Der ehemalige Offizier und Partylöwe Charles de Foucauld hat sich nach mehreren radikalen Wenden in seinem Leben in einer Oasenstadt in der Sahara niedergelassen. Dort hat er das Christentum inmitten einer nicht-christlichen Welt gelebt, berichtet Bruder Andreas Knapp. Auch Knapp selber lebt „in einer Welt, in der der christliche Glaube nicht mehr so bekannt ist“, wie er sagt. Nach der Wende ist er mit seinen Mitbrüdern in einen Plattenbau in Leipzig gezogen. Sie gehören zur Gemeinschaft „Kleine Brüder vom Evangelium“.
„Stichwort unserer Spiritualität ist Nazareth“, erklärt Bruder Andreas Knapp. „Jesus hat in Nazareth 30 Jahre lang ganz unauffällig gelebt.“ Deshalb gehe es ihnen darum, im Gewöhnlichen das Außergewöhnliche zu finden, in der Routine des Alltags das Geschenk der Gegenwart Gottes. Das könne sein, wenn eine Frau über Jahre ihren dementen Vater pflegt oder wenn ein Mann nachts um ein Uhr aufsteht, weil das Baby schreit. Für Bruder Knapp ist das „eine Art Gottesdienst“. „Auf der Wiese des Alltags blühen viele kleine Feldblumen“, sagt er. „Einzeln fallen sie nicht besonders auf – aber zusammen bilden sie einen bunten Teppich.“
Auch Bruder Andreas Knapp kennt Zeiten der Verzagtheit. Er berichtet, dass er seit über 30 Jahren kein Auto mehr besitzt und nur noch mit Fahrrad, Bus und Bahn fährt. Aber ob er damit den Klimawandel verhindert? „Man darf sich nicht lähmen lassen von der Überzeugung, dass man sowieso nichts machen kann“, sagt Knapp. Ob Menschen Zeit füreinander haben, Kranke pflegen, Trauernde nicht allein lassen oder anderen ihr Versagen nicht nachtragen: „Kein Funke Menschlichkeit ist je vergeblich - am Ende wird sich das Gute durchsetzen.“
Hoffnung gibt dem Autor dann das Stichwort Nazareth: „Da war ein Mann, der neu anfangen wollte.“ Für Bruder Andreas Knapp heißt das: „Trotz Rückschlägen und Enttäuschungen, ich probier’s nochmal in meiner Welt – weil Christus auferstanden ist.“ Ein Zuhörer in der Kapelle bestätigt: „Das unscheinbarste hat eine Kraft, die sehen wir oft gar nicht.“ Viele Menschen im Publikum hatten offenbar bereits mehrere Bücher von Andreas Knapp gelesen, einige hatten schon Fragen von zuhause mitgebracht. Nach der Lesung hat der Autor noch mit ihnen diskutiert.
Zwischen den Abschnitten der Lesung hat Claus Machleidt aus Ochsenhausen die Gedanken von Bruder Andreas Knapp in Gitarren-Musik umgesetzt. So hat er den Zuhörerinnen und Zuhörern Gelegenheit gegeben, alles in Kopf und Herz zu ordnen und setzen zu lassen. Veranstalter der Lesung war die Katholische Erwachsenenbildung Bodenseekreis in Kooperation mit den Steyler Missionsschwestern „Der Kleine Weg“.
Das Buch von Andreas Knapp „Wer alles gibt, hat die Hände frei. Mit Charles de Foucauld einfach leben lernen“ ist 2021 im Verlag: Bene! erschienen und hat 176 Seiten.