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01.12.2018

Blick aus dem Fenster vom Versammlungsraum im Olympia-Dorf.

Wintersorgen (Rundbrief von Sr. Lioba Brand aus Rumänien)

Bei inzwischen -6 Grad und 30 cm hohem Schnee hat Sr. Lioba ganz besondere Sorgen: Wie kommen die Kinder des Olympia-Dorfes zur Schule? Aber auch die Eltern hat sie im Blick - und wie immer natürlich die Schöpfung und das Recycling.

Seit mehr als einer Woche haben wir hier schon den tiefsten Winter. Es liegen 30 cm Schnee und es hat -6°C. Die Maria-Helena-Salbe aus 12 Kräutern konnte ich gerade noch machen. Eigentlich wollte ich noch einmal eine größere Portion machen, damit es bis zum Frühjahr reicht, weil die Nachfrage nach der Salbe ständig steigt, doch der erste Schnee ist nicht geschmolzen, nur ein wenig, und jetzt sind für die nächste Zeit sehr kalte Temperaturen angesagt, und morgen soll es auch wieder schneien.

Im Reha-Zentrum für alkoholabhängige Menschen ist zurzeit Hochbetrieb. Wir haben eine Novene gebetet zum Hl. Judas Tadeus, um Klarheit zu bekommen wegen der staatlichen Anerkennung. Jetzt hat uns der Heilige gesagt: Kümmert euch zuerst um die Menschen, und lasst die Registrierung erst einmal noch mehr reifen. Es gibt dann nämlich Vorschriften über Vorschriften, ohne einen Pfennig Geld zu bekommen.

Seit zwei Wochen gehe ich noch zu einem anderen Tages-Zentrum der Ordensgemeinschaft Josefinen des Leonard Murialdo. Dort mache ich auch einmal pro Woche eine Bastelstunde oder sonstige kreative Sachen. Jetzt ist natürlich Advents- und Weihnachtsdekoration angesagt. Dort kommen bis zu 30 Kinder von der 1. – 12. Klasse, um ihre Hausaufgaben und andere Aktivitäten zu machen. Die Ordensgemeinschaft hat in Roman auch ihre Theologiestudenten. Die gehen zu den Franziskanern in das Seminar.

Das, was mich momentan am meisten beschäftigt, ist der regelmäßige Schulbesuch der Kinder vom Olympia-Dorf. Seit einem Jahr haben wir dort einen Raum, um Versammlungen zu halten. Der Raum ist bewusst einfach gehalten. Wir haben keinen Strom. In der kleinen Vorhalle machen wir Licht mit Kerzen. Da benutze ich am liebsten Duftkerzen. Geheizt wird mit Holz. Da haben wir einen Holz-Herd.

Jeden Mittwoch-Vormittag haben wir Versammlung mit den Eltern, die Kinder zur Schule oder in den Kindergarten schicken. Da kommt der Psychotherapeut Emilian, die Sozialarbeiterin Gabriela (sie arbeitet schon seit 12 Jahren bei der FUP Stiftung humanitärer Friede) und ich, um mit den Eltern über Probleme in Bezug auf Schule und alles, was die Leute sonst noch bewegt, zu sprechen. Inzwischen sind es jede Woche fast 20 Personen, die kommen.

Wir geben nach jeder Versammlung eine kleine Anerkennung in Form von Naturalien. Einmal im Monat geben wir Waschmittel. Pro Person ca 500 g. Das Waschmittel kaufe ich in 20 kg Säcken, und wir geben es lose. Die Leute müssen ein Gefäß mitbringen. Das machen wir, um auf den Plastikmüll aufmerksam zu machen. Auch für die anderen Sachen geben wir keine Plastiktüten mehr wie das hier in Rumänien üblich ist. Ich habe für alle schon vor einiger Zeit eine Tasche genäht, aber die vergessen sie meist. Trotzdem haben sie verstanden, dass es keine Plastiktüten gibt bei der Versammlung.

Bei der letzten Versammlung wollten wir über die Wichtigkeit des regelmäßigen Schulbesuches sprechen. Dabei haben wir erfahren, dass es ein großes Problem gibt mit dem Schüler-Transport. Die Stadt Roman, die das Olympia-Dorf einer Schule zugeordnet hat, die 3 km entfernt liegt, stellt einen Schulbus morgens um 7:30 und mittags um 12:00 Uhr zurück. Das passt für die Vorschule bis zur 4. Klasse. Die Klassen 5-8 haben aber bis 14:00 Uhr Schule, und das Olympia-dorf ist mit keinem öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen. Auch die Taxis weigern sich dort hin zu fahren, weil die Straße so schlecht ist.

Direkt neben dem Olympia-Dorf ist die Zuckerfabrik, wo jetzt im Spätherbst die ganzen Zuckerrüben angeliefert werden. Im Frühjahr, als der Boden weich war, wurden die Rübenschnitzel aus den Mieten geholt und dabei die Straße total kaputt gemacht, weil sie wahrscheinlich nie so befestigt wurde wie das für eine Industrie-Straße nötig wäre. Erst Ende Oktober wurde notdürftig die 30 cm tiefen Löcher ausgebessert, aber jetzt ist sie durch die vielen Container-Trucks schon wieder kaputt.

Ein weiteres Problem kam jetzt auch zum Vorschein. Die Kinder vom Olympia-Dorf haben von einer norwegischen christlichen Organisation Hausaufgabenhilfe zugesagt. Das hat der orthodoxe Pfarrer Popovici übernommen im Zentrum Hoffnung und Liebe. Die Schule Nr. 2, in die die Kinder gehen, ist aber ca. 10 Minuten Fußweg durch die Stadt entfernt. Die Eltern haben Angst, die kleinen Kinder alleine diesen Weg gehen zu lassen; die älteren Kinder, die auch zum Zentrum kommen, haben bis 14:00 Schule. Die Eltern arbeiten beide bei der Stadtreinigung und können sie nicht begleiten. Ich hoffe sehr, dass wir da noch eine Lösung finden.

Am 30. November feiert Rumänien den Hl. Andreas, den Apostel Rumäniens. In Bukarest wurde die große neue Kathedrale pompös eingeweiht. Am 01. Dezember feiern wir 100 Jahre der Gründung des Staates Rumänien. Rumänien trat in den 1. Weltkrieg ein, damit es sich von der Herrschaft Österreichs und Ungarns befreien konnte. Am 1. Dezember 1918 haben die 3 Zonen Moldawien, Rumänien und Transsilvanien die Vereinigung unterschrieben in Alba Julia. Die Straßen sind herrlich geschmückt, schon für Advent und Weihnachten, und in vielen Städten finden Paraden statt.

So wünsche ich Euch allen eine besinnliche Vorbereitungszeit auf die Ankunft unseres Erlösers Jesus Christus.

Liebe Grüße an Euch alle, Gesundheit und Gottes reichen Segen.
Im Gebet verbunden Grüße ich von Herzen
Sr. Lioba Brand