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17.11.2020

Sr. Fides lebte bis zu ihrem Tod im Heilig-Geist-Kloster in Wimbern

"Wenn ich hier heil rauskomme, gehe ich ins Kloster"

Im gesegneten Alter von 96 Jahren und bis zuletzt geistig hellwach, verstarb am 12. November Sr. Fides Behrendt im Heilig-Geist-Kloster in Wimbern. Über ihren dramatischen Weg in den Orden hat Sr. Fides ein Buch geschrieben. Ein Lebenszeugnis.

Sr. Fides wurde 1924 als Irmgard Behrendt in Ostpreußen geboren. Schon als Kind wurde ihr außergewöhnliches Tanztalent entdeckt und sie besuchte die Balettschule am renommierten Landestheater in Allenstein. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, musste sie als Tänzerin für die „geistige Betreuung“ der Truppen im rückwärtigen Frontgebiet dienen. In Langenwies wurde sie außerdem als Schulhelferin eingesetzt und erlebte dort den Einmarsch der Roten Armee. Sie muss fliehen. Hier beginnt das Buch.

Eindrücklich schildert die Autorin ihre Flucht. In klaren Worten, ohne zu dramatisieren oder zu beschönigen, beschreibt sie ihre Erlebnisse auf dem Weg. Zunächst begleitet der Leser Irmgard Behrendt zu ihrem Elternhaus. Die junge Frau hofft, dass Vater und Mutter noch leben. Irmgard Behrendt spürt schon in diesen Zeiten den besonderen Schutz Gottes, wie sie später erzählen wird. Und auch die Menschen um sie herum, fühlen sich in ihrer Nähe sicher. „Von ihnen geht eine wohltuende Ruhe aus. Man spürt Gottes Schutz“, (S.23) sagt eine Nachbarin zu ihr. In den Bunkern betet sie mit den Frauen und Kindern den Rosenkranz, um die Schreie und Gewehrsalven zu übertönen. 

In jedem Dorf begegnet sie Menschen, die es gut mit ihr meinen. Die sie aufnehmen, durchfüttern, überlebenswichtige Hinweise zur Weiterreise geben. Als sie endlich körperlich unversehrt in ihrem Elternhaus ankommt, ist es verlassen. Keine Spur von ihren Eltern. Sie versteckt sich bei einer befreundeten Familie und hier fasst sie einen Entschluss: „Ich glaube, wenn ich hier heil rauskomme, gehe ich in ein Kloster.“ (S. 133).

Westen ist ihr Ziel. Deutschland liegt in Trümmern, das sieht sie auf der Fahrt mit dem Zug gen Westen. Ihre Kräfte schwinden, Kopfschmerzen und Übelkeit überkommen sie. Aber sie schafft es und kommt bei einer Cousine des Vaters in Essen unter. Typhus wird diagnostiziert. Sie erholt sich in einem Krankenhaus und erinnert sich an das Versprechen, das sie sich selbst gegeben hat. In Düsseldorf-Haan klopft sie an die Klosterpforte der Steyler Missionsschwestern und konnte sich als Aushilfe beweisen.

Doch immer wieder hat sie mit schweren Krankheiten zu kämpfen: Malaria, Lungenentzündung, Tuberkulose. Die Provinz- und auch die Generaloberin der Steyler Schwestern wollen die junge Frau nicht aufnehmen. „Aber die Regionaloberin in Oberdischingen, wo ich seit 1947 war, setzte sich für mich ein und so durfte ich um Juni 1952 meine Ordensgelübde ablegen“, erzählt Sr. Fides. Noch im gleichen Jahr erhielt Sr. Fides die Bestimmung für Brasilien.

Verlassene und gefährdete Kinder in und um São Paulo wurden für die Steyler Missionsschwester zur großen Aufgabe ihres Lebens. Angesichts großer Armut und Not setzte sie sich ein für den Bau von Heimen, vermittelte Patenschaften und Adoptionen, kümmerte sich um Wohnungsbau für Familien, die den brutalen und drogenverseuchten Favelas (Slums) entkommen wollten. Mit Tatkraft und Organisationstalent gewann sie Spender für zahlreiche Projekte in und um São Paulo. Erziehung und Berufsbildung sollten Aufstieg aus Armut und Not ermöglichen. Sie äußerte einmal: „Ich habe nie das Elend gesucht, doch wenn der Herrgott mich auf eine Not stieß, dann tat ich mein Mögliches“. In Anerkennung für ihr Lebenswerk verlieh Deutschland ihr im Jahr 2010 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

In ihrem Nachruf heißt es: "Schwester Fides bat im hohen Alter um Rückversetzung nach Deutschland und kam 2013 in die Kommunität im Heilig-Geist-Kloster in Wimbern. Hier setzte sie still und bescheiden und vor allem betend ihre Mission auf eine andere Weise fort. Solange wie möglich, ging sie täglich mit ihrem Rollstuhl still zur Kirche, später ließ sie sich gern tagsüber hinbringen und saß vor der ersten Bankreihe nahe am Altar. Kurz vor Beginn der heiligen Messe war Schwester Fides an ihrem Platz, unverwandt schauend folgte sie dem heiligen Geschehen. Fast schien es, als lebe sie nur noch von der heiligen Kommunion. Schwester Fides war bis zuletzt geistig ganz klar und hellwach. Für sich selbst war sie äußerst anspruchslos und zufrieden und klagte nie."

Sr. Fides Behrendt starb am 12. November 2020 im Alter von 96 Jahren.

Steffi Mager/Steyler Missionsschwestern in Wimbern

Hier können Sie sich den ganzen Nachruf herunterladen.

Angaben zum Buch:
Irmgard Fides Behrendt „Zerrissen ist das Netz… und wir sind frei" – Tänzerin in Ostpreußen – Ordensfrau in Brasilien. Media Maria Verlag, 3. erweiterte Auflage: Illertissen 2015,
ISBN 978-3-9816344-8-8