In den letzten Jahren habe ich Weihnachten im Gefängnis gefeiert! Allerdings gehörte ich zu der Gruppe, die für jede Tür einen Schlüssel hatte und (nach Belieben) rein- und rausgehen konnte.
Für die Frauen, die inhaftiert sind, ist es an Weihnachten noch schwerer als sonst. Sie vermissen ihre Familien, besonders die Kinder... und es ist ein bisschen so, als ob Weihnachten aus diesem Grund gar nicht stattfindet ... Das fand ich immer so schade, weil ich es doch „besser wusste"!
Aber wenn ich heute in unsere Welt schaue, frage ICH mich: Wie können wir bloß jetzt, in dieser Welt, mit Kriegen und Katastrophen, mit dieser Zukunft, Weihnachten feiern???
In der Weihnachtserzählung bei Matthäus springt mir als erstes ins Auge und ins Bewusstsein, wie der Engel zu Josef sagt: „…Fürchte dich nicht!" (Mt 1,20) Wenig später trifft mich der Satz: „Seht, ... einen Sohn wird sie gebären ... Immanuel, das heißt: Gott ist mit uns" (Mt 1,23).
Ich glaube, deswegen feiern wir jedes Jahr neu Weihnachten: Wir brauchen diese Zusagen und diese Verheißungen, um an dieser, unserer Welt, nicht zu verzweifeln! Um uns - trotz allem - für Mitmenschlichkeit, für eine gerechte Welt einzusetzen! Wir brauchen Weihnachten, um die Hoffnung lebendig zu halten, dass Gott mit uns ist, trotz allem. Auch heute und morgen....
Sr. Annette Fleischhauer SSpS
Ein Weihnachtspalm sagt es so:
Ich warte auf die Nacht, du meine Gottheit
Die Nacht, die du durchdringst
Ich warte auf deine Nacht, du Ewige
Die Nacht, die du durchwachst
An Grenzen, in Trümmern, in Zelten
Auf Intensivstationen und überall, wo jemand fehlt
Ich warte auf die Nacht, du Ewige
Die Nacht, die du mit uns durchwachst
Wenn die Stille nach der Not der Geburt
Uns mit ihrem Frieden umfängt
Ich warte auf deine Nacht, du Ewige
und dass sich dein Glanz über uns legt,
Wenn wir in den Himmel schauen,
der allmählich heller wird
Und du bei uns deinen Anfang nimmst. Amen.
Annette Jantzen, Gottes Wort weiblich (externer Link, öffnet in neuem Tab)