Die vier Schwestern der Berliner Kommunität auf dem Barfußpfad

„Die Erde ist uns anvertraut“

Gottes Schöpfung liegt Sr. Alicja besonders am Herzen. So oft sie kann, verbringt sie ihre Zeit in der Natur. In diesem Sommer war sie gemeinsam mit ihren Mitschwestern aus der Berliner Kommunität auf einem Barfußpfad unterwegs und beschreibt hier, wie sie Gottes Schöpfung erlebt hat.

„Über die Erde sollst du barfuß gehen. Zieh die Schuhe aus, Schuhe machen dich blind. Du kannst doch den Weg mit deinen Zehen sehen, das Wasser, den Wind“. Dem Autor dieser Worte, Martin Auer, stimme ich voll zu. Nicht nur, weil ich es ähnlich sehe, sondern auch, weil ich diese Erfahrungen vor wenigen Tagen machen durfte.  

An einem Augustsamstag sind wir, die Steylerinnen aus Marzahn, den Barfußweg im „Beelitzer Heilstätten-Park“ gegangen. Drei Stunden lang, barfuß, auf den dafür vorgefertigten, abwechslungsreichen Wegen: Feld und Kieselsteine, Reisig und Glasscherben, nasser Torf und Kiefernzapfen, Pinienrinde und Wasserkanal – all das durften wir mit den „nackten Zehen“ erspüren. Nur aus Neugier hätte ich nicht alle Herausforderungen bewältigt; doch die Motivation, Freude und Belohnung fand ich in der Gemeinschaft mit all den Großen und Kleinen, die das Gleiche vorhatten. Vielversprechend und sehr schön war die Wegstrecke, die auch noch andere Sinne ansprach, zum Beispiel: Es gab Klangschalen, Zauberfarben, Kletterstelzen, Wechselbad, Wind-Spiel, Tast- und Riechkästen, Himmelbett…

Wie Jesu Jünger in der Geschichte von der Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor, sind auch wir staunend, beschenkt, dankbar und müde am Abend wieder zuhause angekommen.

In der „nackten“ Nähe zu unserer Schöpfung, zur Erde, spürte ich deutlicher als je zuvor, dass ich „Erdling“ – zugleich geerdet bin und bleiben möchte. Noch einmal bediene ich mich Martin Auers Worte: „Sollst mit deinen Sohlen die Steine berühren, mit ganz nackter Haut. Dann wirst du bald spüren, dass dir die Erde vertraut“.

Aber: Was machen wir mit diesem Vertrauen? Was tun wir zwischen dem Sonnenaufgang und -untergang mit der uns anvertrauten Schöpfung?

„Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“ (Hiob 38,18) Die christlichen Kirchen stellen uns diese Frage für den Monat der Schöpfung. Wir brauchen nicht weit reisen und hochfliegen, sondern bewusst die Wege durchschreiten, die zu unserem Alltag und Auftrag gehören. „Die Erde ist uns anvertraut“. Was uns möglich ist, sollten wir tun: Sorgen wir uns um das Gleichgewicht zwischen Ost und West, teilen wir, was wir haben, vor allem mit den Hungernden, achten wir die Älteren und die Freiheit der Kinder und helfen wir den Tieren. Gottes Dank ist schon da, denn bei unserem Tun atmen wir die frische Luft des Waldes, erfreuen uns an der Sonne und dem Regen, staunen über die Schönheit der Berge und Reinheit des Wassers und hören den Gesang der Vögel.

Mit herzlichen Grüßen aus Berlin.

Sr. Alicja Piszczek

„Geht in der Kraft, die euch gegeben ist; geht einfach, geht leichtfüßig, geht zart, und haltet Ausschau nach der Liebe. Gottes Geist begleite euch“.