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30.01.2020

Sr. Bettina Rupp (53) arbeitet als Sozialarbeiterin in Frankfurt

Sr. Bettina: „Ich hoffe, dass die Erwartungen überhöht werden“

Am 30. Januar beginnt die erste Synodalversammlung in Frankfurt a. Main. Unter den mehr als 230 Teilnehmenden ist auch Sr. Bettina Rupp. Im Interview schildert die Ordensfrau ihre Erwartungen an diese Versammlung.

Schwester Bettina, wie kommt es, dass Sie an der Synodalversammlung teilnehmen werden?
Sr. Bettina: Die Deutsche Ordensoberenkonferenz (DOK) durfte aus ihren Reihen Ordensfrauen und Ordensmänner benennen. Dabei war es der DOK wichtig, die große Bandbreite der Orden abzudecken. Als die Anfrage dann über unsere Provinzleiterin an mich kam, war es zunächst ein inneres Ringen, ob ich teilnehmen soll. 

Warum?
Die Versammlung ist mit hochkarätigen Theolog*innen besetzt, auch Professor*innen sind dabei, die alle fundiert argumentieren können. Da habe ich schon kalte Füße bekommen. Aber es überwog doch schnell der Gedanke, dass ich der Einladung, die Kirche aktiv mitzugestalten, auf jeden Fall folgen möchte. Ich möchte mich als Ordensfrau in der Versammlung mit meinem Charisma und meiner Profession einbringen. Ich bin als Sozialarbeiterin jeden Tag mit Menschen am Rand der Gesellschaft in Kontakt, die auch eine Stimme in der Synodalversammlung brauchen, denn sie sind es doch, die in der Botschaft Jesu in der Mitte stehen.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Versammlung?
Ich habe im Vorfeld die Arbeitspapiere gelesen. Was dort bisher erarbeitet wurde, ist sehr gut. Und ich erwarte, dass sich auf Augenhöhe miteinander ausgetauscht wird und konkrete Pläne entworfen werden, wie diese Inhalte umgesetzt werden. Diese Verantwortung hat die Versammlung. In den Papieren ist immer wieder die Rede davon, dass die Kirche, dass wir alle das Volk Gottes sind. Daher muss es für mich noch über die vier Synodalforen1 hinausgehen.

Wie meinen Sie das?
Wir müssen weg von der Frage, ob Männer oder Frauen die besseren Amts- oder Entscheidungsträger sind. Viel wichtiger ist es doch zu fragen, wer passt zu einem Amt, wer kann diese Funktion am besten ausüben. Es ist die Frage der Berufung. Das Geschlecht ist dabei nicht entscheidend. Wir müssen nicht mehr über die Sorge der Einheit sprechen, denn die Spaltung gibt es längst. Es geht vielmehr um die Vielfalt in Einheit. Ich würde mir eine Kirche wünschen, die Pluralität als einheitsstiftendes Merkmal sehen kann. Es ist also für mich ein geistlicher Prozess, den ich mir erhoffe. Ich wünsche mir, dass wir eine Kirche werden, die nicht auf alles eine Antwort hat, sondern sich auf die Suche einlässt, die demütig bleibt und so über sich hinauswächst. Wir brauchen eine Umkehr zum ‚Größerdenken‘. Dass man mehr findet, als man sucht. Dann kann der Heilige Geist in seinem Volk wirken, unsere Erwartungen überhöhen.

Glauben Sie, dass so etwas passieren kann?
Ja, ich habe es selbst erfahren. Beim letzten Generalkapitel (Zusammenkunft gewählter Vertreterinnen aller Missionsschwestern weltweit, wichtigstes Entscheidungsorgan, Anm. d. Red.) der Steyler Missionsschwestern sprachen wir über unseren Einsatz für die Armen. Während der vier Wochen des Kapitels wurde dieses Thema neu und ganz anders definiert. Nämlich vom ‚Einsatz für und mit den Armen‘ hin zu ‚In Gemeinschaft mit den Armen‘. Das war ein dynamischer, ein geistgeführter Prozess, dessen Ausgang vorher keine Schwester so wissen konnte. Dass wir mit den Armen leben wollen und nicht für sie, haben die Schwestern entschieden. Das ist nicht nur basisdemokratisch, sondern eine gemeinschaftliche Entscheidung. Eine Entscheidung als Resultat des Hörens auf den Geist Gottes. Und die Leitung hat vom Kapitel den Auftrag bekommen, dafür Sorge zu tragen, dass diese Entscheidung umgesetzt wird. Daher hoffe ich, dass aus der Synodalversammlung mehr Impulse ausgehen, als jetzt angedacht sind. Es wird spannend.

Steffi Mager
 
1Synodalforen: In der Vorbereitungsphase bis zum September 2019 gab es vier Foren, die für den Synodalen Weg gearbeitet haben und jetzt fortgeführt werden: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“, „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“, „Priesterliche Existenz heute“ und „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“.

Info: Vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 findet in Frankfurt am Main die erste Synodalversammlung der katholischen Kirche in Deutschland statt. An ihr nehmen alle (Erz-)Bischöfe und Weihbischöfe und entsprechend viele Vertreterinnen und Vertreter aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken teil. Darüber hinaus sind kirchliche Berufsgruppen vertreten, die Ordensgemeinschaften sowie Mitarbeiter der diözesanen Verwaltungen. Die „junge Generation“ wird durch 15 katholische Gläubige vertreten sein, die zum Beginn des Synodalen Weges unter 30 Jahre alt sind. Bei der Besetzung wird auf Geschlechter- und Generationengerechtigkeit geachtet. Die Synodalversammung umfasst 230 Mitglieder, sowie 25 Beobachter aus verschiedenen Institutionen und dem benachbarten Ausland.


Weitere Informationen: https://www.synodalerweg.de/