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Herbsternte (Rundbrief von Sr. Lioba aus Rumänien)

Herbstzeit - Erntezeit. Für Sr. Lioba eine besondere Zeit, in der sie ihre Fähigkeiten in Garten und Küche besonders einsetzen kann. Dabei lernt sie selbst auch viel Neues über die türkisch-geprägte Küche in Rumänien.

Nun geht der goldene Oktober auch wieder zu Ende. Wir hatten den ganzen Monat wunderschönen Sonnenschein. Aber es ist sehr trocken. Seit Anfang September hat es nicht mehr geregnet. Hier in Rumänien ist der Herbst eine der wichtigsten Jahreszeiten. Besonders hier im Nordosten des Landes. Diese Region wird auch Moldau (Moldova) genannt, nach dem Flüsschen Moldau (Moldova). Das ist nicht zu verwechseln mit dem Fluss Moldau, der in der Tschechei fließt. Bei uns gibt es auch ein Flüsschen, das in etwa so groß wie die Tauber ist und Moldova genannt wird. Er entspringt in den Karpaten und mündet hier in Roman in den Siret (Sereth). Der Fluss Siret ist ein linker Nebenfluss der Donau. Es gibt aber auch ein Fürstentum Moldau, das der eigentliche Namensgeber ist.

Unsere Region liegt schon im Regenschatten der Ost-Karpaten und ist sehr geprägt vom Weinbau. In fast jedem Hof gibt es eine Weinlaube und viele Familien haben außerdem noch einen kleinen Weingarten. Die Leute, die mehr Weintrauben anbauen, tauschen sie teilweise mit den Menschen aus dem Norden für Kartoffeln und Zwiebeln ein. Heutzutage ist das aber seltener geworden und es wird mehr mit Geld gehandelt als Agrarprodukte zu tauschen.

Auf dem Markt ist jetzt alles voll mit Gemüse. Die Tomaten, und die verschiedenen Paprikasorten, Auberginen, Rüben, Gelbe Rüben, rote Rüben, dann reifes Basilikum, Dill, Liebstöckel, Bohnenkraut, Pastinaken, Petersilie, Zwiebeln und Knoblauch. Dann riesige Berge von Weißkraut, das die Leute kaufen, um Sauerkraut einzumachen. Alle Früchte sind kunstvoll aufgeschichtet und machen Lust zu kaufen.

Hier in der Region sind auch die sauer eingemachten Gemüse sehr beliebt. Gurken, grüne Tomaten, Wassermelonen, Paprika und natürlich Kraut wird mit einer Salzlösung eingelegt und vergärt. Außerdem ist es die Zeit, in der das Zacusca eingemacht wird. Das ist ein Gemüseaufstrich, der sehr gut mit Brot schmeckt. Es gibt verschiedene Arten davon, aber fast immer sind Zwiebeln, Knoblauch und Petersilie klein geschnitten dabei. Beim Gemüse Zacusca sind noch Auberginen, Möhren und rote Paprika dabei. Die Paprikasorten haben hier jede einen eigenen Namen.

Für das Sauerkraut wird vom ganzen Krautkopf nur der Strunk herausgeschnitten und dann der ganze Kopf in ein Fass geschichtet und mit Salzwasser übergossen. Die Salzlauge wird auch erneuert und es wird mit einem Schlauch Luft nach unten geblasen, sodass sich das alles besser vermischt. Außerdem hat jede Familie noch so ein paar spezielle Geschmackszutaten, wie z.B. Quitten-Zweige oder Mehrrettich.

Aus dem Sauerkraut werden dann die überaus beliebten Krautwickelchen gemacht. Die sind nur so groß wie ein dicker Finger und werden bei Festtagen mit Creme Fraiche gegessen.

Gerichte haben große Ähnlichkeit mit manchen türkischen und griechischen Gerichten, oder auch von Italien ist ein großer Einfluss.

Was bei den Kindern und bei den Leuten hier in der Region Moldau mit großem Appetit gegessen wird, ist die saure Suppe Bors, oder auch Ciorba. Das ist eine Suppe mit viel Gemüse und Küchenkräutern wie Petersilie, Liebstöckel, Dill, Sellerie, Möhren, Tomatenmark, Pastinaken und Winterheckzwiebeln. Dazu kommt zum Schluss noch der Bors, das kann man kaufen oder auch selber machen. Es ist eine Flüssigkeit, hergestellt durh Milchsäuregärung von Gerstenschrot mit Gartenkräutern.

Die Ciorba kann natürlich bei Festtagen mit Hühnerfleisch gekocht werden, oder auch mit Rinderknochen. Ganz traditionell ist die Suppe gemacht aus dem Panzen Ciorba de Burta. Auf Schwäbisch würde das Saure Kuttelsuppe heißen. Die wird dann mit einer Sahne-Eigelblegierung verfeinert.

Außer dem ganzen eingemachten Gemüse ist der Herbst auch noch die Zeit, in der Wein gemacht wird. Da hat auch jede Familie ihre Rezepte. Bei den einen ist das Ergebnis schmackhafter als bei den anderen.

So ist der Herbst eine Zeit wo die Leute sehr beschäftigt sind. Dazu gibt es auch noch die Erntedankfeste und Herbstmärkte. Solche Oktoberfeste im Kleinen.

Ich habe mich auf eine Herbstsalbe konzentriert, weil das ja auch die beste Zeit ist um die Wurzeln von Beinwell und Klette auszugraben. Mit den verschiedenen Gruppen habe ich eine 12-Kräuter-Salbe gemacht. Die bekommt den Namen Maria Helena. Mit den Kindern vom Zentrum Hoffnung und Liebe haben wir sie auch gemacht, dort heißt sie nach der orthodoxen Tagesheiligen (29.10.) Anastasia. Das hat so gut gepasst, weil das auch eine Heilige war, die sich um die Kranken in den Gefängnissen während der Deocelanischen Christenverfolgung gekümmert hat. Sie wird auf den Ikonen zum Teil mit einem Öl-Krug dargestellt, weil sie die Wunden mit Öl behandelt hat.

Euch allen wünsche ich eine gute Zeit der Umstellung auf den Winter.
Liebe Grüße an Euch alle, Gesundheit und Gottes reichen Segen.
Im Gebet verbunden Grüße ich von Herzen,
Eure Sr. Lioba Brand