Mit großer persönlicher Verbundenheit zur Geschichte und den Klöstern seines Heimatortes Steyl hat der Unternehmer und Initiator Maurice Ambaum ein außergewöhnliches Erinnerungsprojekt im Jahr 2015 in Niederländisch geschaffen: das Buch „100 Tage in den Klosterkellern von Steyl“ (in deutscher Übersetzung im Jahr 2017).
Es erzählt die wahre Geschichte von über 400 niederländischen Zivilisten, vorwiegend Mütter mit Kindern, die in den letzten Kriegsmonaten, vom 21. November 1944 bis zum Tag der Befreiung am 1. März 1945, in den Räumlichkeiten der Steyler Ordenshäuser Unterschlupf fanden – geduldet von der SS, und die so der Evakuierung entgingen – 100 Tage lang, in Sorge, Enge und Hoffnung. 100 Tage lang ein Auf-einander-angewiesen-Sein, Zusammenleben und Teilen von zumeist deutschen Ordensleuten (Landsleuten der Feinde!) und niederländischen Menschen.
Außer den Müttern und Kindern gab es eine zweite Gruppe: junge niederländische Männer, die von der SS gesucht wurden für den Arbeitsdienst in Deutschland, fanden enge Verstecke in den Kellerräumen, immer in der Angst, aufzufallen, gesehen und abtransportiert zu werden. Maurice hat bewegende Tagebuchaufzeichnungen gesammelt, behutsam aufgearbeitet und in Buchform zugänglich gemacht.
Am 22. Mai 2018 setzte er gemeinsam mit Zeitzeugen, Steyler Missionaren, Steyler Missionsschwestern und Interessierten ein sichtbares Zeichen des Erinnerns: Zwei Apfelzierbäumchen wurden im Vorgarten unseres Herz Jesu Klosters eingepflanzt – als Denk- und Mahnmal für Menschlichkeit in dunkler Zeit.
Auch unsere Mitschwestern hier im Herz-Jesu-Kloster waren bereit, in diesem von den Deutschen besetzten niederländischen Gebiet 1944/1945 ihre Türen für die Gesuchten zu öffnen und Verstecke zu kreieren, und riskierten somit ihr eigenes Leben, denn sie begingen ja Hochverrat. Keine Anweisung, keine Berechnung – einfach gelebte Nächstenliebe, Glaube und Vertrauen in Gott hatten sie zu tatkräftigem Handeln bewogen.
In unserer Katakombe St. Cäcilia (während dieser 100 Tage als Kapelle genutzt) erzählt Maurice eindrücklich von einigen Ereignissen, welche hier Ende des 2. Weltkrieges durchlebt wurden. Trotz Bombenangriffen und Gefahr konnte viele Male dort schlicht und einfach Gottesdienst gefeiert werden. Ein Dankdokument an der Tür erinnert bis heute daran. Das kleine „Jesuskind“ auf dem Altar war Weihnachten 1944 bei den Schwestern im Keller, als das Haus zwischen den Fronten lag. Mit ihm wurden die Gebete um Schutz und Frieden gesprochen. Alle Schwestern überlebten diese Zeit. Bis heute steht das „Jesuskind“ für Dankbarkeit und bewahrtes Leben.
Die Erzählungen von Maurice vor Ort, die Atmosphäre und der Geruch in den Kellerräumen und in der Katakombe haben mich innerlich sehr berührt und bewegt! Sein Anliegen: Erinnern, würdigen und sichtbar machen, wie Menschlichkeit selbst im dunkelsten Kapitel der Geschichte aufleuchten kann. Seine lebendigen Erzählungen sind Einladungen, dass sich diese Erlebnisse von damals einprägen, nicht wiederholen und unser heutiges Denken, Leben und Handeln im Sinne der Geschwisterlichkeit für unsere Welt verändern.
Maurice Ambaum ist seit vielen Jahren ein besonderer Freund von uns Steyler Missionsschwestern. Interessiert und engagiert arbeitet er eng mit der gesamten Steyler Familie zusammen – mit SVD, SSpS und SSpSAP. Seine Verbundenheit zeigt sich nicht nur in Projekten, sondern in einer treuen, gelebten Zusammenarbeit über Jahre hinweg.
Das Buch „100 Tage in den Klosterkellern von Steyl“ ist auch bei uns Steyler Missionsschwestern erhältlich und bleibt ein eindringliches Zeugnis dafür, dass Menschlichkeit stärker ist als Hass und Gewalt. Wir danken Maurice von Herzen für seinen großartigen Einsatz und wünschen ihm Gottes Segen für sein stetiges Engagement als Bote des Friedens und der Geschwisterlichkeit in unvergesslichen Kapiteln der Steyler Chronik.
Text: Sr. Antonia Schmid und Sr. Margret Keuck
Fotos: Sr. Antonia Schmid
Ein Impuls zur Katakombe in Steyl ist in unserem in:spirit Magazin erschienen. Hier den Text lesen.














