¡Hola cariño, buenos días! ¿Cómo estás? (Küsschen links, Küsschen rechts): So beginnen die meisten meiner Gespräche seit bald fünf Monaten. Vor meinem MaZ-Einsatz hätte ich nie gedacht, wie sehr ich diese überschwänglichen Begrüßungen einmal schätzen lernen würde.
Ich bin Clara und lebe zusammen mit meiner Mit-MaZ Rosi in Alcorcón, einem Vorort von Madrid. Nach so vielen Wochen in einem fremden Land ist es gar nicht so einfach, in Worte zu fassen, was ich hier schon alles erlebt habe. Dennoch möchte ich versuchen, euch so gut es geht, in mein Leben in Spanien mitzunehmen und ein paar Einblicke in die letzten Monate zu geben.
Während der ersten Woche saß der Abschied von Freund*innen und Familie noch tief, und ich musste mich erst an meine neue Umgebung gewöhnen, die zum Teil doch ganz anders war, als erwartet, selbst wenn sie nur zweieinhalb Flugstunden von meinem Zuhause entfernt liegt. Rosi und ich nutzten diese Zeit, um uns mit der Stadt vertraut zu machen und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu erkunden.
Für die folgenden fünf Wochen ging es dann zunächst in die Sprachschule Cronopios, um mein Spanisch aufzufrischen und zu verbessern. Dort herrschte eine tolle Atmosphäre, und ich war froh, eine Aufgabe zu haben, auf die ich mich konzentrieren konnte. Der September in Madrid fühlte sich an wie ein verlängerter Sommer: Wir richteten uns in unserer Wohnung ein, saßen in Straßencafés, genossen die Sonne oder gingen schwimmen. So wurde die große Stadt schon bald vertrauter, und meine Vorfreude auf die Arbeit wuchs von Woche zu Woche.
Fest stand, dass Rosi und ich in verschiedenen sozialen Projekten der Caritas tätig sein würden, wo genau, legten wir in einem Gespräch mit den Verantwortlichen fest. Das erste Projekt, in dem wir anfingen zu arbeiten, war das Frauenzentrum „Concepción Jerónima“, das von den Schwestern betreut wird. Dort halten sich täglich zwischen zehn und dreißig Frauen auf, die einen geschützten Aufenthaltsort finden, mit kleinen Mahlzeiten und Hygieneartikeln versorgt werden sowie duschen und Wäsche waschen können. Von Anfang an fiel mir die ruhige und respektvolle Atmosphäre auf. Die Schwestern und die anderen Freiwilligen geben ihr Bestes, um einen vertrauten und sicheren Ort zu schaffen, etwas, das im Leben vieler Frauen sonst leider keine Selbstverständlichkeit ist.
Nach der Teilnahme an einem mehrtägigen Einführungsseminar der Caritas lernten wir auch unsere weiteren Einsatzstellen kennen. Zweimal pro Woche arbeite ich bei CEDIA 24h (Centro de Día), einem Tageszentrum für Männer und Frauen ohne festen Wohnsitz, in dem abends die Männer übernachten. Es gibt Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie kleine Zwischenmahlzeiten, das sogenannte Almuerzo und die Merienda. Tagsüber sind die Schlafräume geschlossen, da die Menschen entweder arbeiten gehen, Arbeit suchen oder an Trainings und Aktivitäten des Zentrums teilnehmen sollen. Außerdem stehen Computer, Bücher, Brettspiele, WLAN sowie Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen zur Verfügung.
Einen Abend pro Woche verbringe ich bei CEDIA Mujer, einem Nachtzentrum ausschließlich für Frauen. Die Frauen halten sich tagsüber meist in anderen Einrichtungen auf und kommen abends hierher. Auch dort helfe ich bei der Essensvorbereitung, beim Abwasch oder bei kleinen Aktivitäten, die am Abend angeboten werden.
Meine vierte Einsatzstelle ist „SÍNODO“, ein Wohnblock für Familien in prekären Lebensverhältnissen. Zwei Nachmittage pro Woche unterstütze ich dort bei der Kinder- und Hausaufgabenbetreuung. Während ich in den anderen Zentren nicht die einzige Ausländerin bin
und die Kommunikation oft auch mit Händen, Lächeln und Geduld funktioniert, steht bei SÍNODO schnelles, sauberes Alltagsspanisch an der Tagesordnung. Die Gespräche drehen sich oft um den Schulalltag oder die neuesten Trends, und so wird mein Spanisch-Horizont ständig erweitert. Zwar habe ich ein bisschen gebraucht, um in diesem Projekt anzukommen, aber inzwischen habe ich mich gut eingelebt und habe Freude daran, mit den Kindern zu lernen, zu spielen und Zeit zu verbringen, und merke, dass die meisten Spiele auch ohne viele Worte funktionieren.
