Geheime unterirdische Gänge im Kloster – das gibt es nur in gruseligen Filmen. Und in Steyl. Als die Steyler Brüder das Schwesternkloster Anfang 1900 erbauten, legten sie Gänge für Wirtschaftszwecke an. Sie verbanden die Keller- und Lagerräume und dienten zum Transport von Material. Wer hätte gedacht, dass diese unterirdische Welt den Klosterbewohnerinnen einmal zur Rettung werden sollte?
Der Zweite Weltkrieg bahnte sich seinen Weg auch nach Steyl. Ab 1941 besetzte deutsches Militär Teile des Klosters. Erst hausten 300 Mann der SS im Nordflügel, dann die Wehrmacht, die Hitlerjugend etc. Für die Schwestern war es ein Alptraum, das Haus mit den Soldaten teilen zu müssen. Auch waren sie gezwungen, für sie zu kochen. Besonders brisant: Unter der Nase des deutschen Militärs versteckten die Schwestern zeitweise von den Nazis gesuchte Personen in den Klosterkellern.
Das Inferno trat ein, als Steyl gegen Kriegsende zur Front wurde. Auf der anderen Maasseite rückten die Alliierten vor. Das Kloster wurde zum Zufluchtsort für ausgebombte Familien von Steyl und Tegelen. Die gute Beziehung der Schwestern mit der Steyler Bevölkerung, die bis heute besteht, rührt daher: Man hat nie vergessen, dass die deutschen Schwestern im Krieg mit der holländischen Bevölkerung hielt. Als Steyl immer heftiger unter Beschuss geriet, tauchten die Schwestern in die Tiefe ab. Sie verlegten ihre Gebetszeiten und Messfeiern in die Keller und hielten sich auch bei Bombenalarm dort auf. Beinahe humorvoll nannten die Schwestern die Kellerräume „Katakomben“, nach den unterirdischen Friedhöfen und Versammlungsräumen der ersten Christen in Rom. Man kann sie noch heute in Steyl besichtigen. Die Cäcilia-Katakombe ist weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben. Sie soll die Erinnerung wachhalten an die Kriegsvergangenheit in Steyl, aber auch ein Mahnmal sein für die vielen Orte, an denen heute Menschen Schutz vor der Grausamkeit der Kriege suchen müssen.
Sr. Anna Damas SSpS
Hier das ganze in:spirit Magazin zum Thema "Tiefe" herunterladen.





