Persönliche Begegnung von Sr. M. Agnes S.D.P. (li) und Sr. Margret Keuck SSpS (re) im Gästesaal.

Raum zur Begegnung ermöglichen

Im Mutterhaus, dem Herz-Jesu-Kloster in Steyl, ist Gastfreundschaft seit jeher ein Teil unseres missionarischen Verständnisses. Unsere Gästeabteilung ist dabei weit mehr als ein organisatorischer Bereich – sie ist ein geistlicher Auftrag, schreibt Sr. Antonia Schmid.

Wir Steyler Missionsschwestern glauben zutiefst daran, dass Menschen einander brauchen: zum Zuhören, zum Teilen, zum Lachen, zum Trauern, zum Voneinander-Lernen und Spielen, zum Feiern. Begegnung ist ein heilender Raum.

Als die Zusters van de Goddelijke Voorzienigheid (Schwestern von der Göttlichen Vorsehung) am Mittwoch, 15.07.2026, ihr 150‑jähriges Jubiläum in den Niederlanden feierten, durften wir ihnen Ort, Räumlichkeiten und vor allem Raum zur Begegnung schenken und haben wieder einmal erfahren, wie wichtig es ist „Raum zur Begegnung zu ermöglichen“ und Gastfreundschaft zu schenken. Die „Schwestern von der Göttlichen Vorsehung“ kamen 1876 während des Kulturkampfes aus Deutschland in die Niederlande nach Blerick und Steyl. Ihr Kloster in Steyl haben sie verkauft, seit 2015 leben und wirken noch sechs Schwestern in Blerick.

In einer Zeit, in der die Vereinsamung weltweit zunimmt, wird unser Auftrag zur Gastfreundschaft immer dringlicher. Viele Menschen leben heute isolierter als früher, trotz aller digitalen Verbindungen. Deshalb gehört es zu unserer Aufgabe, Orte zu schaffen, an denen echte Nähe möglich wird – wo Menschen sich einzeln oder als Gruppe gesehen und wahrgenommen fühlen, wo Gemeinschaft entsteht und wo Vertrauen wachsen kann.

Wenn wir Schwestern Gäste empfangen, dann begegnen wir ihnen nicht nur organisatorisch, sondern mit Herz, mit Präsenz, mit Offenheit. Und ebenso wichtig ist uns, dass auch unsere Gäste einander begegnen können: über Generationen hinweg, über Kontinente und Ländergrenzen hinweg, über Lebensgeschichten hinweg.

So wurde das Jubiläum der „Zwarte Zusters“ - im Volksmund so genannt im Unterschied zu den Blauen und Rosa Schwestern - nicht nur ein Fest der Erinnerung, sondern ein Fest der Gemeinschaft. Ein Zeichen dafür, dass Kirche dort lebendig bleibt, wo Menschen sich begegnen – und dass unser Auftrag in Steyl auch darin besteht: Räume zu öffnen, in denen Menschlichkeit wachsen kann.

Text und Fotos: Sr. Antonia Schmid