Die Tische waren reich gedeckt

Herbergssuche damals und heute

Im Treff am Kapellchen (TaK) in Mönchengladbach wurde der Heilige Abend zu einem besonderen Fest – inklusive Festmahl an zwei langen Tafeln. Die Brandts-Kapelle beherbergte am 24.12. fast 100 Menschen, die gemeinsam die Menschwerdung Gottes feierten.

In der abgedunkelten Brandts-Kapelle traf sich die Weihnachtsgemeinschaft bei Kerzenschein und den Lichtern des Tannenbaums, um gemeinsam die Geburt Jesu zu feiern. Pfarrer Rüdiger Hagens und Sr. Barbara Roßmadl hatten den Gottesdienst zum Thema „Herbergssuche damals und heute“ vorbereitet. Denn der Satz „Hier in der Herberge ist kein Platz“ aus dem Weihnachtsevangelium beschreibt nicht nur die Situation von Maria und Josef. Er spiegelt auch die Erfahrungen vieler Menschen heute wider, die auf der Suche nach Wohnraum, Sicherheit und Anerkennung sind.

„In Mönchengladbach gibt es rund 267.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Von ihnen brauchen viele eine bezahlbare Wohnung. Die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen mit moderaten Mietpreisen sinkt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem: An manchen Orten bewerben sich mehr als 100 Menschen auf eine freiwerdende Wohnung. Für Menschen mit geringem Einkommen, Familien, Studierende oder Alleinerziehende ist die Suche nach einem Zuhause schwierig. Zu oft erleben sie Verschlossenheit, Abweisung, Unsicherheit – ähnlich wie damals Maria und Josef“, beschrieb Sr. Barbara die Situation in Mönchengladbach in ihrer Begrüßung und führte fort: „Wir werden an Weihnachten herausgefordert. Nicht wegzusehen, wo Menschen keinen Platz finden, nicht einfach weiterzugehen, wenn jemand an unsere Tür klopft. Weihnachten rüttelt uns auf: Wir sind eingeladen, uns einzusetzen für diejenigen, die keinen sicheren Ort haben. Jede und jeder braucht ein Zuhause. Einen Ort, an dem Würde, Sicherheit und Gemeinschaft möglich sind. Und genau das hat uns Gott vorgelebt, in seiner Menschwerdung.“

Die Brücke zum biblischen Bezug schlug Pfarrer Hagens in seiner Predigt, dazu wurden all die die schönen Weihnachtsklassiker gesungen und die festliche und friedvolle Stimmung in der Kirche bildeten den richtigen Rahmen, dass die Menschwerdung in dem kleinen Kapellchen spürbar wurde.

Nach der Messe brauchte es eine „Umbaupause“, in der sich die Menschen bei Keksen und Getränken stärken konnten oder einen genauen Blick auf die Krippe warfen, die ebenfalls thematisch passend gestaltet war. Zwei Schaufensterpuppen stellten vor der Skyline von Mönchengladbach Maria und Josef dar, die im Puppenwagen das Jesuskind dabeihatten. Und wieder stand die Frage im Raum: Wo würden die beiden heute unterkommen? In der Gartenlaube, in der Garage, unter einer Brücke…

Knapp eine Stunde nach dem Ende der Messe öffnete die Brandts-Kapelle erneut ihre Türen. An zwei festlich gedeckten Tafeln durften die Menschen Platz nehmen und sich ein hervorragendes Essen schmecken lassen, das vom Liedberger Landgasthof, dem Flachshof, von Lehmanns Restaurant, dem Restaurant Stappen und dem Restaurant Frenzen spendiert worden war. Auch die Geschenke und die Dekoration wurden in diesem Jahr durch Spenden finanziert: Direkt gegenüber vom TaK ist die Firma „Medicaltec“ ansässig, die im Advent auf Sr. Barbara, die den TaK leitet, zukam und fragte, ob sie für die Menschen hier was Gutes tun könnten. Gesagt, getan.

Als Geschenk gab es einen Schlüsselanhänger, der daran erinnern soll, dass der TaK immer ein Zuhause für alle ist, mit offenen Türen und Menschen, die sie hier treffen und empfangen. Nach drei Stunden voller Gesang und Gemeinschaft gingen die Menschen glücklich und satt nach Hause. „Schön war, dass am Ende alle füreinander Sorge trugen, dass niemand allein fahren oder gehen musste“, sagt Sr. Barbara. Während die Gäste fuhren, packten vielen helfende Hände beim Aufräumen an. Am Ende stieß die  Schwesterngemeinschaft mit den Helfenden auf ein schönes Fest an und alle waren sich einig, dass die Brandts-Kapelle und der TaK an diesem Abend eine wunderbare Herberge waren.

Sr. Barbara Roßmadl und Steffi Mager