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Larissa C. - Indien: Mitleben, Mitbeten, Mitarbeiten.

Zunächst einige Eckdaten zu meinem MaZ-Einsatz in Indien:
Ich wohne derzeit in Mumbai im Stadtteil Andheri East, der nördlich vom Flughafen und kurz außerhalb des eigentlichen Zentrums von Mumbai liegt. Der Stadtteil ist eine von vielen verschiedenen sozialen Schichten geprägte Wohngegend. Untergebracht bin ich auf dem Campus des Holy Spirit Hospitals, dass von Steyler Missionsschwestern aufgebaut wurde und geleitet wird. Das Krankenhaus liegt an der stark befahrenen Einkaufsstraße "Mahakali Caves Road".
Isabella, meine Mitfreiwillige, und ich schlafen im Student Hostel der Krankenschwestern, das aber fast direkt neben dem Wohnhaus der Steyler Schwestern liegt. Wir haben zusammen ein kleines Zimmer mit Bad im Erdgeschoss. Auf unserer Etage wohnen Krankenschwestern, die noch in der Ausbildung im nebenan liegenden Nursing College sind.
Mumbai ist übrigens nicht meine Haupteinsatzstelle in Indien. Ich werde im November nach Bangalore (indische Millionenstadt in Südindien) zum Provinzhaus der Schwestern ziehen.

Mitarbeiten:
Unsere jetzige Arbeitsstelle ist das Community Health Centre des Krankenhauses, das armen Patienten eine medizinische Grundversorgung für sehr wenig Geld bietet. Wir arbeiten von Montag bis Samstag im Community Health Centre, immer von ungefähr 8.30 Uhr bis 16 Uhr. Wenn wir morgens ankommen, begrüßt uns das schon arbeitende Team. Das Team besteht aus neun Personen (vier Krankenschwestern, zwei Sozialarbeitern, zwei Ärztinnen und der Leiterin Schwester J. M.). Am frühen Morgen kommen Tuberkulose-Patienten für Medikamente und Nahrungsmittel. In dieser Zeit versuchen wir mit der Lehrerin des Hortes, für die Kinder der Angestellten des Krankenhauses, etwas Hindi (eine Amtssprache Indiens) zu lernen. Wir können uns zwar sehr gut mit dem Team und den Schwestern auf Englisch verständigen, jedoch sprechen viele Patienten nur Hindi oder Marathi, die lokale Sprache des Bundesstaates Maharashtra, in dem Mumbai liegt. Bevor wir nach unserem Hindiunterricht mit dem Jeep oder einer "Autoriksha" zu kleinen Kliniken in den Slums fahren, wird noch eine Tasse Chai getrunken (schwarzer Tee mit Milch und Gewürzen). In den kleinen Kliniken gibt es einen Tisch zur Registrierung der Patienten, einen weiteren Tisch mit Blutdruckmessgerät für den Arzt, eine Patientenliege für Impfungen, eine Waage und einen Medikamentenschrank. Der Arzt verschreibt Medikamente für eine Woche für 25 indische Rupien, also für unter 50 Cent. Außerdem wird Milch umsonst ausgegeben. Unsere Aufgabe besteht zurzeit darin, bei der Registrierung oder der Sortierung von Medikamenten zu helfen. Ab und zu messen wir auch Blutdruck, wiegen ein Baby oder halten ein Kleinkind beim Impfen. Wenn wenig Patienten kommen, nehmen unsere Kolleginnen uns häufig mit in Slumhäuser, um Freunde von ihnen zum Tee zu besuchen und um uns das Leben dort zu zeigen. Nachmittags helfen wir im Büro des Community Health Centres bei der Auswertung von Patientendaten, wie dem Ausrechnen des BMI (body mass index), um zu schauen wie viele Kinder unter-/überernährt sind. Wir haben außerdem eine Powerpoint-Präsentation über die vielen Projekte des Community Health Centres erstellt und sind gerade dabei einen Flyer zu gestalten.

Mitleben:
Wir stehen jeden Tag zwischen 7 und 7.30 Uhr auf und gehen dann um 8 Uhr in die Krankenhauskantine für Angestellte zum Frühstück. Nach der Arbeit in den Kliniken außerhalb des Krankenhauses essen wir ebenfalls in dieser Kantine das Mittagessen. Zu jeder Mahlzeit gibt es in irgendeiner Form Reis und meistens besteht auch das Frühstück aus warmem Essen. Nach der Arbeit ruhen wir uns in unserem Zimmer aus, lesen, schreiben, waschen Wäsche (in einem Eimer per Hand) oder besuchen die Schwestern zum Tee. Manchmal gehen wir eine Kleinigkeit einkaufen. Isabella und ich dürfen uns in der näheren Umgebung des Krankenhaus-Geländes alleine zu zweit bewegen, aber weit trauen wir uns noch nicht. Bald möchten wir nach der Arbeit an indischem Tanzunterricht und einer Meditationsgruppe teilnehmen, denn auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt der Campus der Steyler Missionare, die das anbieten. Abends gehen wir zum Essen zum Haus der Schwestern. Diesen Monat essen wir bei den ca. 15 Schwestern, die im Erdgeschoss wohnen. Nächsten Monat essen wir bei der ungefähr gleichgroßen Kommunität von Schwestern des Obergeschosses. Vor dem Abendessen gibt es an einigen Tagen ein längeres Abendgebet in der Kapelle der Schwestern. Die Schwestern sind vom Alter bunt gemischt. Unten wohnen zum einen die älteren Schwestern, zum anderen die ganz jungen Schwestern, die noch studieren. Zum Abendessen gibt es neben Reis, Daal (Linsen), Gemüse, Chappatti (Faldenbrot), ab und zu auch Fleisch oder Fisch, und zum Nachtisch Obst oder etwas Süßes. Mit der Schärfe und Verträglichkeit des Essens kommen wir zurzeit sehr gut klar. Nach dem Abendessen quatschen wir noch mit den Schwestern oder den Studentinnen des Nursing Colleges.

Mitbeten:
Wie oben geschrieben gibt es vor dem Abendessen mehrmals die Woche ein Abendgebet, das mit der Anbetung in Stille, einer Lesung und verschiedenen Gesängen und Gebeten gestaltet wird. Sonntags gehen wir zum Gottesdienst in die Gemeinde "Sacred Heart Church" auf dem Campus der Steyler Missionare. Die Gemeinde ist sehr groß, sodass es am Sonntag auf morgens und abends verteilt insgesamt sieben Messen in verschiedenen Sprachen gibt. Letzten Sonntag waren wir mit einer Arbeitskollegin und Sr. J. M. in dem Stadtteil Bandra beim Pilgerort "Mount Mary", eine große Marienkirche. Dort war gerade ein Fest zur Ehre Marias, wodurch es sehr voll war. Außerdem ist zurzeit das Hindufest Ganesh Chaturthi (für den Elephantengott Ganesh), sodass ich auch bei Hindufamilien war, um "Ganesh zu sehen, bevor er zum Wasser zurückkehrt". Heute werden nämlich die großen Ganeshstatuen im Meer oder sonst wo in Wasser aufgelöst.
Larissa C. -