Gott Raum schaffen

Nach fast 100 Jahren haben die Steyler Missionsschwestern Moos am Bodensee verlassen. Zum Abschiedsgottesdienst in der Kapelle St. Theresia kamen Menschen aus der ganzen Region, die sich unserer Kongregation und dem Ort verbunden fühlen.

„Wir brauchen mehr Stühle“, rief eine dem anderen zu. Was in den meisten Fällen mit Stöhnen quittiert wird, sorgte in der Kapelle in Moos für glückliche Gesichter: Immer mehr Menschen strömten herein, um dankbar Abschied zu nehmen und dafür rückten alle gerne zusammen. Eingeladen hatten Sr. Dorothee Laufenberg und Sr. Bernadette Dunkel gemeinsam mit dem Seelsorge-Team der St. Elisabeth-Stiftung, mit der die Schwestern vor Ort zusammenarbeiten. Die beiden Schwestern haben seit 2017 in Moos gelebt. Die Geschichte des Missionsortes begann aber schon 1929, als hier die ersten Schwestern einzogen – auf einen Bauernhof. Die Schwestern bewirtschafteten den Hof, bauten um und der Ort wurde über Jahrzehnte als Exerzitien- und Erholungsort genutzt, wie Sr. Bernadette zu Beginn der Messe erzählte.

Zelebriert wurde die Eucharistiefeier von Pfarrer Andreas Mayer, ein Freund der Schwestern aus gemeinsamen Zeiten in Ulm. Stefan Fischer aus dem Seelsorge-Team predigte zum Thema „Gott Raum schaffen“ und bezog sich dabei auf die Schrifttexte zum „Brennenden Dornbusch“ (Ex 3,1-6) und die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor (Mt 17,1-9): „Heilige Zeiten und heilige Orte zeigen sich in Momenten der echten Gottesbegegnung, in denen wir innehalten, in denen wir Gott Raum schaffen. Die Kapelle St. Theresia und das ganze Kloster Moos, das Theresienheim, das Gästehaus St. Theresia waren so ein Ort. Ein Ort, an dem Menschen Ruhe fanden, in Gebet, im Gespräch, in Begegnung. Und die, die diesen Ort mit Leben füllten, das waren starke Frauen: Steyler Missionsschwestern.“

Von diesen Steyler Missionsschwestern waren an diesem Tag nicht nur Sr. Bernadette und Sr. Dorothee anwesend, sondern auch eine Abordnung aus Laupheim, die gleichzeitig auch die Provinzleitung vertraten. Bei den schönen Worten mussten nicht nur die Schwestern schlucken und einzelne Tränen trocknen. Die Ergriffenheit der versammelten Gemeinde war deutlich spürbar, schließlich erinnerten sich in diesem Moment viele der Anwesenden an ihre ganz persönlichen Erinnerungen mit Moos.

Und Erinnerungen bleiben, auch wenn die Gipfel- und Dornbuscherfahrungen oft enden. „Wir dürfen Licht erleben, Gipfelerfahrungen sammeln – aber wir dürfen nicht dort stehen bleiben. Wir müssen weitergehen. Runter vom Berg in die Niederungen des Alltags. Wir tragen das Licht hinaus in unseren Alltag, in unsere Begegnungen, in die Aufgaben, die vor uns liegen. Wir tragen die Erfahrung weiter, dass Gott da ist und mitgeht – selbst wenn wir ihn nicht an unserer Seite spüren. Gott Raum schaffen – so wie das hier in Moos gelebt wurde. Gott Raum schaffen – in uns und an allen Orten, an die wir gestellt sind“, sagte Stefan Fischer am Ende seiner bewegenden Predigt.

In den ausgesuchten Liedern spiegelten sich ebenfalls die Gedanken wider, dass Gott immer da ist – in tiefster Nacht und auf neuen Wegen. Ein besonders schmerzlicher Moment des Abschieds folgte nach der Eucharistiefeier: Das Ewige Licht erlosch und die konsekrierten Hostien wurden an Pfarrer Noppenberger von der Ortsgemeinde übergeben. Der Tabernakel blieb offenstehen. Die Kapelle ist nicht entwidmet, aber es war auf unbestimmte Zeit der letzte Gottesdienst, der hier gefeiert wurde.

Zum Schluss bat Pfarrer Andreas Mayer die beiden Schwestern nach vorn und sprach einen persönlichen Segen über Sr. Bernadette und Sr. Dorothee. Auch die Sonne half bei diesem Segen mit – ihre Strahlen färbten die Kapelle in ein besonders Licht, in eine besondere Stimmung des dankbaren Abschieds.

Daran knüpfte auch Sr. Luzia Schmuki, die als Vertreterin der Provinzleitung gekommen war, an. Sie und ihre Mitschwestern hatten Blumenzwiebeln mitgebracht und erinnerte daran, dass in Moos viele Samen in die Erde gelegt worden sind, viele davon sind aufgegangen, haben sich entwickelt und entfaltet weit über Moos hinaus. „Manche Samen sind nicht aufgegangen, haben nicht gekeimt, konnten nicht wachsen. Das macht unsere Herzen demütig und tut auch weh. Jetzt empfangt diese kraftvollen Knollen als Dank für Euer Wirken hier in Moos und als Ermutigung in Iggenau und Umgebung wieder von Neuem anzufangen, Gutes auszustreuen, großzügig und vertrauend auf Gottes Schutz und Beistand“, wünschte Sr. Luzia den beiden Schwestern während des Empfangs.

Am Ende der Eucharistiefeier ging es dann wieder um Stühle. Es wurden alle eingeladen, ihren Stuhl zu nehmen und symbolisch Platz zu schaffen. Mit der Begleitung von Keyboard und Gitarre stapelten alle ihre Stühle – der Raum in der Mitte wurde frei für Begegnungen. Für Umarmungen. Gemeinsame Fotos. Eine letzte Kerze. Ein letztes Gebet. Und für Erinnerungen an Moos, einen Ort, an dem Gott Raum geschaffen hat.

Text: Steffi Mager

Fotos: Sabine Kwijas

Sr. Bernadette (li.) und Sr. Dorothee während der Verabschiedung
Pfarrer Andreas Mayer zelebrierte die Messe
Der persönliche Segen für die beiden Schwestern
Sr. Bernadette spricht über die Anfänge der Kongregation in Moos
Das Licht zauberte eine besondere Stimmung in die Kapelle