Ich bin nun schon seit sieben Monaten in Cebu City auf den Philippinen. Die Zeit hier vergeht unheimlich schnell und ich kann kaum glauben, dass schon über die Hälfte vergangen ist. In den vergangenen Monaten habe ich sehr viele Menschen kennengelernt und auch wieder verabschiedet. Mit ihnen zusammen gelacht, geweint und gelebt. Mich viel mit dem Anderen, aber auch sehr viel mit mir selbst auseinandergesetzt, meiner eigenen Kultur, aber auch der philippinischen.
Ich beginne allmählich, die Strukturen und die Art zu kommunizieren etwas besser zu verstehen, was das Leben hier um einiges erleichtert. Dinge, die mich anfangs noch unendlich verwirrt haben, beginnen jetzt langsam Sinn zu ergeben. Sei es ein indirektes „Nein“ sagen, was hier mit einem „Ok na lang“ geäußert wird. Oder eine nett gemeinte Geste, die mich am Anfang sehr irritiert hat, wie von einer Nanay (einer älteren Dame) am Arm gepackt und irgendwo hingeführt zu werden, wo ich überhaupt nicht hin wollte, aber wofür ich mich dann natürlich angemessen dankbar zeigen muss.
Oder auch die öffentlichen Verkehrsmittel „Jeepneys“ genannt, mit denen meine Mitfreiwillige Philine und ich schon etlichen Male an einem komplett anderen Ort gelandet sind, als der, zu dem wir eigentlich wollten, da die Fahrer*innen bei der Frage, ob sie in diese bestimmte Richtung fahren IMMER mit „Ja“ antworten werden, selbst wenn sie eine komplett entgegengesetzte Route nehmen. Und Vieles mehr.
So haben wir langsam unseren Weg hier auf den Philippinen entdeckt, haben immer näher zu den Menschen und der Kultur gefunden und dadurch noch einmal eine ganz andere Art des Verstehens gelernt. Ein Verstehen, das uns nicht nur im Alltag, sondern auch in unserer Arbeit weiterbringt.
Inzwischen können wir unsere Kinder sowohl sprachlich als auch ihr Verhalten besser nachvollziehen und konnten dadurch auch einen gemeinsamen Tagesablauf entwickeln. Morgens holen wir die Kinder ab und bringen sie ins Balay Samaritano, dann werden Zähne geputzt und die Kinder duschen. Anschließend versammeln sich alle gemeinsam zum Rosenkranz-Gebet, bevor wir zum ersten Snack in den Klassenraum gehen. Danach starten die Aktivitäten, die jeden Tag variieren. Es wird gebastelt, gespielt, gesungen, sehr gerne getanzt und natürlich ab und zu auch gelernt. Um 11:30 Uhr wird zu Mittag gegessen, bis dann einige der Kinder entweder zur Schule, zurück zu ihren Eltern gehen oder doch noch etwas länger bleiben und die Zeit mit ihren Freund*innen im „Balay“ nutzen. Bis sie uns mit lächelnden Gesichtern zum Abschied winken, so wie sie uns am nächsten Tag dann wieder begrüßen.
Ein Alltag, der zwar Struktur hat, sich jedoch trotzdem immer verändert. Kein Tag ist wie der vorherige. Sie haben aber alle eines gemeinsam: Wir lachen, weinen und leben zusammen.
Tina