Trigger
19.01.2017

Sr. Anna (Mitte) bei einer Weihnachtsfeier der Krankenschwestern.

Wenn eine eine Reise tut... (Rundbrief von Sr. Anna Damas)

Aus technischen Gründen erreichte uns der Weihnachtsbrief von Sr. Anna Damas, Missionarin in Papua Neuguinea, erst jetzt. Doch ihre Erzählungen über ihre Reisen in die Deutsche Heimat, nach Indien, Rom und quer durch Papua Neuguinea sind immer noch lesenswert. Nicht nur für die, die sie kennen...

Nach laaaaanger Zeit melde ich mich wieder einmal bei Euch. In meiner Arbeit in der Ordensleitung muss ich soviel schreiben (Berichte, Emails, Briefe), dass ich mich zu privater Korrespondenz kaum aufraffen kann.

In diesem Jahr (2016) war ich Weltenbummler. Zu meinen Reisen in Papua Neuguinea kamen eine Reihe Auslandsreisen. Erst war ich auf Urlaub in Steyl und Deutschland, mit einem Abstecher nach Südtirol, meinem Lieblingsort auf Erden. Es war gut, Zeit mit Familie, Mitschwestern und Freunden zu verbringen – auch wenn meine Zeit und Energie wieder einmal nicht ausreichte, alle zu besuchen, die ich gern besucht hätte. Das tut mir leid.

Im Oktober hatten wir eine internationale Versammlung unserer Ordensgemeinschaft in Bangalore, Indien. Das war mein erster Aufenthalt in Indien. Und wie immer, wenn man einen Ort besucht, über den man schon viel gehört, vielleicht auch viele Bilder gesehen hat, ist es doch wieder ganz anders, wenn man wirklich dort ist. Christen sind in Indien eine Minderheit, heißt es. Stimmt statistisch gesehen. In Wirklichkeit aber sind sie eine einflussreiche gesellschaftliche Kraft. Die katholische Kirche hat eine Unzahl sozialer und kultureller und Bildungs-Einrichtungen, was sie unübersehbar macht. Besonders beeindruckt hat mich, wie professionell die katholische Sozialarbeit ist.
An unserer Versammlung in Bangalore nahmen die Leiterinnen aller Provinzen und Regionen der Steyler Missionsschwestern teil – also rund 60 Frauen aus über 40 Ländern. Das ist spannend. Wir tauschten uns über Fragen der Führung und Leitung aus; darüber, wie man Ordensleben heute zeitgemäß leben kann; über Zusammenleben in kulturell gemischten Gemeinschaften; und was sich gerade in unseren Ländern politisch und gesellschaftlich tut.

Zehn Minuten Fussweg von unserem Tagungshaus entfernt gab es einen Hindu Tempel - gut besucht, weil an einer Hauptverkehrsstraße und gegenüber eines großen Einkaufszentrums gelegen. Ein großes, buntes Tor mit unzähligen Reihen von Symbolen und Götterfiguren führt in einen von Mauern eingefassten Tempelhof. Dort gibt es etliche kleine Tempelhäuschen, nicht größer als ein Zimmer. Priester nehmen Weihegaben der Besucher entgegen: Lichter, Speisen, Stoffe. Wenn die Priester manchmal den Vorhang aufzogen, schien mir im Tempel ein kleiner Thron zu stehen, vielleicht der Sitz der Gottheit. Daneben gibt es Nischen mit einzelnen Götterfiguren, eine Art Stein, um den die Gläubigen mehrmals herumgehen, und Ständer, auf denen man Lichter, d.h. Öllämpchen opfern kann. Und die waren es: diese Ständer aus Edelstahl, die ich wiedererkannte als die gleichen, die auch in Kevelaer an der Kerzenbasilika stehen. Und auf einmal erschien mir der Hindu Tempel gar nicht mehr so fremdartig. Auch in Kevelaer und anderen Wallfahrtsorten gehen Menschen von Kapelle zu Kapelle, beten in verschiedenen Anliegen, opfern Kerzen, drehen ihre Runden auf der Suche nach der Begegnung mit Gott, nach einem Ohr, das ihre Anliegen hört und sich zu Herzen nimmt.

Von Indien aus reiste ich weiter nach Rom zu einem Koordinatoren-Treffen der Katholischen Bibelföderation. Auch hier war die Zusammensetzung der etwa 20 TeilnehmerInnen ganz
international. Darunter waren auch ein Schwester und ein Priester aus dem Libanon. Sie erzählten uns ersterhand von der Flüchtlingssituation in Libanon, Syrien und Irak. Schrecklich. Die Menschen hoffen, ihre Existenz wieder aufbauen zu können – aber wie soll das gehen, wenn alles in Schutt und Asche liegt?

Nun bin ich über Weihnachten im Hochland Papua Neuguineas und verbringe die Feiertage bei unseren Schwestern in Mount Hagen. Sie haben ein Mädchen, Lien, zu Ferien da. Vor zwei Jahren bin ich ihr schon einmal hier begegnet, als die Schwestern sie für einige Wochen aufnahmen und versteckten, weil sie der Hexerei angeklagt und verfolgt wurde. Damals war ihr Körper voller Schlag- und Brandwunden. Nun ist sie eine kleine Dame, froh und zuversichtlich. Lien lebt in einem von Schwestern geführten Kinderheim in Vanimo (an der Küste), geht zur Schule und tut alles, was Mädchen ihres Alters gerne tun. Damals war sie eine Art Haushaltssklave in einer Lehrerfamilie. Schön zu sehen, wie sich ihr Leben zum Guten gewendet hat.

In der ersten Januarwoche bin ich Bistum Kiunga. Das liegt an der Grenze zu Indonesien und besteht fast vollständig aus Flüßen und Sümpfen. Dort gebe ich Exerzitien für die Ordensleute des Bistums. Danach fliege ich zu unseren Schwestern in Port Moresby, der Hauptstadt, und von dort zurück nach Alexishafen/Madang. Am 15. Januar, dem Festtag von Arnold Janssen, feiern wir die Erstprofess von Schwester Stephanie, die vom Sepik kommt.

Zum Neuen Jahr wünsche ich uns allen, was schon die Engel in Betlehem gesungen haben: Friede auf Erden! Politischer Friede, sozialer Friede, Familienfriede und – am allerwichtigsten – Herzensfriede.
Eure Anna SSpS