MaZ: Spuren der gegenseitigen Nächstenliebe

Lea erzählt in ihrem neuen Rundbrief von den Osterfeierlichkeiten, die sie in Oaxaca erleben durfte. Generell wurde und wird in Mexiko viel, fröhlich und ausgiebig gefeiert. Was die Feste für die junge MaZ-Freiwillige rückblickend bedeuten, beschreibt sie hier.

Lea unterwegs mit Sr. Ewa

Fast genau ein Jahr ist vergangen, seit wir MaZ-Freiwilligen beim Pfingstfest in Steyl unseren Reisesegen erhalten haben und in die verschiedensten Einsatzländer ausgesendet wurden. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich in diesem Moment das erste Mal wirklich begriffen habe, dass ich meinen Alltag, meine Familie und Freund*innen in Deutschland dafür zurücklassen werde und ich mich auf eine Reise begebe, bei der ich noch nicht weiß, wo sie mich genau hinführen wird. Heute, fast zwölf Monate später, kann ich gar nicht richtig realisieren, dass ich seitdem in einem zuvor völlig fremden Land nicht nur täglich einen gänzlich außergewöhnlichen Alltag durchlebe, sondern sogar sagen kann, dass ich hier in Oaxaca tatsächlich eine neue Heimat neben meinem Zuhause in Deutschland finden durfte.

Auch in der zweiten Hälfte meines Freiwilligendienstes darf ich durch das Zusammenleben mit den Schwestern, das gemeinsame Spielen mit den Kindern im Kindergarten und vielen kleinen Alltagsfreuden - wie zum Beispiel die wöchentlichen Chorproben - jeden Tag aufs Neue erleben, wie dankbar ich für meine Erfahrungen und vor allem für die Menschen hier vor Ort, die mir mit einer unbeschreiblichen Offenherzigkeit begegnen, sein darf.

Dennoch gibt es auch immer wieder einzelne Erlebnisse, die mich auf eine sehr besondere Weise berühren und dazu zählt in diesem Halbjahr vor allem meine Erfahrung in der ,,Misión‘‘ während der Karwoche. Dabei habe ich nicht nur als MaZ-Freiwillige, sondern als ,,Misionera Lea‘‘ die Kommunitätsleiterin Schwester Ewa in drei Dörfer nahe der Küste Oaxacas begleitet, wo wir die Osterfeierlichkeiten organisierten. Das Besondere daran auf ,,Misión‘‘ zu gehen, liegt nämlich darin, dass die entsprechenden Kirchengemeinden in dieser Zeit keine Unterstützung durch einen Pfarrer erhalten und so kaum Möglichkeiten haben, das Osterfest nach der christlichen Liturgie zu feiern.

Somit verbrachte ich die diesjährige Karwoche zunächst mit der Organisation und der Durchführung zweier Jugendtreffen zum Thema Ostern, bei denen jeweils über 110 Jugendliche teilgenommen haben. Neben den Jugendlichen waren wir auch für Workshops zum Osterfest für die Kinder und Erwachsenen zuständig. Während die Workshops mit den Kindern mit viel Spiel, Spaß und kreativen Arbeitsphasen verbunden waren, waren die Workshops mit den Erwachsenen von intensiven Gesprächen und Diskussionen rund um den Tod und die Auferstehung Jesu geprägt.

Am Gründonnerstag wurde es dann nach den Aktivitäten der ersten Tage ziemlich ernst für mich, denn ich sollte meine erste Wortgottesdienstfeier eigenständig leiten: die Feier des letzten Abendmahls mit anschließender Anbetung des Allerheiligsten. Obwohl ich mich freiwillig dazu bereiterklärt hatte, war ich kurz vor der Feier ehrlicherweise ziemlich nervös. Trotz intensiver Vorbereitung hatte ich Angst davor, Fehler zu machen oder meiner Aufgabe nicht gerecht zu werden. Doch wie bereits in den letzten Tagen stellte ich mich schlussendlich der Herausforderung und bin dabei sehr über mich selbst hinausgewachsen. Nach dieser gelungenen Erfahrung waren die anschließende Leitung zweier Kreuzprozessionen am Karfreitag und das Feiern zweier weiterer Wortgottesfeiern in der Osternacht mit deutlich weniger Aufregung verbunden – bevor die Woche dann am Ostersonntag mit einem Ausflug und einem Sprung ins kalte Wasser des Flusses der Dörfer zu Ende ging.

Während dieser Woche durfte ich nicht nur sehr viel über mich selbst und meine Verbundenheit im Glauben mit Gott lernen, sondern gleichzeitig auch das Leben der Menschen in den Dörfern fernab der Großstadt Oaxaca de Juárez näher kennenlernen und tief in Ostertraditionen eintauchen, die mir zuvor völlig unbekannt waren. Besonders beeindruckt hat mich, wie eng die Menschen dort in Verbindung mit der Natur leben und wie selbstverständlich sie ihre Existenz durch die Ressourcen ihrer Umgebung sichern. Ich durfte lernen, wie Gefäße und Christbaumkugeln aus der Pflanze ,,Jicara‘‘ hergestellt werden, ich habe dabei über die Schulter geschaut, wie Faden für Faden typische Kleidung gewebt wurde und natürlich durfte ich bei der Ernte allerhand regionaler Früchte wie Mango, Ananas und Kokosnuss dabei sein. Vor allem aber durfte ich während der Woche als ,,Misionera‘‘ erfahren, dass Gott mich auf meinem Weg begleitet – während der Semana Santa, ebenso wie während meines gesamten Freiwilligendienstes hier in Mexiko.

