Gewand(elt). Wie sich die Ordenstracht verändert hat

In der aktuellen Ausgabe des in:spirit Magazins schreibt Sr. Anna Damas in der Schwesternkolumne über die Ordenstracht und verrät, warum sie ihr Ordenskleid ablegte.

Im Missionssaal im Herz-Jesu-Kloster kann man auf den historischen Fotos und an der Puppe noch gut sehen, wie die alte Ordenstracht ausgesehen hat.

Kleiderschranktür auf. „Was soll ich heute anziehen?“ Wenn man das Ordenskleid trägt, ist das keine Frage. Das hat durchaus etwas Befreiendes: Es spart Zeit und Gedanken, die man auf Wichtigeres verwenden kann. Aber was man anzieht, ist eigentlich wichtig. Es drückt etwas von einem selbst aus. Auch wenn man keinen Wert auf Kleidung legt, ist das eine Aussage über sich selbst.

Das Ordenskleid ist so eine Aussage. Zum Beispiel, dass man einfach leben will. Dass man den Wert auf Inneres statt auf Äußerlichkeit legt. Dass man zu einer Gemeinschaft von Gleichwertigen gehört und einander Schwester sein will. Dass man sich für etwas entschieden hat und sein Leben einer Sache, nein: Gott verschrieben hat. Dafür steht besonders der Schleier, ein bräutliches Zeichen dafür, dass man Jemandem in Liebe gehört.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich unsere Ordenstracht gewandelt. Am Anfang war sie „zu“: Nur Gesicht und die Hände waren frei. Man wollte ausdrücken, dass man sich von der Alltagswelt zurückgezogen hat, mehr nach innen als nach außen lebt. In tropischen Ländern waren solch wallende Gewänder natürlich völlig unpraktisch. Aber nicht nur deswegen wurde der Stoff gekürzt: Man verstand sich im 20. Jahrhundert mehr weltzugewandt, mehr „mittendrin“ bei den Menschen.

Eine Aussage hat nur dann Sinn, wenn sie auch verstanden wird. Deswegen muss sich die Ordenstracht wandeln, um ein Zeichen zu bleiben. Und deswegen entscheiden sich manche Schwestern, das Ordenskleid nicht zu tragen. Ich z.B. trug es anfangs gern (aus all den oben genannten Gründen). Aber dann im Studium an der Uni Münster merkte ich, dass die anderen Studierenden Scheu vor mir hatten: Wie muss man mit der umgehen? Was kann man mit der reden? Darf man sie ins Kino mitnehmen? – Ich war ein Fremdkörper. Eine Barriere will das Ordenskleid nun gerade nicht sein, und deshalb entschied ich mich, in normale Kleidung zu wechseln. Mein Lebens-Anspruch bleibt jedoch gleich: Meinen Mitschwestern und anderen Menschen Schwester sein zu wollen, alles auf die Karte „Gott“ zu setzen und, klar, einfach zu leben. Kleiderschranktür zu.

Sr. Anna Damas

geboren 1966 in Duisburg, Eintritt in Steyl 1987. Theologiestudium in Münster und den Niederlanden. Pastoralreferentin im Bistum Aachen. Danach 14 Jahre tätig in Papua-Neuguinea in der Katechistenausbildung und Bibelarbeit. Seit 2019 im Generalat der Steyler Missionsschwestern in Rom, wo sie Seminare gibt im Bereich von interkultureller Kommunikation und Spiritualität.

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