Das Plakat lud zur Aufführung ein

NONNA – Wenn der Klosterflur zur Theaterbühne wird

Die Theatergruppe „TOCH“ aus Tegelen, bestehend aus Carla, Lotte, Marcel und Victorine, bilden eine lockere Theatergruppe, die erst in diesem Jahr (2024) gegründet wurde. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, Literatur und Theater zusammenzubringen und zwar an ganz besonderen Orten. Einer davon war das Herz-Jesu-Kloster in Steyl.

„TOCH“ erzählt vier Geschichten von besonderen Frauen. Mit minimalem Bühnenaufwand und maximaler Beleuchtung konzentrierte sich die Aufmerksamkeit ganz auf das gesprochene Wort und die Gestik der Spielenden. Als Kulisse diente ein kurzes Stück Flur auf der 2. Etage im Nordbau des Herz-Jesu-Klosters. Jeweils rechts und links von der „Spielbühne“ waren zunächst 25 Stühle angeordnet. Da aber viel mehr Interesse an der Aufführung war als gedacht, wurde die Stuhlzahl verdoppelt; mehr war nicht möglich. Alle vier geplanten Aufführungen waren schnell ausverkauft. Wir Schwestern waren zu den zwei letzten Proben am 21.10. und zur Generalprobe am 23.10.2024 eingeladen.

Das Theaterstück „NONNA“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Mariet Verbong (NL-Limburgische Schriftstellerin, Jahrgang 1939, verstorben 2006, Anm. d. Red.). Das Buch erzählt die Geschichten von jungen Frauen, die in der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den Orden der Vorsehungsschwestern im Josefskloster in Steyl eintraten. Die vier Erzählungen zeigen ein Bild der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und der ersten 20 Jahre danach in den damals noch vollen Klöstern, bis in die 1970er Jahre hinein.

Der erzählerische Spielstil erweckt das geschriebene Wort zum Leben. Schnell entstand für mich eine dichte Atmosphäre, denn die Geschichten vermittelten die damalige Wirklichkeit in den Ordensgemeinschaften so echt!   

Jedes Mädchen hatte ihre eigenen Beweggründe, Hoffnungen und Erwartungen für die Zukunft.

Marcel, als Motorradfahrer erkenntlich mit Helm und Lederjacke namens „Hans“ im Spiel, erzählt die Geschichte seiner Braut Lisa Lamers. Seit Kindheit waren sie enge Freunde. Kurz vor ihrer Hochzeit erlitt Hans einen tödlichen Verkehrsunfall. Lisa wollte keinen anderen Mann und trat ins Kloster ein. Ihr Klostername war Sr. Johanna.

Victorine, Rosenkohl putzend, erzählt die Geschichte eines ursprünglich deutschen Mädchens, das bei den Vorsehungsschwestern zur Schule ging. Sie war fasziniert von ihrer Lehrerin, einer Vorsehungsschwester mit roten Wangen, samtig feinen Händen und dem beeindruckenden Ordenskleid. So wollte sie auch werden! Dieser Wunsch aus Kindheitstagen kam wieder an die Oberfläche, als sie nicht wie ihre Mutter werden wollte, die sich als Dienstmagd verdingt hatte. Im Ordenseintritt sah sie ihre Chance, ein besseres Leben zu führen, auch, um nicht ausgegrenzt zu werden, da sie wegen ihres deutschen Akzents oft gehänselt wurde.

Carla, eine Stoffpuppe unter dem Arm, hin und her laufend, erzählt die Geschichte einer jungen Frau, deren kleiner Bruder Jakob im Alter von zwei Jahren verstorben war. Ein tiefer und schwerer Schmerz für die Familie. Ihre Mutter sagte zu ihr, dass ihr so etwas im Kloster als Ordensschwester nicht passieren würde. Um so einem tiefen Schmerz zu entgehen, trat sie ins Kloster ein und kümmerte sich als Krankenschwester in besonderer Weise um die kleinen Patienten.

Lotte, auf einer Holzkiste stehend, erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die Geschmack am Zirkus fand und eine Weile mit ihm auf Tour war. Der Zirkus konnte aufgrund des Zweiten Weltkrieges und danach nicht weitergeführt werden. Sie kam zurück, aber zu Hause war sie nicht gerne gesehen. Wohin also? Sie entschied sich für einen Eintritt ins Kloster! Für ihren selbstlosen Einsatz bei der einheimischen Bevölkerung auf Java wurde sie sehr geschätzt.

Alle vier Frauen sind Ordensschwester geworden aus Gründen, die denken lassen könnten, dass doch keine von ihnen für das Ordensleben bestimmt war. Jedoch hat Gott seine eigene Weise, Menschen für diese Lebensform und in SEINE engere Nachfolge zu berufen. Gott hatte ihnen bis zum Ende ihres Lebens SEINE tiefe Liebe geschenkt. Alle vier Frauen sind dem Orden treu geblieben. 

Nach jeder Aufführung hatten die Besucher und Besucherinnen die Möglichkeit, mit den vier Schauspielenden und einigen unserer Schwestern bei einer Tasse Kaffee ins Gespräch zu kommen.

Einigen Besucher*innen bin ich begegnet. Sie waren tief berührt, begeistert und dankbar, dass sie so eine Aufführung erleben und in unser Haus kommen durften. Es war zu spüren, dass es eine Besonderheit für alle Beteiligten, auch für die Spielenden selbst, an einem besonderen Ort war!

Text und Fotos (von den Proben): Sr. Antonia Schmid SSpS