Danach ging es auch direkt wieder in den MaZ-Alltag zurück, welcher in den letzten Wochen vor allem von ganz vielen traditionellen Festen begleitet wurde. Den Auftakt dafür stellte der ,,Dia de los Niños‘‘ (Tag der Kinder) dar, der am 30. April gefeiert wurde. Dafür haben wir im Kindergarten bereits die ganze Woche über außergewöhnliche Aktionen wie eine Schatzsuche, über einen Kinotag bis zu einem Wettbewerb für die schönste selbstgestaltete Kopfbedeckung mit den Kindern durchgeführt. Obwohl ich anfänglich etwas irritiert davon war, welch große Bedeutung dieser Tag hier im Vergleich zu seiner Bedeutung in Deutschland hat, ist mir die Schönheit dieser Tradition sofort bewusst geworden, als ich das Funkeln in den Augen der Kinder sah, während sie voller Freude an den Aktionen teilnahmen und die verschiedenen Überraschungen in vollen Zügen genossen haben.

Auch die Tradition des Muttertags, welcher hier am 10. Mai gefeiert wurde, durfte ich auf eine mir zuvor völlig unbekannte Art und Weise kennenlernen. Dafür haben wir im Kindergarten nämlich alle Mütter an einem Nachmittag in den Kindergarten eingeladen, um ihnen ein im Voraus mit den Kindern einstudiertes Programm vorzuführen. Von Gedichten, über Lieder und Tänze haben wir uns viele verschiedene Programmpunkte einfallen lassen, um den Mamas ein Lächeln in ihre Gesichter zu zaubern – denn oftmals ist es für die Mütter hier überhaupt nicht selbstverständlich, eine Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz zu bekommen und von den Schwierigkeiten des Alltaglebens abgelenkt zu werden.

Für die Menschen in Mexiko ist das Thema Feiern nach diesen Festlichkeiten aber selbstverständlich noch lange nicht abgeschlossen! Mit dem ,,Dia de las Maestras‘‘ (Tag der Lehrer*innen) folgte am 15. Mai direkt die nächste Feierlichkeit, die sogar mit einem freien Arbeitstag im Kindergarten verbunden war. Diesen haben wir dazu genutzt, gemeinsam mit den anderen Maestras und den Schwestern einen Ausflug zu machen, der uns an einen See inmitten eines kleinen Bergdorfs geführt hatte. Ich genieße es sehr, dass ich hier auch außerhalb des Kindergartens so ein tolles Verhältnis zu meinen Kolleg*innen habe und sie in den vergangenen Monaten zu richtigen Vertrauenspersonen für mich geworden sind. Gemeinsam haben wir den Tag mit einem Picknick, netten Gesprächen und einem gemeinsamen Mittagessen sehr genossen. Und bei dem abschließenden Wettrennen mit den Tretbooten auf dem See haben meine Mitfreiwillige Samyra und ich die anderen Maestras natürlich weit hinter uns gelassen!

Neben den typischen mexikanischen Feierlichkeiten spielt aber auch das Zusammenleben mit den Schwestern in meinem Alltag nach wie vor eine zentrale Rolle. Somit bestand die Vorbereitung auf das diesjährige Pfingstfest hier in Oaxaca daraus, dass wir bereits neun Tage vor Pfingsten mit einem täglichen Pfingstgebet begonnen haben. Am 20. Mai haben wir dann die Feier der Mitgründerin der Steyler Missionsschwestern, Hendrina Stenmanns, begangen. Da unser Kindergarten nach ihr benannt ist, haben wir uns natürlich auch mit den Kindern etwas Besonderes einfallen lassen und gemeinsam mit ihnen ein Lied zu diesem Anlass einstudiert. Während die Kinder Schwester Emmie dabei zugehört hatten, wie selbstlos Mutter Josefa, wie sie später genannt wurde, gelebt hatte, wurde auch ich von ihrer solidarischen Lebensweise stark berührt. Denn auch wenn ihr Leben alles andere als einfach war, hat sie an erster Stelle den Dienst an ihren Nächsten gesetzt und dabei immer versucht, mehr Licht in das Leben ihrer Mitmenschen zu bringen. In diesem Sinne möchte auch ich die letzten Monate meines Freiwilligendienstes angehen. Ich möchte mich noch einmal vollständig in meinem Alltag und meinen Dienst hier in Oaxaca hineingeben, um so nicht nur vollgepackt mit unvergesslichen Erinnerungen und einzigartigen Begegnungen wieder meine Rückreise nach Deutschland antreten zu können, sondern auch hier vor Ort Spuren des interkulturellen Austauschs und vor allem der gegenseitigen Nächstenliebe hinterlassen zu können.

Lea

Herstellung der traditionellen Tortillas
Osterworkshop mit den Kindern
Handgemachte Jicara-Gefäße
Gruppenbild am Día de Ninos
Feier von Mutter Josefa
Tanzvorführung am Muttertag