Trigger
03.05.2019

Was bedeutet Leben für mich?

Vom 4. bis 11. Mai setzen die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland ein Zeichen für den Schutz des menschlichen Lebens. Sr. Alicja Piszczek SSpS beschreibt ihre Sicht auf die „Woche für das Leben“

Leben! Ein Geschenk, eine Gabe, Auf- und Hingabe zugleich, sowie ein Geheimnis, all das und viel mehr bedeutet mir das Leben. Je älter ich werde, desto größer und faszinierender wird für mich das Geheimnis, dass das Leben ist. Ich fühle mich privilegiert, dem Leben dienen zu dürfen. Ob im Krankenhaus auf der Onkologie oder auf der Palliativen Station, ob im Flüchtlingsheim oder bei den Obdachlosen, selbst in meiner Gemeinschaft, und nicht zuletzt in meiner eigener Haut begegne ich dem Leben mit seinen Höhen und Tiefen...

Frühlingskraft, Sturmkampf, Winterstille, Erntefülle – Freude, Angst, Traurigkeit, Sehnsucht und Dankbarkeit, all das berührt mich gleichermaßen. Das Leben ist verletzlich und zerbrechlich wie ein Kristall. Das Leben selbst bringt mich zum Lachen, macht mich aber auch hilflos und sprachlos, berührt mich zum Weinen, lehrt mich Demut und Staunen...
...wenn ein Suchender sich in der Sucht verliert...?
...wenn ein Flüchtling im Meer ertrinkt...?
...wenn ein unheilbar Kranker den Hungersweg wählt...?
…wenn ein Sterbender vom Fenster springt....?

Als Christin weiß ich dankbar, dass jedes Leben in Gottes lieber Hand geborgen ist.

Mit Gisela Balters möchte ich

"Das Leben umarmen
wie einen Menschen,
den ich gern habe,
nicht an mich pressen,
nicht gierig umklammern.

Das Leben umarmen,
seine Nähe zulassen,
sein Atem spüren,
bewusst leben, lebendig sein.

Das Leben umarmen,
im gemeinsamen Tanz mitschwingen,
führen und geführt werden,
gestalten und zulassen.

Das Leben umarmen,
es bejahen, so wie es mir begegnet,
jeden Tag, jede Stunde
in guten und in schweren Zeiten.

Und wenn mir einmal die Kraft fehlt zur Umarmung,
wenn ich müde und voll Sorgen bin?

Dann einfach loslassen und darauf warten,
dass das Leben selbst
mir liebevoll entgegen kommt
und mich umarmt, stärkt und leitet
in den Menschen,
die es mir über den Weg schickt".

Die Woche für das Leben 2019 widmet sich unter dem Titel „Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern.“ dem Anliegen der Suizidprävention und möchte die vielfältigen Beratungsangebote beider Kirchen für suizidgefährdete Menschen (darunter besonders die Telefonseelsorge) in der Öffentlichkeit stärker bekannt machen. Da Suizid mit 10 000 Fällen pro Jahr in unserem Land häufig vorkommt, will sie den Hintergründen von Depression und Todeswünschen nachgehen und Wege für eine bessere Prävention und Versorgung suizidgefährdeter Menschen öffnen. Sie zeigt auf, welche Hilfen und Perspektiven der christliche Glaube anbietet und wie wichtig Solidarität des Umfeldes mit dem Mitmenschen, der selbst keinen Ausweg mehr sieht, sein kann. Um das Ziel der Enttabuisierung und Sensibilisierung zu erreichen, ist die Beteiligung möglichst vieler gesellschaftlicher und kirchlicher Institutionen notwendig.

Weitere Informationen: https://www.woche-fuer-das-leben.de/