Trigger
29.05.2017

Dana und ihre Tochter helfen Sr. Lioba bei der Pflege der Gartenbeete.

Rumänische Gärten im Mai (Rundbrief von Sr. Lioba Brand)

Im Frühling hat Sr. Lioba im Garten alle Hände voll zu tun. Die Kinder helfen ihr dabei und lernen zugleich vieles über die Pflanzen und ihre Funktionen kennen. Auch Sr. Lioba lernt immer wieder Neues von den Menschen aus der Region.

Der Wonnemonat Mai zeigt sich von seiner schönen Seite. Wir haben auch schon einige Male einen schönen Mai-Regen bekommen, sodass die Pflanzen im Garten sehr schön wachsen. Auch mit den Kindern haben wir noch weitergemacht. Tomaten haben wir in Recycling-Behälter gepflanzt. Dieses Jahr habe ich mehr Erde dazu getan, das habe ich aus dem ersten Versuch im Vorjahr gelernt, und ich habe sie an einen Platz gestellt, wo sie nicht ständig herum geschupst werden. Bis jetzt sehen sie sehr gut aus. Die ersten Früchte, die Radieschen, können wir schon ernten. Der Garten ist für die Kinder wirklich sehr interessant. Wenn ich sie einzeln habe und ihnen zeigen kann, wie man sät, erntet oder pflanzt, sind sie sehr aufmerksam und arbeiten vorsichtig und umsichtig.

Zwischen den Beeten habe ich Bretter gelegt, damit die Kinder wissen, wo sie gehen können und wo es verboten ist. Das haben sie auch sehr gerne. Sie benutzen es manchmal wie ein Labyrinth, wo wie die verschiedenen Wege ablaufen. Für die Pflanzen wird es nur gefährlich, wenn mehrere Kinder auf den kleinen Wegen Fangen spielen. Zu wertvolle und empfindliche Pflanzen eignen sich für dieses Projekt eben nicht.

Der Garten befindet sich hinter der Schule und direkt daneben ist ein verwahrloster Garten mit großen Holunderbüschen und vielen Brennnessel-Pflanzen. Die Brennnessel, Holunderbüsche und Brombeere versuchen sich auch ständig in unserem Garten weiter zu verbreiten. Mit den Brennnesseln mache ich eine Dünge-Jauche und die anderen unerwünschten Pflanzen müssen eben entfernt werden. Was aber außer den Pflanzen noch von dem verwahrlosten Garten kommt, das sind Schnecken, die bei Nacht unsere zarten Pflänzchen aufessen.

Hier im Klostergarten habe ich es hauptsächlich mit schönen Weinbergschnecken zu tun. Diese zu bekämpfen fällt mir sehr schwer. Zum einen sind sie wunderschön. Ich habe gelesen, dass sie bis zu 20 oder noch mehr Jahre alt werden können. Unter guten Bedingungen (warm, feuchtes Wetter) können sie bis zu 7 m in einer Stunde zurücklegen. Da ist eine 8 m breite Straße auch kein Hindernis, wenn es von der anderen Seite nach einer guten Mahlzeit duftet. Ich sammle sie ein, und bringe sie an Plätze, wo kein Garten ist, sondern nur Ödland oder Grasfläche. Das ist aber in der Stadt nur begrenzt möglich. Wenn ich sie aber im Garten lasse, machen sie mit vielen jungen Pflanzen kurzen Prozess und ich wundere mich, warum der Samen nicht aufgeht, besonders der Salat und auch die Bohnen. In Deutschland stehen sie ja unter strengem Schutz. Diese Aktion erinnert mich immer wieder an meine Kindheit, wo ich auch die Weinbergschnecken vor den Sammlern gerettet habe und sie im Obstgarten hinterm Hof wieder ausgesetzt habe.

Neben den Garten-Pflanzen wachsen jetzt ja auch mit aller Kraft die Wildpflanzen. Deshalb habe ich mit den Patienten von ACAR (dem Reha-Programm für Alkoholabhängige) und auch mit den Kindern die gute Kräutersalbe hergestellt. Die Beinwell-Salbe und auch die Kräutersalbe für Wunden und Hautpflege haben einen solchen guten Ruf, dass ich fast nicht mehr nachkomme mit der Herstellung.

Im ACAR-Programm machen wir es als Einkommensprojekt. Ich habe jetzt die Salbe vom Frühling 7-Kräuter-Frühlingssalbe genannt, weil im Sommer andere Pflanzen wachsen. Im Sommer kommen Kapuzinerkresse und Schafgarbe, Ringelblume, Kamille, Eisenkraut, Wegerich, Rosenblüten, Lavendel, Salbei, Aloe Vera hinein. Jetzt im Frühling habe ich Klettenwurzeln, Gundelrebe, Gänseblümchen, Spitzwegerich, Salbei, Aloe Vera, Ringelblume oder Kamille hinein getan. Außerdem natürlich in die Beinwellsalbe die Beinwellwurzeln. Das Besondere in diesem Jahr ist, dass ich mit den Wurzeln der großen Klette arbeite. Diese Pflanze wird sehr viel im Osten verwendet. Die ganze Pflanze ist essbar.

Von den Menschen mit denen ich arbeite erfahren ich auch immer wieder neue Sachen und kann so meinen Wissensstand erweitern, z.B. habe ich jetzt erfahren, wie hier die Menschen früher und noch bis in die heutige Zeit selbst Seife hergestellt haben. Der Mann hat mir versprochen, das Rezept bis nächste Woche aufzuschreiben. Wenn ich dann das Rezept habe, kann ich es auch abändern und mit Kräutern verfeinern.

Für den Misch-Tee habe ich auch schon einige Kräuter auf der Bühne zum Trocknen. Mit den Kindern mache ich Tauschgeschäfte: schöne Blüten gegen Mal- und Lesebücher. Die Kinder haben auch schon wirklich viel über die Pflanzen gelernt.

Soviel für Heute, ich wünsche Euch allen ein gnadenreiches gesegnetes Pfingstfest. Im Gebet um die Gaben des Hl. Geistes vereint mit euch grüße ich herzlich.
Eure Sr. Lioba Brand