100 Jahre Weltmissionssonntag – Mission hat sich verändert

Seit 100 Jahren erinnert der Weltmissionssonntag daran: Christlicher Glaube ist nicht nur Privatsache. Er lebt von Begegnung, Solidarität und dem Einsatz für Menschen weltweit. Ein Blick auf die Geschichte zeigt dabei, wie sehr sich das Verständnis von Mission gewandelt hat.

1926 wurde der Weltmissionssonntag als gemeinsame Solidaritätsaktion der Katholikinnen und Katholiken eingeführt. Damals stand vor allem die Unterstützung von Missionaren und Missionarinnen im Mittelpunkt. Sie wurden als diejenigen verstanden, die den christlichen Glauben in andere Teile der Welt bringen. 

In den folgenden Jahrzehnten veränderte sich dieses Bild Schritt für Schritt. Einen wichtigen Einschnitt brachte das Zweite Vatikanische Konzil. Die Kirche begann, stärker die Eigenständigkeit der Ortskirchen und die Bedeutung anderer Religionen wahrzunehmen. Mission wurde zunehmend als gemeinsamer Weg verstanden. Nicht mehr nur die Frage stand im Mittelpunkt, wie Menschen zum christlichen Glauben finden, sondern auch, wie Kirche vor Ort mit den Menschen lebt und sich für deren konkrete Lebenssituation einsetzt.

Diese Entwicklung lässt sich an den Themen des Weltmissionssonntags ablesen. In den 1970er Jahren rückten Armut und die Lebensbedingungen der Menschen stärker in den Blick. Aus der Vorstellung, die Kirche in Deutschland müsse vor allem geben, wurde zunehmend die Idee einer Partnerschaft: Kirchen weltweit geben und empfangen voneinander. „Tischgemeinschaft“ und später „Fremde werden Freunde“ wurden zu Bildern für dieses neue Verständnis.

Mission wurde damit weiter, sie ist Verkündigung in Wort und Tat. Im Einsatz für die, die Unterstützung und eine Stimme brauchen: für Arme und Benachteiligte, für Frieden und Gerechtigkeit, für Bildung und Gesundheit, für Menschen auf der Flucht und für den Schutz der Schöpfung. Der Weltmissionssonntag, der weltweit gefeiert wird, nimmt zunehmend die konkreten Herausforderungen der Menschen und die Arbeit der Ortskirchen in den Blick. Und dieser Blick beginnt schon hier bei uns, denn es gab auch einen geografischen Wandel: Europa ist ebenfalls Missionsland. 

Auch unser Verständnis als Steyler Missionsschwestern steht in dieser Entwicklung. Mission ist für uns keine Einbahnstraße. Wir verstehen uns als weltweit gesandte Ordensgemeinschaft, die Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen begegnet, zuhört, von ihnen lernt und gemeinsam mit ihnen nach Wegen für ein gutes Leben sucht. Respekt, Dialog und die Achtung der Würde jedes Menschen gehören deshalb wesentlich zu unserer missionarischen Haltung. 

Mission bedeutet für uns: Gottes Liebe soll im konkreten Leben erfahrbar werden – in Worten, aber ebenso in unserem Handeln und in der Art, wie wir Menschen begegnen. Deshalb gehören soziale Arbeit, Bildung, Gesundheit, Seelsorge, der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Schöpfung ebenso dazu wie das Zeugnis für unseren Glauben. 

100 Jahre Weltmissionssonntag sind deshalb mehr als ein Blick zurück. Sie laden dazu ein, neu zu fragen: Was bedeutet Mission heute? Dazu möchten unsere Fotos hier unter diesem Text und im Slider auf der Startseite einladen und erste Antwortmöglichkeiten geben. 

Steffi Mager
 

Sr. Michaela Leifgen hat zum Thema “Mission” einen Text geschrieben. Lesen Sie hier “Ich bin eine Mission” (öffnet in neuem Tab)