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03.02.2019

Ein letztes Gruppenbild: Nach 15 Jahren verlässt Sr. Jovita (3.von links) Rumänien.

Schwierige Voraussetzungen für die Ökumene

Sr. Lioba Brand meldet sich aus dem tiefsten rumänischen Winter. In ihrem Rundbrief erzählt sie, wie sie den Kranken im Dorf mit ihrer Kräuterkunde helfen möchte und berichtet, wie sie die Gebetswoche für die Einheit der Christen erlebt hat.

 Zurzeit kursiert hier in Roman eine gefährliche Grippe, an der schon einige Menschen gestorben sind. Inzwischen gibt es schon 50 Todesopfer zu beklagen. Ich bin dabei einen Hustensaft herzustellen, den ich mit braunem Zucker machen kann, anstelle von Honig, der sehr teuer ist. Auch möchte ich wie bei der so beliebten Salbe mehrere Kräuter hineintun. Beim Einkaufen habe ich letzte Woche sogar schwarze Rettiche in der Gemüseabteilung gefunden. Mit denen kann man auch einen guten Hustensaft herstellen. Eine andere Pflanze, die hier unbedingt in den Hustensirup hinein muss, ist das Basilikum.

 In der orthodoxen Kirche wird mit den Zweigen des Basilikums Weihwasser gespendet. Auch bei einer Pilgerreise werden mit Basilikumzweigen die Ikonen berührt. Es ist also eine heilige Pflanze. Von meiner Mitschwester Jovita weiß ich, dass das auch in Indien bei den Hinduisten so ist. Jede Familie hat im Zentrum des Hauses eine Pflanze, die gehegt und gepflegt wird. Auch bei der Hl. Hildegard von Bingen ist Basilikum eine wichtige Pflanze.

Vor einigen Tagen ist die Gebetswoche zur Einheit der Christen zu Ende gegangen. Das erinnert mich jedes Jahr an unsere gemeinsamen Gebete und Gottesdienste in Moos und Laupheim. Hier in Rumänien ist die Ökumene zwischen den christlichen Kirchen sehr schwierig. Die Mehrheit der Bevölkerung (fast 90 Prozent) ist christlich rumänisch orthodox und untersteht dem Patriarchen von Bukarest. Bei den orthodoxen Christen gibt es sehr viele konservativ eingestellte Christen. Deshalb ist die offizielle Kirche gegen eine Versöhnung oder eine Zusammenarbeit mit anderen christlichen Konfessionen. Den Christen ist es nicht erlaubt, eine katholische Kirche zu besuchen, auch gemeinsame Gebete sind nicht möglich. Nur inoffizielle Veranstaltungen, die nicht von der Kirche ausgehen (z.B. von Vereinen, oder Familien), sind möglich.

Der orthodoxe Pfarrer Michael Popovici, der in unserem Haus das Tageszentrum für die Kinder führt, hat mir das so erklärt. Die Kirche hat Angst einen Großteil ihrer Gläubigen zu verlieren, wenn sie zu weit geht. Da sind noch alte Wunden aus der kommunistischen Zeit, als die katholische Kirche und ihre Gläubigen unterdrückt wurden und viele in Gefängnissen gefoltert wurden, weil ihnen die Verbindung zu Rom und damit zum Westen als Spionage angelastet wurde.

Die Ordensleute von unserem Dekanat haben in der Gebetswoche ein Treffen in einem orthodoxen Frauenkloster hier in der Nähe organisiert. Wir waren ca. 30 katholische Ordensleute und sind zu dem Kloster gekommen. Dort ist auch ein Schloss. Wir hatten eine Schlossführung und danach ein Gespräch mit der zuständigen „Tourismusbeauftragten“ Nonne. Wir konnten Fragen stellen und diese sind auch bereitwillig beantwortet worden. Vom Kloster haben wir aber nur die Kirche besuchen können. Ein gemeinsames Gebet war nicht möglich. Wir haben in der Kirche das „Vaterunser“ gebetet, ohne die orthodoxen Nonnen.

Danach sind wir in das Nachbardorf gefahren, wo katholische Schwestern ein Alten- und Pflegeheim für 46 Personen führen. Dort hatten wir einen sehr schön gestalteten Gebetsgottesdienst um die Einheit der Christen.

Diese Woche mussten außerdem wir Abschied feiern, Sr. Jovita aus Indien ist zurück in ihre Heimatprovinz gegangen. Sie war 15 Jahre in Rumänien hauptsächlich in Roman. Hier hat sie in einem Tageszentrum Kindern bei den Hausaufgaben geholfen und Englisch-Nachhilfe gegeben. Am Wochenende hat sie in der Pfarrei in der Katechese mitgearbeitet. Sie hatte große Freude am Singen und war in zwei Chören aktiv dabei.

Heute hatten wir im Olympia-Dorf wieder die wöchentliche Versammlung mit den Eltern. Es sind 28 Personen gekommen, die kleinen Kinder nicht mitgerechnet. Es waren auch einige Väter dabei. Ich habe ihnen erklärt, dass wir im Frühjahr mit dieser Gruppe einige praktische Aktionen durchführen werden, besonders das Thema Hygiene soll im Mittelpunkt stehen. Ich habe ihnen auch angeboten, das Material für eine Garten-Toilette zu  bezahlen.

Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte von meiner „Wundersalbe“. Ein kleines Mädchen aus unserer Kindergartengruppe konnte ich damit heilen. Der Vater ist in Deutschland im Gefängnis, die Mutter muss hier zur Arbeit, und die Oma, die auf die Kinder aufpassen sollte, kümmert sich oft nicht, und lässt die Kinder allein. Vor Weihnachten kam die Kleine zu mir und hat mir ihren Arm hingehalten. Ich konnte nicht richtig verstehen, was sie wollte, bis ich die große Wunde sah. Eine tiefe Brandwunde vom Handansatz bis zum Ellenbogen. Ich war wirklich schockiert. Die Schul-Ärztin hat nur so halbwegs etwas hingetan, aber nicht einer Brandwunde entsprechend. Dann bat mich unsere Erzieherin, ich solle doch mit meiner Salbe die Wunde behandeln. Ich habe dann mit einem Desinfektionsmittel, das keine Schmerzen verursacht, und mit der 12-Kräutersalbe den Arm verbunden. Nach zwei Wochen war die Wunde so schön verheilt, dass es nicht einmal eine Narbe gegeben hat.

Das war‘s wieder einmal für heute. Ich wünsche Euch allen eine gute Zeit, vor allem Gesundheit und Frieden. Im Gebet verbunden grüße ich von Herzen
Eure Sr. Lioba Brand