Noch bevor der Festgottesdienst begann, wurde es ganz persönlich: Eine Schwester nach der anderen bekam von Provinzrätin Sr. Christine Müller ein kleines Sträußchen angesteckt. Dazu sprach Sr. Christine jeder Jubilarin den Segen zu: „Es segne dich der Gott, der dich erschaffen und in unsere Kongregation berufen hat.“ Acht Frauen, acht Lebenswege – und ein Moment, in dem die lange Geschichte jeder Einzelnen spürbar wird.
In der Kapelle in Laupheim waren Angehörige, Freund*innen, Mitschwestern und Gäste zusammengekommen, um gemeinsam zu feiern und Danke zu sagen. Sr. Nicola Gertraud Kaiser und Sr. Isolde Salzberger blickten auf 60 Jahre Ordensleben zurück. Sr. Anneliese Graf, Sr. Bertraud Sowa, Sr. Samuella Assmann, Sr. Maria Mitis Wolter, Sr. Clementine Kranz und Sr. Redigunda Schnez feierten sogar 65 Jahre.
Vorausgegangen waren dem Jubiläum dreitätige Exerzitien zum Thema „Beheimatung-Wohnen-Sein in der dreifaltigen Liebe Gottes“ mit Sr. Aneta, was die Schwestern sehr geschätzt haben. In den 60 oder 65 Jahre Ordensleben gab es für die Jubilarinnen viele Orte, an denen sie gewohnt haben und die so manches Mal zur Heimat geworden sind.
Und viele dieser Orte liegen weit auseinander. Die Jubilarinnen wirkten in Deutschland und der Schweiz, in Steyl und Rom, aber auch in Japan, Spanien, Argentinien, Indien, Indonesien und Papua-Neuguinea. Sie arbeiteten im Krankenhaus, in Verwaltung und Prokur, übernahmen Leitungsaufgaben oder waren in der Seelsorge tätig. Unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Länder – verbunden durch das gemeinsame Ja zur Berufung. „Gott hat wunderbar an euch gehandelt in eurem Ordensleben und euch zu ganz unverwechselbaren Persönlichkeiten werden lassen angesichts dieser vielfältigen Wege im Orden“, sagte die Provinzrätin und sprach zeitlich den Dank aller Mitschwestern aus.
Dass dieses Ja nicht immer leicht war, verschwieg auch der Steyler Mitbruder P. Rüdiger Brunner SVD in seiner Predigt nicht. Ein Ordensleben über sechs Jahrzehnte kennt Zweifel, Überforderung und schmerzhafte Zeiten. „Stückweise, schrittweise traut man sich – Jahr für Jahr“, sagte Pater Brunner, der zurzeit in Laupheim aushilft. Und irgendwann bleibt die Hoffnung: Es war der richtige Weg.
Im Gottesdienst erneuerten die acht Schwestern ihr Ja zu Gott und zu ihrer Berufung. Für jede von ihnen wurde eine Kerze am Osterlicht entzündet. „Christus ist das Licht unseres Lebens, und Sein Licht lässt uns zum Licht für unsere Mitmenschen werden“, hieß es dazu.
So wurde das Jubiläum zu einem Fest des Rückblicks und zugleich des Aufbruchs. Zu einem Fest, das nicht nur auf die vergangenen 60 und 65 Jahre schaute, sondern auch auf das, was bleibt: Vertrauen, Gemeinschaft und die Gewissheit, getragen zu sein.
Am Ende des Gottesdienstes galt der Segen schließlich allen, die diesen besonderen Tag miteinander feierten. Sr. Luzia Schmuki, die Kommunitätsleiterin in Laupheim, lud die Festgemeinschaft in das neue Restaurant „Carla“ ein, wo festlich gedeckt und aufgetischt wurde. Die ganze Schwesterngemeinschaft erfreute sich mit den Jubilarinnen an diesem schönen Tag, besonders an der gelebten Gemeinschaft.