Ob auf dem Gartenhügel von Alt St. Anna oder in der Nähe vom Haupteingang unseres Klosters, entlang des Kreuzweges bei der Lourdesgrotte oder im Tälchen (kleines Waldstück im großen Garten): Der Fingerhut ist zu einer faszinierenden Attraktion herangewachsen und zu einem prächtigen Anblick aufgeblüht! Fingerhut gehört zur Pflanzengattung der Wegerichgewächse und sät sich von selbst aus. Es bleibt für uns Schwestern jedes Jahr neu eine Überraschung, wo der majestätische Fingerhut im zweijährigen Rhythmus seinen neuen Standort hat. Nach der Aussaat wächst im ersten Jahr nur die Blattrosette heran, im zweiten Jahr bildet der Fingerhut bis zu 90 farbenprächtige Blüten pro Stängel.
Nicht nur ich bin „hin und weg“ von dieser wunderschönen Pflanze, auch Mitschwestern, die ich bei der Arbeit im Garten, beim Spazierengehen und Rosenkranzbeten angetroffen habe, sind regelrecht beim Fingerhut in das Staunen und in die Begeisterung eingetaucht! Manche Mitschwestern bewundern den Fingerhut mit seinen schön gefleckten Blüten von ihrem Zimmerfenster aus und zählen sogar täglich die neu hinzuwachsenden Stängel.
Auch fleißige Bienen, Ackerhummeln und Schmetterlinge sind vom Fingerhut fasziniert! Sie sammeln die leckeren Pollen und genießen den Nektar! Obwohl alle Pflanzenteile des Fingerhutes giftig sind, bleibt der Hautkontakt mit den Pflanzen unschädlich. Fingerhut sowie Maiglöckchen, die ebenfalls giftig sind, enthalten giftige Glykoside. Aus den Glykosiden des Fingerhutes werden Medikamente gegen Herzinsuffizienz hergestellt und erfolgreich eingesetzt.
Unser Gelände ist für uns und unsere Besucher*innen nie langweilig! Immer wieder sind wir beschenkt von Blüten und Pflanzen, die etwas von dem unendlichen Geheimnis Gottes neu entdecken lassen und auch preisgeben. So erfahre ich Gottes Nähe, die in der Natur manchmal auch als giftige Schönheit heranwächst, als eine Erholung und ein Heilmittel schlechthin! Ja, staunenswert sind Seine Werke, sogar die giftigen!!! Ich bin berührt und danke unserem Schöpfer von Herzen.
Text und Fotos: Sr. Antonia Schmid