholsam. Ich konnte ein paar unserer Kommunitäten besuchen und verbrachte ganz viel Zeit bei meiner Familie. Es gab ganz viele schöne Begegnungen, und zusammen mit meiner Familie habe ich den Geburtstag meiner Mutter gefeiert. Auf der einen Seite wusste ich, es war meine Zwischenstation, weil ich weiter fliegen würde und auf der anderen Seite habe ich oft gedacht, dass ich nach der Probation (Vorbereitung auf die Ewige Profess) in meine Heimat zurückkehren würde.

Die Situation in der Ukraine ist instabil und unruhig. Man spürt nicht direkt die Zeichen des Krieges, aber in den Nachrichten und Gesprächen ist es oft das wichtigste Thema, weil alle viel Angst haben, dass Russland weiter angreifen könnte und wir unser Land und unsere Freiheit verlieren. Einmal war ich mit meinem Bruder am Friedhof, dort konnte man die Gräber unserer Soldaten sehen, die im Osten getötet worden sind. Es war für mich schmerzlich zu sehen, dass die meisten von ihnen jünger waren als ich.

Am 30. August machte ich mich auf dem Weg nach Cebu. Ich bin am nächsten Tag in Manila angekommen und  dann am Donnerstag mit drei anderen Mitschwestern aus Vietnam, mit denen ich in der Gruppe bin, weiter nach Cebu geflogen. Es war ganz nett, weil um diese Zeit auch Schwester Katharina aus der Slowakei gekommen ist. Das heißt, am Flughafen in Cebu waren schon 80% der Gruppe angekommen. Wir sind zusammen sieben SSpS: Sr. Lan, Sr. Hoa und Sr. Huyen aus Vietnam, Sr. Soo-Min aus Korea, Sr. Maricel aus Cebu und Sr. Katharina und ich. Es ist eine ganz neue Erfahrung für uns alle. Die Schwestern aus Asien waren wohl noch nicht mit Europäerinnen zusammen in einer Gemeinschaft und für uns beiden aus Europa ist Asien auch Neuland. Deswegen können wir jeden Tag viel Neues lernen.

Wir wohnen bis Ende dieses Monats im Provinzhaus, weil unser Haus zurzeit repariert wird. Das hat sehr viele Vorteile für uns, weil wir mehr Zeit haben, um uns an viele Dinge zu gewöhnen. Die Kommunität hier ist sehr nett, die Mehrheit der Schwestern ist schon pensioniert. Sie sind sehr  freundlich. Sie fragen uns immer wieder, wie es uns geht und bemerken, dass es hier selbst für sie zu heiß ist. Im Haus wohnen auch 6 Studenten/Innen. Sie kommen aus armen Familien und die Schwestern bezahlen ihr Studium.  Sie helfen im Haushalt  und bringen sehr viel Leben ins Haus. Es gibt auch eine Köchin hier, die sehr gut kocht. Heute hat sie für uns Pfannkuchen gemacht. Das war eine große Überraschung.

Cebu ist eine große Stadt mit viel Verkehr, deswegen ist auch die Luft sehr verschmutzt. Es gibt hier viele große Hotels und Kaufhäuser und ganz viele Touristen kommen hierhin, weil die Dinge hier nicht sehr teuer sind. Es herrscht aber auch eine sehr große Armut. Meine erste Begegnung mit dieser Armut war auf dem Weg zur Kirche. Wir sahen ein paar Jugendliche, die auf Kartons schliefen. Da habe ich mir gedacht, ich muss aufhören zu klagen, weil es mir heiß und schwer ist. Es gibt Tausende hier, die nie auf dem Bett geschlafen haben.

Am letzten Sonntag durften wir Schwester Miriam aus der Kommunität hier und die Studenten, die die Schwestern sie unterstützen, beim Verteilen von kleinen Snacks an die Kinder in einem Viertel in Cebu helfen. Wir standen vor ihren Hütten aus Karton und Steinen, in denen diese Kinder mit ihren Eltern wohnen, und teilten für die fast 400 Kinder Brötchen, Bananen und kleine Becher mit Saft aus. Die Schwester sagte, dass die Kinder heute wenigstens ein Abendessen bekommen haben. Die Armut hier ist sehr drastisch und das sieht man sehr deutlich, wenn man mit dem Bus unterwegs ist.

Unsere Formatorin Sr. Ewa Lidia, die für die Probation verantwortlich ist, nennt man hier die Mutter Teresa von Cebu. Sr. Ewa arbeitet schon viele Jahre mit den Straßenkindern. Sie ist zuständig für den Treffpunkt "Balay Samaritano" für Straßenkinder und ältere Menschen. Am achten September wurden wir eingeladen, das achte Gründungsjahr zusammen mit dem Geburtstag von Mama Mary zu feiern. Es kamen mehr als hundert Kinder. Da es in der Nacht geregnet hatte, waren die meisten von ihnen nass und schmutzig.  Zuerst konnten sie sich waschen und umziehen und dann haben wir die Eucharistie gefeiert und danach das festliche Essen genossen. Manche  dieser Kinder gehen zur Schule und können ihr Leben ändern, aber viele schaffen es nicht und werden drogenabhängig. Das Leben dieser Menschen ist wirklich sehr hart. Wir werden uns als Gruppe zweimal in der Woche für die Kinder in Balay Samaritano engagieren.

Es ist eine sehr spannende Zeit für mich und für meine Mitschwestern. Für die Möglichkeit, hier zu sein, bin ich sehr dankbar, weil sie eine ganz andere Dimension unserer Kongregation für uns sichtbar macht. Ich kann viel lernen. Ich bin auch sehr froh, dass ich mich in einer internationalen Gruppe auf  die ewigen Gelübde vorbereiten kann.

Liebe Schwestern, liebe Freundeinnen und Bekannte, ich bitte Sie um Ihr Gebet für die Kinder in Cebu und für meine Gruppe. Ich wünsche euch allen Gottes Segen und Freude für jeden Tag. Dieser Ort zeigt mir, dass ich nicht viel haben muss um dankbar und glücklich zu sein. Ich danke euch für euer Gebet und dafür, dass ihr an mich denkt! Der gute Gott behüte euch und schenke euch seinen Heiligen Geist!

Herzlichen Dank
Mit freundlichen Grüßen bin ich Eure Sr. Svitlana Matsiuk

 

Veröffentlicht: 15.09.2016 / Sr. Michaela Leifgen SSpS