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01.09.2016

Schweizer Schwestern

Sie hielten bis zum Schluss die Stellung: Sr. Adelrica, Sr. Miriam, Sr. Nicola und Sr. Ademaris. ((c) Karin Herzog)

Selbstloser Augenblick - ein Leuchtfeuer des Geistes - Ewigkeit

Es gibt Dinge in unserem Leben, die es immer gibt, heute und morgen und übermorgen. Wie z.B. ein Haus, ein Schrank, Institutionen, Sakramente, Rituale. Doch sie alle vergehen einmal. Aber es gibt Dinge, die gibt es nur, wenn sie gerade geschehen, in lebendigem Vollzug, in Liebe. Und bestehen bleibt am Ende nur die Liebe. Alle unsere Niederlassungen, die wir in den vergangenen Jahren - und jetzt zeitnah in diesem Jahr - schmerzlich losgelassen haben, sie vergehen.

Am 28. August haben die Schwestern von Thal in einem eindrücklichen Gottesdienst, in gemeinsamen Loben und Danken Abschied genommen von ihren Familien und Freunden. Bewegende Augenblicke, wie die dichte Atmosphäre des Hinhörens auf das Wort Gottes, das Feiern des heiligen Mahles, das Brausen der Orgel oder die Klänge der Panflöte waren Momente, in denen die Menschen berührt wurden.

Herr Titus Lenherr, Offizial des Bistums St. Gallen und Vertreter des Bischofs Markus Büchel, setzte sich in seinen Worten auseinander mit der Frage: Was ist bleibend in unserem Leben?

In dieser Zeit großer Umbrüche und Veränderungen macht uns vieles traurig. Wir kennen in unseren Orden die Aufhebungen, die Rückzüge, das Ausbleiben von Berufungen, schließen von Niederlassungen, Aufgeben von Wirkungsorten... Sr. Anna-Maria Kofler, Leiterin der Provinz, wagte in diesem Punkt zu behaupten, dass an den Ordensgemeinschaften exemplarisch abzulesen ist, welchen Herausforderungen sich die Kirche stellen muss, welche Umbrüche zugelassen werden müssen, damit unsere Zeit eine Gnadenzeit werde. Gnadenerfüllte Augenblicke.

Das Wort Gottes tröstet uns. Alle unsere Institutionen sind Instrument. Sie wollen hinführen auf das Eigentliche, auf Gott. Gott, der die Liebe ist.

Und, wo ist Gott? Verschwunden - ER lebt im Anhauchen der Liebe in unseren Herzen, in unserer Welt, damit wir leben im Hauch Seines Geistes. Das Leben aus Seiner Liebe befähigt uns zu lieben im selbstlosen Augenblick. Der Augenblick ist das einzige Gefäß für eine liebevolle Geste. Liebevolle Gedanken, liebevolle Worte, die liebevolle Tat, liebevolles Segnen und Verzeihen, das liebevolle Beten... Sie alle sind Samenkörner des Glaubens für das Reich Gottes. Berufen - Dienerinnen des Heiligen Geistes zu sein - damit aufleuchte die dreifaltige Liebe in den Herzen der Menschen. Der Mensch hat alles was er braucht, um ein Mensch der Liebe zu sein: der selbstlose Augenblick. So wird der Augenblick zum Leuchtfeuer des Geistes.

Viele leuchtende Augenblicke haben die Schwestern in den vergangenen 75 Jahren aufscheinen lassen: in Quarten, Schänis, Kreuzlingen und Thal, auf den Philippinen, in Argentinien, Taiwan und Äthiopien und jetzt neu sollen sie leuchten in Laupheim.
"Dort - wo das Feuer ist - ist der Ort,
damit die im Dunkel wissen,
wo DU Gott zu finden bist."

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Und genau für diese erfüllten Augenblicke der liebenden Zuwendung haben die Redner gedankt, wie z.B. Herr Felix Bischofberger, Präses des Freundeskreises der Marienburg und Präses der katholischen Kirche in Thal. In diesem Sinne dankte auch Pater Stefan Dähler SVD, der Provinzial der mitteleuropäischen Provinz der Steyler Missionare, für alle kleinen Aufmerksamkeiten, für die Geschwisterlichkeit, die guten Worte und den frohen Gesang in den gemeinsamen Gottesdiensten. Er überreichte eine Streichholzschachtel, aber es waren keine Streichhölzer drinnen - große Spannung in der Kirche - sondern ein Junge mit einer Blume, zu dem beim Öffnen Musik ertönt. "Sei du unser Atem Heiliger lebendiger Gott, du Sänger des Lebens! Wir sind dein Ton, Dein Klingen, Dein Schweigen Dein Lieben in unserer Welt." (nicht diese Worte) Sie wollen dem ganzen einen Sinn geben.

Auch Titus Lenherr dankte den Schwestern im Namen des Bischofs. Bischof Markus Büchel ist mit der Marienburg sehr verbunden, zumal er dort Schüler war, ja sogar seine Wäschenummer würde das heute noch bezeugen.

Unter dem Motto "Wo wir ankommen, fängt es an", durften die Schwestern die besten Segenswünsche für die Reise mitnehmen. Und so zeichnete Pater Stefan Dähler jeder Schwester ein Kreuz auf die Stirne und sandte sie an ihren neuen Wirkungsort in Laupheim. Bewegende Augenblicke, die Ewigkeit ausstrahlen.

Nach dem Segen verteilten die Schwestern Kerzen an alle Gottesdienstbesucher mit dem Logo der Steyler Missionarinnen. Auch für sie alle gilt: "Wo wir ankommen, fängt es an" - Leuchte!

Anschließend gab es ein frohes Begrüßen, Hände schütteln und umarmen. Bei schönstem Sommerwetter saßen die Menschen im Freien beisammen, erfreuten sich aneinander und an den köstlichen Speisen und Getränken - es gab sogar Steyler Bier. Wie köstlich!

In dieser Gastfreundschaft auf dem Marienburger Areal, die in diesen Stunden zum Ausdruck kam, war auch ein bewegendes Bild zum Evangelium von diesem Sonntag zu erfahren: "Mein Freund, rück weiter hinauf!" (Lk 14,10), ich will dir Freund sein - ein Stück Himmel auf Erden. Viele kostbare, bleibende Augenblicke der Liebe und Freundschaft.

So ist auch der Abschied zu einem Augenblick der bereichernden Fülle und Tiefe geworden, der für immer bleibt. Und Jesus sagt in Joh 10,10 "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben."

Text: Sr. Theresia Eberhard SSpS


Zum Nachlesen:
Grußwort von Sr. Anna-Maria Kofler SSpS
Homilie von Offizial Titus Lenherr

 

Veröffentlicht: 01.09.2016 / Sr. Michaela Leifgen SSpS