Vor einigen Monaten hätte ich mir nicht vorstellen können, dass die Zeit so schnell vergeht. Jetzt ist es tatsächlich so weit: In nur einem Monat geht es für mich zurück nach Deutschland. Ehrlich gesagt fühlt sich dieser Gedanke immer noch unwirklich an. Ich kann kaum glauben, dass mein Freiwilligenjahr schon fast zu Ende ist. Oaxaca ist längst nicht mehr nur der Ort, an dem ich meinen Freiwilligendienst mache, es ist zu meinem Alltag und zu einem zweiten Zuhause geworden.
Je näher meine Rückreise rückt, desto gemischter sind meine Gefühle. Einerseits freue ich mich darauf, meine Familie und Freund*innen in Deutschland wiederzusehen. Andererseits fällt mir der Gedanke schwer, dieses Leben hier zurückzulassen. Ich habe mich so sehr eingelebt, dass es sich seltsam anfühlt, bald wieder ganz von vorne anzufangen. Nach einem Jahr voller neuer Erfahrungen wartet wieder ein ganz anderer Alltag auf mich.
Gerade deshalb versuche ich, die letzten Wochen ganz bewusst zu genießen. Besonders die Zeit mit den Kindern im Kindergarten ist für mich noch wertvoller geworden. Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, denke ich an all die schönen Momente zurück, die wir gemeinsam erlebt haben. Die Kinder sind mir unglaublich ans Herz gewachsen, und auch meine Kolleginnen und Kollegen sowie viele andere Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, haben diese Zeit zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Besonders emotional ist für mich gerade, dass meine Gruppe schon bald ihren Kindergartenabschluss feiern wird. Es macht mich unglaublich stolz zu sehen, wie sehr sich die Kinder in diesem Jahr entwickelt haben. Bald werden sie den Kindergarten verlassen und ihren nächsten Schritt in Richtung Grundschule gehen. Im Moment bereiten wir gemeinsam ihre Abschlussfeier vor. Wir üben fleißig einen Walzer, einen Überraschungstanz und weitere Programmpunkte, damit dieser Tag für die Kinder und ihre Familien unvergesslich wird. Es erfüllt mich mit großer Freude, sie bis zu diesem wichtigen Meilenstein begleiten zu dürfen. Gleichzeitig macht mich der Gedanke auch traurig, denn ich weiß, dass ich mich kurz darauf von ihnen verabschieden muss. Wenn ich daran denke, dass ich die Kinder bald zum letzten Mal als „Maestra Samyra“ begrüßen werde, wird mir bewusst, wie sehr sie mir in diesem Jahr ans Herz gewachsen sind.
Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass genau jetzt die schönsten Momente passieren. Gerade, wenn alles so vertraut geworden ist und man sich richtig angekommen fühlt, merkt man, dass der Abschied immer näher rückt. Das macht viele Erlebnisse noch wertvoller.
In den letzten Wochen gab es außerdem viele besondere Ereignisse. Obwohl Mexiko bei der Fußballmeisterschaft ausgeschieden ist, war die Stimmung während der Spiele unvergesslich. Fußball gehört eigentlich nicht zu meinen größten Interessen, aber gemeinsam mit so vielen Menschen auf den Straßen für Mexiko mitzufiebern, war etwas ganz besonderes. Zum ersten Mal habe ich die Begeisterung für den Fußball wirklich gespürt – nicht wegen des Sports selbst, sondern wegen des Gemeinschaftsgefühls. Mitten in der Menschenmenge zu stehen, gemeinsam zu jubeln und den Stolz der Menschen auf ihr Land zu erleben, war ein Moment, den ich nicht vergessen werde.
Auch in Oaxaca war in den vergangenen Wochen viel los. Es fanden zahlreiche Feste und Paraden statt, bei denen die Straßen voller Musik, Tanz und fröhlicher Menschen waren. Diese Lebensfreude begeistert mich jedes Mal aufs Neue und ist etwas, das ich nach meiner Rückkehr sicher vermissen werde. Genau in dieser Zeit wird mir noch einmal bewusst, wie besonders die Kultur hier ist und wie sehr ich sie in mein Herz geschlossen habe.
Gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen Lea habe ich außerdem noch neue Orte entdecken dürfen. Wir haben unter anderem einen Ausflug an den Strand (Puerto Escondido) gemacht und dort gemeinsam mit anderen Freiwilligen eine wunderschöne Zeit verbracht. Solche gemeinsamen Erlebnisse haben unsere Freundschaft noch einmal vertieft und gehören zu den Erinnerungen, die ich für immer mitnehmen werde.
Je näher der Abschied kommt, desto mehr wird mir bewusst, wie sehr mich dieses Jahr verändert hat. Ich nehme nicht nur viele Erinnerungen mit nach Hause, sondern auch neue Freundschaften, wertvolle Erfahrungen und ein Stück Mexiko in meinem Herzen. Vor einem Jahr bin ich mit vielen Erwartungen nach Oaxaca gekommen. Heute reise ich mit unzähligen Erinnerungen, neuen Perspektiven und einem Herzen voller Dankbarkeit zurück.
Ich hätte nie gedacht, dass sich ein Ort, der anfangs so neu und ungewohnt war, einmal wie ein Zuhause anfühlen würde. Genau deshalb fällt mir der Abschied so schwer. Oaxaca hat mir nicht nur unvergessliche Erinnerungen geschenkt, sondern auch gezeigt, dass Heimat manchmal dort entsteht, wo man mit offenen Armen aufgenommen wird. Ein Teil meines Herzens wird deshalb für immer hierbleiben.
MaZ-Freiwillige Samyra