In allen Zentren sind meine Aufgaben eher einfach, und die eigentliche Aufgabe und manchmal auch Herausforderung liegt in der Begegnung. Die Kontakte mit Menschen in sehr unterschiedlichen und häufig belastenden Lebenssituationen werfen viele Fragen auf: nach der eigenen Rolle, nach dem richtigen Umgang mit Leid, Armut und Ausgrenzung. Besonders in den Einrichtungen für Menschen ohne festen Wohnsitz wird mir immer wieder bewusst, dass meine Arbeit hier weniger bedeutet, „Lösungen zu bieten“, sondern vor allem präsent zu sein, zuzuhören und Beziehungen auf Augenhöhe zuzulassen.
Dabei zeigt sich, dass das klassische Bild von „Helfenden“ und „Hilfsbedürftigen“ zu kurz greift. Viele der Menschen in den Projekten bringen eine große Lebenserfahrung, Offenheit und Stärke mit. Oft sind es gerade sie, die Neuankommenden, auch mir, erklären, wie Abläufe funktionieren, wo Dinge zu finden sind oder welches spanische Wort das richtige ist. Dieser gegenseitige Lernprozess verändert auch den Blick auf das eigene Privileg, einen solchen Dienst freiwillig leisten zu können und anschließend in ein sicheres Umfeld zurückzukehren, während andere den Umständen ihres Lebens deutlich stärker ausgeliefert sind.
Mittlerweile fühle ich mich in meiner Rolle als Freiwillige sicherer. Es fällt mir leichter, offen auf neue Menschen zuzugehen, und zu einigen, die ich nun seit ein paar Monaten kenne, hat sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Ein sehr schöner Nebeneffekt dieser Zeit ist, dass besondere und unerwartete Freundschaften entstehen, und ich merke, dass man sich auch mit Menschen verbunden fühlen kann, mit denen man auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten hat.
Genauso erfüllt mich die Zeit, die Rosi und ich mit den Schwestern verbringen. Sie begleiten uns im Alltag, etwa bei gemeinsamen Mahlzeiten oder beim sonntäglichen Gottesdienst, bei dem wir zusammen mit einigen Frauen aus dem Zentrum im Chor singen, aber auch an besonderen Tagen wie meinem 20. Geburtstag, Weihnachten, Silvester oder am 6. Januar, dem Día de los Reyes. Von Beginn an haben mich ihre Offenheit, Herzlichkeit und liebevolle Art hier ankommen lassen.
Diese Verbindung gibt Halt, gerade in herausfordernden Momenten, und macht das Leben in einem neuen Land deutlich leichter. Besonders beeindruckend ist es zu sehen, wie die Schwestern, die alle sehr verschieden sind, zusammenleben und sich perfekt ergänzen. Jeden Sonntag beim gemeinsamen Abendessen sind Lachflashs vorprogrammiert und diese Gemeinschaft unter Frauen, die ich hier erlebe, ist immer wieder aufs Neue beeindruckend.
Nicht zuletzt habe ich mich auch in die Stadt Madrid, das Land Spanien und die Menschen hier verliebt. Was für eine Bereicherung es doch für diese Stadt ist, dass hier so viele unterschiedliche Menschen hier zusammenfinden und die Stadt zu dem machen was sie ist. Lebensfroh, bunt und niemals still. Ich hoffe, dass mir einige der spanischen Gepflogenheiten, die ich hier so sehr schätze unter die Haut gehen und ich sie mir beibehalten werde. Denn trotz dessen, dass ich hier in der zweit größten EU-Hauptstadt wohne, scheint die Zeit hier manchmal anders zu vergehen. Es gibt immer Zeit für einen spontanen Kaffee, ein Gespräch auf der Straße oder lange Verabschiedungen. Mir scheint es, als würden die Menschen hier viel mehr im Moment leben und für mich ist das genau die richtige Herausforderung ;).
Das Leben hier ist fordernd, bereichernd und eine Erfahrung, die mich für immer begleiten wird.
¡Hasta luego!
Clara






