Trigger
02.03.2017

Papua Neuguinea - das Missionsland von Sr. Monika.

"Träume sind Samen für eine wunderschöne Zukunft" (Rundbrief von Sr. Monika aus Papua-Neuguinea)

Papua-Neuguinea, der Inselstaat im Südpazifik, ist ein bezaubernd schöner Flecken Erden und zugleich voller politischer und sozialer Baustellen. Wie unsere Schwestern auf die Situation im Land reagieren möchten und wovon Sr. Monika Steinberger selbst darin träumt, erzählt sie in ihrem neusten Rundbrief.

Die Wirtschaft Papua Neuguinea’s ist in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 in eine spürbare Krise geraten. Die Gesundheitsposten hatten keine Antibiotika und Malariamedizin mehr, um die Patienten zu behandeln. Schulen haben vorzeitig das Schuljahr beendet, da die staatlichen Zuschüsse ausblieben und einige Luxusartikel, wie zum Beispiel Schokolade, sind aus dem Warensortiment der Supermärkte verschwunden. Die hohe Inflationsrate hatte es auch erschwert, Auslandstransaktionen durchzuführen und so mussten wir bis jetzt warten, um die Spendengelder, die sie großzügig während unserer Begegnungen im letzten Sommer gespendet haben, nach PNG zu überführen.

Die Gelder sind daher noch nicht eingesetzt worden, aber wir haben als Provinz beschlossen, zumindest einen Teil davon zur Unterstützung von Einzelfällen zu nutzen (zum Beispiel, um Medikamente oder Lebensmittel für Menschen in Not zu kaufen).

Das neue Jahr steht jetzt ganz im Zeichen der Wahlen. Während Wahlen in Deutschland in gemäßigten Bahnen verlaufen, kommt es hier im Lande zu monatelangem Chaos. Im Moment genießen wir die positive Seite der Wahlkampagne: Kandidaten versuchen ihre Wähler durch demonstrativ gute Werke zu gewinnen. So werden in Madang endlich die Löcher in den Straßen aufgefüllt, die seit den letzten Wahlen so tief gesackt waren, dass einige Straßen in der Stadt nur noch von Fußgängern benutzt werden konnten. Für mich waren die Einkaufsfahrten in den letzten Wochen ein echter Alptraum, weil ich mir nie sicher war, ob unser Auto aus dem Loch, in das ich fahren musste, wieder herauskommen wird oder liegenbleibt. Die Wahlkampagne hat auch die Wirtschaft neu angekurbelt.
In absehbarer Zeit wird es aber vor allem im Hochland zu Stammeskämpfen und gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen, da jeder Stamm seinen eigenen Parlamentarier haben möchte. Denn das Wantoksystem gilt auch hier – materieller Wohlstand muss geteilt werden. Ich brauche also nicht weiter zu erklären, wo unsere Milliarden hinfließen… jedenfalls nicht in Infrastrukturen, Bildungs- oder Gesundheitswesen.

Neben den genannten Veränderungen im Lande gab es für mich persönlich auch so einige Veränderungen: Ende November haben wir mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst den zehnmonatigen theologischen Grundkurs abgeschlossen. Damit ist auch meine Zeit am Xavier Institute zu Ende gegangen. Es waren spannende, fordernde drei Jahre, in denen ich viel dazugelernt habe, an meine Grenzen gestoßen bin und viele freudige Begegnungen erleben durfte. Nach drei Jahren in einer gemischten Kommunität (mit verschiedenen Ordensgemeinschaften), hatte ich mich sehr darauf gefreut, endlich wieder mit meinen eigenen Mitschwestern zusammenleben zu können.

Unser Provinzkapitel im Dezember war dafür ein guter Start. Nach einem intensiven Austausch der versammelten Schwestern haben wir miteinander die Weichen für die Zukunft unsere Provinz gestellt. Besonders zu schaffen machte uns die sinkende Zahl der Schwestern, da eine Reihe Mitschwestern aus persönlichen Gründen in den letzten Jahren um Rückversetzung in ihre Heimatprovinzen angefragt hatten und einige einheimische Mitschwestern aus der Kongregation ausgetreten sind. So haben wir uns entschieden die Kommunitäten in Timbunke (meine erste Station im Sepik) und Wewak zu schließen. Darüber hinaus haben wir entschieden, Schwestern als Sozialarbeiterinnen und Beraterinnen auszubilden, um vor allem den jungen Leuten besser helfen zu können, die Alkohol- und Drogenprobleme haben oder Opfer physischer, verbaler oder sexueller Gewalt sind. Leider gibt es in unserer Gesellschaft zu viele Menschen, die von diesen Erfahrungen gezeichnet sind.

Die zweite Entscheidung hatte sich mit meinem schon seit längerem im Herzen getragenen Wunsch gedeckt, eine Zusatzausbildung in pastoral-psychologischer Gesprächsführung zu machen, um vor allem den StudentInnen und MitarbeiterInnen an der Divine Word Universität Beratungsgespräche anbieten zu können. In meiner bisherigen Arbeit habe ich vor allem geistliche Begleitung angeboten, aber bin damit sehr oft an meine Grenzen gestoßen, da die Probleme der Ratsuchende die Grenzen der geistlichen Begleitung gesprengt haben. Statistiken schätzen, dass jede dritte Frau in PNG sexuelle Gewalt erlebt, und viele Eltern greifen auch heute noch zu Prügelstrafen oder geben ihre Kinder für einige Jahre zu Verwandten, die näher bei der Schule wohnen oder mehr Essen haben. Diese Erfahrungen hängen den jungen Erwachsenen traumatisch nach und veranlassen die Opfer häufig dazu, selber zu Tätern zu werden. Im Moment biete ich zusammen mit einem pastoralen Team an der Divine Word Universität eine Serie von Abendveranstaltungen zum Thema „Persönlichkeitsentwicklung“ an und wir füllen dabei die Kirche mit 150 – 200 interessierten StudentInnen. Dieser Zulauf spiegelt das Verlangen vieler wider, die aus der Spirale der Gewalt ausbrechen und ihr Leben verändern wollen.

Die Ordensgemeinschaft hat mir inzwischen die Erlaubnis gegeben, nach einem geeigneten Ausbildungszentrum / Universität Ausschau zu halten, die die Zusatzausbildung anbietet. So habe ich in den letzten Wochen Kontakte mit Indien, Australien, den Philippinen und USA aufgenommen und kämpfe jetzt mit Übersetzungen und Beglaubigungen…

Über meinem Schreibtisch hängen zwei Spruchkarten, die mich immer wieder ermutigen: Die eine ist ein Zitat von Luis de Montfort: "If you do not take risk, you will not do anything worthwhile for God" – "Wenn du kein Risiko wagst, kannst du nichts Brauchbares für Gott tun." Die zweite Spruchkarte lautet: "When you find a dream inside your heart don’t ever let it go. Because dreams are seeds from which beautiful tomorrows grow." – "Wenn du einen Traum in deinem Herzen findest, lasse ihn niemals gehen. Denn Träume sind die Samen für eine wunderschöne Zukunft."

Ich wünsche auch Euch / Ihnen allen, dass sie in der anbrechenden Fastenzeit ruhige Momente finden, um auf den Traum in Ihrem Herzen zu hören. Darüber hinaus wünsche ich Euch / Ihnen aber auch den Mut, Ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen, um damit am Reiche Gottes mitzubauen.

In herzlicher Verbundenheit
Eure / Ihre Sr. Monika SSpS