Dass dieser Chor zu uns kommen wollte, war für uns Steyler Missionsschwestern ein unerwartetes Geschenk. Ganz überraschend trat Feliks Sokol an uns heran und fragte, ob er mit seinem Kammerchor in unserem Mutterhaus ein Konzert geben dürfe. Schon in dieser Anfrage lag ein besonderer Klang – etwas Neues, etwas Anspruchsvolles, das zu unserem Ort, zu unserer Spiritualität und zu unserer Geschichte passte.
Als ich den Titel „Himmelsboten“ hörte, tauchten sofort Bilder von Engeln in mir auf. Unser Gründer, der heilige Arnold Janssen, hatte eine tiefe Beziehung zu Engeln, besonders zu den Erzengeln Gabriel, Michael und Rafael. Sie haben ihren festen Platz in Nischen unseres Klostergebäudes – und segnen alle, die zu uns kommen.
Der Kammerchor stellte mit 19 Chormitgliedern seine stimmlichen Töne und Klänge ganz in den Mittelpunkt, welche von den Engeln und Gottes Nähe erzählten, was auch deutlich durch einige zitierte Texte von Andrea Schwarz und Anselm Grün erfahrbar war. Der Missionsbenediktiner Anselm Grün erinnert uns daran, dass Engel „unsere Seele berühren und uns an das erinnern, was in uns göttlich ist“. Der Titel „Himmelsboten“ erinnert daran, dass Engel in Ikonen wie in der Musik Fenster zum Himmel sind – Bilder und Klänge, durch die Gottes Nähe und Trost für uns erfahrbar werden.
Das Programm vereinte A-cappella-Werke ukrainischer sowie europäischer Komponistinnen und Komponisten und ließ westliche und östliche christliche Traditionen aufeinandertreffen. Kurze religiös philosophische Texte, Projektionen von Ikonen und Engeln im Hintergrund sowie der Chorgesang hielten die Aufmerksamkeit des Publikums wach und schufen eine spürbare kontemplative Dichte.
Der Sopran klang wie ein feines, tragendes Licht. Der Alt schenkte Wärme, Tiefe und eine harmonische Fülle. Die Tenöre verbanden die Klangwelten und gaben manchen Stücken eine besondere Kraft. Der Bass brachte Raum und Literatur zum Schwingen. So wurde das Konzert für uns zu einer Begegnung mit dieser himmlischen Wirklichkeit: ein Segen, eine Berührung, ein Trost, ein Aufatmen, eine innere Verbindung mit Gott und unserer Welt.
Im Kammerchor der Basilika Knechtsteden musizieren Sängerinnen und Sänger aus der Ukraine und Deutschland gemeinsam mit einem höchst beeindruckenden und brillanten Niveau, das in Wettbewerben, wie ich gehört hatte, immer wieder bestätigt wurde. Die Sängerinnen und Sänger sind ein lebendiger Beweis dafür, was möglich wird, wenn völkervereinend auch im musikalischen Dialog Hoffnung, Schutz und Trost gespendet wird und wenn Hingabe, Disziplin und eine exzellente Leitung zusammenkommen.
Was wir hörten, war reine Intonation, ein Klang, der nicht nur Ohren, sondern Herzen erreichte. Mehr als eine Stunde lang durften wir eintauchen in eine Atmosphäre, die uns innerlich still machte und zugleich weit öffnete. Der Applaus am Ende des Konzerts kam aus tiefster Seele und trug pure Dankbarkeit und große Begeisterung bis hinein in die Herzen der Chromitglieder!
Viele von uns verließen den Kirchenraum mit dem Gefühl, von etwas Himmlischem berührt und beschenkt zu sein – beseelt, gestärkt, getragen. Ein Konzert, das nicht nur erklang, sondern in uns weiterklingt. Von Herzen danken wir Schwestern dem Kammerchor Knechtsteden für das Geschenk ihrer Musik. Möge der Segen, den sie für uns gesungen haben, reich zu ihnen zurückkehren und ihre Wege mit Freude und Frieden erfüllen.
Text und Fotos: Sr. Antonia Schmid