Botanisches Wunder - Staunen, Ehrfurcht und Dankbarkeit

Wer in den vergangenen Wochen zu Besuch in Steyl war, wurde an der Lieferantenpforte mit „strahlenden Gesichtern“ begrüßt. Sr. Antonia Schmid lenkt den Blick auf eine ganz besondere Sonnenblume.

Die Blüten in voller Pracht - der Sonne entgegen

Im Rahmen der kirchlichen Schöpfungszeit, die bis zum 4. Oktober 2025 unter dem Leitgedanken der Enzyklika Laudato si’ „Die Sorge um das gemeinsame Haus – unseren Planeten Erde“ von Papst Franziskus (2013-2025) steht, richtet sich mein Blick intensiver auf das Wunder der Schöpfung und wie wir Schwestern dieses Wunder vor Ort im Garten des Mutterhauses hegen, pflegen, schützen und schätzen. Ja, und manchmal genügt eine einzige Pflanze, um uns über die Fülle des Lebens staunen zu lassen.

Sicherlich hatte Sr. Stefanie Hall nicht erwartet, dass aus dem Sonnenblumenkern, den sie im Frühsommer in das Blumenbeet nahe unserer Lieferantenpforte steckte, solch ein botanisches Wunder, solch ein „Gleichnis der Schöpfung“ hervorgeht!

Diese eine, einzigartige Sonnenblume, 2,40 Meter hoch gewachsen aus nur einem Samen (siehe letztes Foto in der Galerie unten), hat rund 60 längere oder kürzere Stängel mit Knospen und Blüten hervorgebracht – sie ist echt ein botanisches Wunder, das zugleich für viele Schwestern und Besucher*innen ein spirituelles Gleichnis ist. In ihr zeigt sich der Kreislauf des Lebens in berührender Klarheit: Aus der Erde, ja sogar aus Steyls sandiger Erde, erhob sich zuerst ein zarter Trieb, der sich dem Licht entgegenstreckte – hochgewachsen wie jede andere Sonnenblume. Natürlich wurde diese heranwachsende Sonnenblume vor Schnecken geschützt, denn normalerweise ist das ein begehrtes Schneckenfutter!

Der Trieb wuchs heran zu einem starken Stängel und ebenso die Blätter. Langsam entwickelten sich Knospen für die Blüten. Knospen öffneten sich langsam zu Blüten - Blütenblatt um Blütenblatt, jede ein Ausdruck von Lebenskraft und Schönheit. Beim genaueren Beobachten und Hinschauen ist zu sehen, dass die Insekten Nahrung und einen Arbeitsplatz finden – ein Miteinander im ökologischen Gleichgewicht.

Die Sonne erleuchtet die gesamte Sonnenblume mit ihrem goldenen Licht, auch die zarten Knospen, die noch geschlossen sind. Licht fällt ein in diejenigen, welche gerade in der Entfaltung ihrer Blüte sind. Die Sonnenstrahlen tauchen die offenen Blüten samt den Insekten in ein Lichtermeer sowie die anderen Blüten, welche bereits verwelken und neue Samen produzieren. Ich bin von der Gleichzeitigkeit an dieser einzigartigen Sonnenblume berührt und betroffen. Ich erkenne wieder einmal, dass aus dem Vergehen neue Samen entstehen – Hoffnung auf neues Leben!

Diese eine Sonnenblume wird zum Symbol für das große Ganze: Für die Zerbrechlichkeit und zugleich die Kraft der Natur, für das Ineinander von Werden und Vergehen, für die Verantwortung, die wir als Teil der Schöpfung tragen.

In einer Zeit, in der wir oft von Technik und Schnelllebigkeit getrieben sind, lädt uns diese Pflanze ein, innezuhalten. Sie spricht von Geduld, von Hingabe und von der tiefen Verbindung zwischen Gott, Mensch und Natur. Sie ist – ganz im Sinne von Laudato si’ – ein Ruf zur Achtsamkeit, zum Staunen, zur Ehrfurcht und Dankbarkeit gegenüber Gott, unserem Schöpfer.

Text und Fotos: Sr. Antonia Schmid SSpS

PS: Auch das gehört zum Leben und dem Kreislauf dazu: Der heftige Sturm hat die Sonnenblume leider aus dem Boden gerissen. 

Blätter und Knospen
Ein zartes Öffnen der Knospe
Blütenblatt um Blütenblatt streckt sich der Sonne entgegen
Die fleißige Biene bei der Arbeit
Volle Hingabe im Glanze des Lichtes
Langsam beginnt das Verwelken
Die Gleichzeitigkeit von Blühen und Verwelken
Botanisches Wunder