Maayung Buntag - guten Morgen. Dies waren meine ersten Worte auf Cebuano und sie begleiten mich seitdem an jeden Morgen. Ich lebe momentan mit meiner „Mit-MaZ“ Tina in Cebu, oder genauer gesagt in Talisay City, welches etwas südlich der Großstadt Cebu liegt. Wir wohnen zusammen in einem kleinen Zwei-Zimmerhäuschen in San Pio. Dies ist ein Dorf, welches von der Hilfsorganisation JPIC aufgebaut wurde, bietet ein Zuhause für etliche Familien, die von der Straße kommen.
Doch hier haben wir nicht von Anfang an gewohnt, denn die ersten zwei Wochen wohnten wir bei den Schwestern und besuchten mit anderen Freiwilligen der KKS einen Sprachkurs, in dem uns in „Philippino way“ Cebuano beigebracht wurde. Was wir aus diesem Kurs mitgenommen haben? Wir können Kinderlieder auf Cebuano und Englisch singen und so tun als würden wir die Lyrics kennen, aber eigentlich nur irgendwas vor uns hin nuscheln. :)
Nach diesen zwei Wochen zogen Tina und ich also nach San Pio und wurden ins Balay Samaritano eingearbeitet. Dies ist eine Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ohne Obdach, welche dorthin kommen, um zu essen, aber auch um einfach die Gemeinschaft dort zu genießen. Es ist für die Menschen von den Straßen nicht nur ein Ort, an dem sie Essen holen können, sondern ein richtiges Zuhause und die Gemeinschaft dort ist wie eine Familie. Jeder wird mit einem Lächeln und offenen Armen aufgenommen. Gemeinsam beten, essen, spielen, sich ausruhen, lernen und natürlich ganz viel Marites (Klatsch und Tratsch). Tinas und meine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, die kleinen Kinder zu beschäftigen. Wir malen, basteln, spielen und tanzen zusammen. Jeder Tag ist unterschiedlich, je nachdem wie viele und welche Kinder da sind und worauf sie heute Lust haben. Das Tanzen von Tiktok Tänzen ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Und es ist wirklich beeindruckend, wie viele Tänze sich diese kleinen Kinder merken können und wie sie sich schon im Alter von sechs Jahren bewegen können. Ich fühle mich daneben wie ein Baum, der gar kein Taktgefühl hat. Aber wir arbeiten daran…
Am 14. September wurde mit viel Tanz und Gesang das 15. Jubiläum des Balay Samaritano gefeiert. Und jede Altersgruppe hat etwas vorgesungen, getanzt oder geschauspielert. Tina und ich mussten auch etwas machen, was uns allerdings spontan 15 Minuten vor unserem Auftritt erst richtig mitgeteilt wurde. Wir entschieden und also einfach “Dancing Queen” zu singen, hatten jedoch keinen Text und wenn uns die Kinder nicht mit Tanz unterstützt hätten, dann wäre es wohl ein komplettes Desaster geworden. Wir waren sehr froh, als wir uns wieder hinsetzen durften…
So wie Karaoke zu einem guten Fest auf den Philippinen dazu gehört, so gehört auch gutes Essen dazu. Nachdem Halb-Desaster unserer Einlage konnten Tina und ich die philippinische Küche austesten und wie es uns prophezeit wurde, ist hier wirklich alles fettig oder süß oder beides. Es ist auf jeden Fall eine Umstellung, wenn man Pasta mit Tomatensoße sieht, dann probiert und es süß ist. Oder man sich extra Vollkorntoast kauft, um ein bisschen was Gesundes zu essen und dann hineinbeißt und es schmeckt wie eine Süßigkeit. Und wenn man dann mal einen Cookie, Muffin oder Eis essen will, kommt auf einmal ein Käse zum Vorschein. Also zusammen gefasst, sind es sehr wilde Essenskombinationen hier auf den Philippinen. Aber natürlich gibt es auch Essen, welches sich von dem uns bekannten nicht ganz so unterscheidet. Zum Beispiel den vielen „Sticky Rice“, der hier wirklich besser schmeckt als zuhause oder Lumpia, die so ähnlich wie Frühlingsrollen sind. Ich vermisse Brot trotzdem.
Wir haben das Glück, dass zwei Mitarbeiterinnen des Balays auch in San Pio wohnen und wir mit ihnen zusammen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hin- und zurückfahren können. Die Fahrten werden meisten genutzt, um Marites zu betreiben, denn die Menschen hier sind ziemlich gut darin, alles weiterzuerzählen. Geheimnisse gibt es nicht. bzw. es gibt sie schon aber jeder kennt sie. :) Praktisch für Tina und mich, denn so ist es leichter die Beziehungen der Menschen untereinander besser zu verstehen, kennenzulernen und leichter mit den Menschen in Kontakt zu treten, denn es gibt immer etwas Neues zu bereden und auch ohne viel Cebuano zu können, gibt es immer etwas zu lachen.
Ich hoffe, bald kann ich auch sprechen und nicht nur lachen.
Philine